Budapest, Ungarn
Gedenktafel für die gefallenen Aufständischen des Corvin köz
Die Gedenktafel zur Erinnerung an die 1956 gefallenen Aufständischen der Corvin köz befindet sich seit dem 4. November 1990 im Innenhof der Corvin Passage. Das vom ungarischen Künstler Zsolt Gulácsy-Horváth entworfene Bronzerelief zeigt ein aus Panzerkettenspuren gebildetes Kreuz. Die Initiatoren der Gedenktafel sind nicht bekannt.
Das Corvin-Kino auf dem gleichnamigen Platz war eines der bekanntesten und größten Widerstandszentren in Budapest während der Revolution 1956. 1923 erbaut, befindet sich das Gebäude auf der Rückseite eines großen Häuserblocks, welches an der Kreuzung der wichtigen Ausfallstrassen Ullői út und des Großen Rings (Nagykörut) steht. Der Platz ist nur durch schmale Durchgänge erreichbar und bot mit der dahinter gelegenen Schule und einer Tankstelle günstige strategische Voraussetzungen für die Kontrolle der davor verlaufenden Straßen. Bereits am 23./24. Oktober 1956 sammelten sich hier erste Gruppen von Aufständischen, denen es gelang, aus der gegenüber liegenden Kilián-Kaserne Waffen zu erbeuten. Anführer wurde László Iván Kovács, der die Kämpfe mit den sowjetischen Truppen und den ungarischen Armeeeinheiten in den ersten Tagen der Revolution führte. Waren zu diesem Zeitpunkt gerade einmal etwa 40 bis 50 Aufständische in die Kämpfe verwickelt, stieg deren Zahl in den letzten Oktobertagen auf über eintausend an. Die Kämpfer entstammten meist dem einfachen Arbeiter- und Handwerkermilieu der umliegenden Wohnviertel. Etwa ein Drittel von ihnen war in den 1940er und 1950er Jahren in Konflikt mit dem stalinistischen Regime geraten und hatte aufgrund verschiedener Delikte Gefängnisstrafen verbüßt. Die überwiegende Mehrheit der Widerstandskämpfer waren zudem Jugendliche, deren Kampf gegen die sowjetischen Truppen wesentlich zur Entstehung des Mythos um den Corvin köz beitrug. Die Bewaffnung der Aufständischen beschränkte sich auf einige leichtere Handfeuerwaffen, so dass vor allem selbst gefertigte Molotowcocktails im Kampf gegen die Panzerfahrzeuge der ungarischen und sowjetischen Armee eingesetzt wurden. Nach dem Waffenstillstand am 28. Oktober 1956 nahmen die Aufständischen Kontakt mit Pál Maléter in der Kilián-Kaserne auf. In den folgenden Tagen nahmen Delegationen des Corvin köz an allen wichtigen Verhandlungen mit der Nagy-Regierung und der Armeeführung teil. Obwohl zwischen den Aufständischen und der Führung der Armee- und Sicherheitskräfte starkes Misstrauen herrschte, wurden die bewaffneten Gruppen Teil der in Bildung begriffenen Nationalgarde, behielten jedoch ihre Eigenständigkeit. Aufgrund der Bedeutung der Gruppe gewannen deren Anführer auch Einfluss auf die anderen Widerstandszentren im VIII. und IX. Stadtbezirk. Während der Feuerpause wurde am 30. Oktober, nach anderen Angaben am 1. November, Lászlo Iván Kovács abgesetzt und Gergely Pongrátz nach internen Auseinandersetzungen zum Anführer des Corvin köz berufen. Zeitgleich begann eine aus Aufständischen gebildete Miliz mit der Verhaftung von ÁHV- und Parteifunktionären, die in der Schule festgehalten wurden. Als am Morgen des 4. November 1956 der zweite sowjetische Einmarsch begann, war das Corvin köz eines der vorrangigen Ziele der Interventionstruppen. In den Abendstunden begann ein Großangriff der sowjetischen Truppen, bei dem der Wohnblock und das Kino schwer beschädigt wurden. Der Corvin köz musste so noch am gleichen Tag aufgegeben werden. Teile der Aufständischen setzten ihren Kampf in anderen Teilen der Stadt noch einige Tage fort, während andere flohen oder sich vor den einrückenden Truppen zu verstecken versuchten. Gergely Pongrátz gelang die Flucht in den Westen, während László Iván Kovács verhaftet und hingerichtet wurde.
Übersetzung (Englisch)
Memorial Plaque for the Insurgents of Corvin köz
The memorial plaque commemorating the insurgents of Corvin köz who fell in 1956 has been located in the inner courtyard of the Corvin Passage since November 4, 1990. The bronze relief designed by the Hungarian artist Zsolt Gulácsy-Horváth depicts a cross formed from the chain tracks of tanks. The initiators of the memorial plaque are not known.
The Corvin Cinema, located on the square of the same name, was one of the best-known and largest centres of resistance in Budapest during the 1956 Revolution. Built in 1923, the building stands at the rear of a large city block situated at the intersection of the important arterial road Üllői út and the Grand Boulevard (Nagykörút). The square can be reached only through narrow passageways and, together with the school and petrol station located behind it, offered favourable strategic conditions for controlling the surrounding streets.
As early as 23–24 October 1956, the first groups of insurgents assembled here and succeeded in seizing weapons from the Kilián Barracks opposite. László Iván Kovács became their commander and led the fighting against Soviet troops and Hungarian army units during the first days of the revolution. Whereas only approximately forty to fifty insurgents were involved in the fighting at that time, their number rose to more than one thousand during the final days of October.
Most of the fighters came from working-class and artisan backgrounds in the surrounding residential neighbourhoods. Approximately one-third of them had come into conflict with the Stalinist regime during the 1940s and 1950s and had served prison sentences for various offences. Moreover, the overwhelming majority of the resistance fighters were young people, whose struggle against the Soviet troops contributed significantly to the emergence of the legend surrounding Corvin köz.
The insurgents’ weaponry was limited to a small number of light firearms, which meant that homemade Molotov cocktails, in particular, were used against the armoured vehicles of the Hungarian and Soviet armies. Following the ceasefire of 28 October 1956, the insurgents established contact with Pál Maléter at the Kilián Barracks. During the following days, delegations from Corvin köz participated in all the major negotiations with the Nagy government and the army leadership.
Although there was considerable mistrust between the insurgents and the commanders of the military and security forces, the armed groups became part of the National Guard that was then being formed, while nevertheless retaining their autonomy. Owing to the group’s importance, its commanders also gained influence over the other centres of resistance in Budapest’s eighth and ninth districts.
During the ceasefire, on 30 October—or, according to other accounts, on 1 November—László Iván Kovács was removed from his position, and Gergely Pongrátz was appointed commander of Corvin köz following internal disputes. At the same time, a militia formed from among the insurgents began arresting ÁVH officers and party officials, who were detained in the school.
When the second Soviet invasion began on the morning of 4 November 1956, Corvin köz was one of the intervention forces’ primary targets. In the evening, Soviet troops launched a major assault in which the residential block and the cinema were severely damaged. Corvin köz consequently had to be abandoned that same day.
Some of the insurgents continued fighting in other parts of the city for several more days, while others fled or attempted to hide from the advancing troops. Gergely Pongrátz succeeded in escaping to the West, whereas László Iván Kovács was arrested and executed.
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Inschriften
Inschrift der Gedenktafel
(im Innenhof der Corvin-Passage)
HAZÁÉRT / 1956 / AZ 56-OS KEGYELETI BIZOTTSÁG
Deutsche Übersetzung:
Für das Vaterland / 1956 / Das '56-er Gedenkkomitee
Für das Vaterland / 1956 / Das '56-er Gedenkkomitee
Englische Übersetzung:
For the Fatherland / 1956 / The 1956 Memorial Committee
For the Fatherland / 1956 / The 1956 Memorial Committee
Sprache: Ungarisch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
4. November 1990 - Errichtung
Einweihung der Gedenktafel für die gefallenen Aufständischen des Corvin köz
Literatur
- Géza, Boros: Emlékmüvek '56-nak. Budapest, 1997
- Eörsi, László: A Szena Tériek 1956, Budapest 2005
- Litván, György; Bak, János M. (Hrsg.): Die Ungarische Revolution 1956. Reform, Aufstand, Vergeltung, Wien 1994
- 1956 enciklopédiája. A magyar forradalom és szabadságharc. 1956 október 6.- december 12, hrsg. vom 1956-os Intézet (1956-er Institut), Budapest 1999. 1 CD-ROM
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: im Innenhof, Corvin köz 3
- Stadt: Budapest
- Ortsteil: VIII. Stadtbezirk
- Land: Ungarn
