Budapest, Ungarn

Gedenkstätte "Kleines Gefängnis"

 
Die Gedenkstätte im „Kleinen Gefängnis“ wurde 1991 eingerichtet. Sie befindet sich im ehemaligen Todestrakt der Haftanstalt an der Kozma utca. Zu sehen sind die rekonstruierten Zellen, in denen die Häftlinge vor ihrer Hinrichtung festgehalten wurden. Ebenfalls wurden zwei Galgen wiederhergestellt, wie sie in den 1950er Jahren benutzt worden waren. Im Hof der Anstalt, in dem ein Großteil der Exekutionen vorgenommen wurde, befindet sich eine Gedenkmauer, auf welcher der Toten der Revolution und der politischen Verfolgung seit 1945 gedacht wird. Auf dem ersten Abschnitt sind unter einer ungarischen Flagge sieben schwarze Marmortafeln zu sehen, die die Namen hingerichteter Aufständischer, geordnet nach dem Hinrichtungsjahr, zeigen. Daneben wurden verschiedene kleinere Gedenktafel für einzelne Opfer der Erhebung angebracht. Der zweite Abschnitt ist den Opfern politischer Willkür zwischen 1945 und 1956 gewidmet. Auch er zeigt auf einem Nekrolog auf acht schwarzen Marmortafel die Namen der Ermordeten. Die Gedenkstätte befindet sich in der noch im Betrieb befindlichen Haftanstalt und ist deshalb nur eingeschränkt zugänglich. Das Gefängnis an der Kozma utca wurde 1896 als Budapester Königliches Staatliches Durchgangsgefängnis (Budapesti Királyi Országos Gyűjtogogház) in Betrieb genommen. Nach 1945 erhielt es die Bezeichnung Staatsgefängnis (Országos Börtön) und dient bis heute als Sammelgefängnis für verurteilte Untersuchungshäftlinge, die von hier aus in die verschiedenen Haftanstalten des Landes verschickt werden. Dabei fungierte ein besonderer Teil der Anstalt, der unter dem Namen „Kleines Gefängnis“ („Kisfogház“) bekannt wurde, als zentraler Hinrichtungsort für zum Tode Verurteilte. Dieser Sondertrakt befand sich rechts neben dem Eingang und war durch eine Mauer baulich vom Rest der Anstalt getrennt. Im Erdgeschoss des Zellenbaus waren die Zellen für die Todeskandidaten untergebracht. Die Exekution selbst wurde mittels transportabler Galgen vorgenommen, die auf einem nicht einsehbaren Hof aufgestellt wurden. Später erfolgten die Exekutionen auch im Inneren in eigens dafür eingerichteten Zellen. Zu den auf diese Weise Hingerichteten zählten insbesondere in den 1940er und 1950er Jahren zahlreiche politische Häftlinge. Insbesondere nach der Niederschlagung der Revolution 1956 diente das Gefängnis an der Kozma utca als zentraler Hinrichtungsort. Bekanntestes Opfer wurde der ungarische Ministerpräsident Imre Nagy, der in den frühen Morgenstunden des 16. Juni 1958 hier gehängt wurde. Die Exekutionen im „Kleinen Gefängnis“ wurden erst Mitte der 1980er Jahre eingestellt, nachdem in Ungarn die Todesstrafe abgeschafft worden war. Die für die Tötung genutzten Vorrichtungen wurden Ende der 1980er Jahre abgebaut und vernichtet.
The memorial site in the „Little Prison“ was established in 1991. It is located in the former death row of the Kozma Street prison. One can see the reconstructed prison cells where inmates were kept before their execution. Two gallows were also reconstructed exactly as they were utilised in the 1950's. In the penitentiary courtyard, where the majority of executions were carried out, there is a commemorative wall dedicated to those who fell in the Revolution, as well as the victims of persecution after 1945. In the first segment, there are seven black marble plaques beneath the Hungarian flag, which bear the names of executed insurgents, arranged according to the year of execution. Nearby, several smaller, miscellaneous plaques for individual victims have been installed. The second segment is dedicated to the victims of arbitrary political action between 1945 and 1956. There, too, one can find a necrology on eight black marble plaques bearing the names of those murdered. The memorial site is located in the penitentiary, which is still in operation, and is thus only accessible to a restricted degree. The prison in the Kozma Street went into operations in 1896 as the Royal National Transfer Penitentiary (Budapesti Királyi Országos Gyűjtogogház). After 1945, it was reclassified as a State Penitentiary (Országos Börtön), and still functions today as a transfer point for condemned inmates, who are then sent on to various locations in Hungary. A special part of the facility became known under the name „Little Prison“ („Kisfogház“), as a central place of execution for those sentenced to death. This special wing was located to the right of the entrance and was architecturally separated from the rest of the facility by a wall. On the ground floor of the section with the prison cells, once could also find the cells of the death row inmates. Executions were carried out with the use of transportable gallows, which would be set up in a closed-off courtyard. Later, executions were also carried out inside the building, in cells especially equipped for this purpose. Among those who were put to death in this manner were numerous political prisoners in the 1940's and 1950's. Especially after the defeat of the Revolution in 1965, the prison in the Kozma Street serves as a central location for executions. The most prominent victim was the Hungarian Minister President Imre Nagy, who was hanged here during the early morning hours of June 16, 1958. Executions in the „Little Prison“ were first stopped during the mid-1980's, after the death penalty had been abolished in Hungary. The furnishings used for executions were dismantled and destroyed at the end of the 1980's.

Inschriften

Inschrift der Gedenktafel
(über dem Nekrolog der Aufständischen)
MÁRTÍRJANK EMLÉKE ÖRÖK
Deutsche Übersetzung:
Ewiges Gedenken unseren Märtyrern
Englische Übersetzung:
Eternal commemoration to our martyrs
Sprache: Ungarisch, Schrift: Lateinisch
Inschrift der Gedenktafel
(am Eingang zur Gedenkstätte)
EZ A BÖRTÖN / A KOMMUNIZMUS MAGYAROROZÁGI / ÁLDOZZATAINAK EGYIK EMLÉYHELYE / TÖBB TÍZEZER MAGYAR SZENVEDETT / E FALAK KÖZÖTT ÁPTATLANUL. / KÖZÜLÜK SZÁZAKAT VÉGEZTEK KI / PRO PATRIA ET LIBERTATE ÁLLÍTTATOTT AZ 56-OS FORRADALOM / ÉS SZABADSÁGHARC 35. ÉVFORDULÓJÁN
Deutsche Übersetzung:
Diese Gefängnis ist eine Gedenkstätte für die ungarischen Opfer des Kommunismus. Mehrere Zehntausende Ungarn litten unschuldig innerhalb dieser Mauern. Hunderte von ihnen wurden hingerichtet. Pro Patria et Libertate. Errichtet im 35. Jubiläumsjahr der Revolution und des Freiheitskampfes
Englische Übersetzung:
This prison is a memorial site for the Hungarian victims of Communism. Several hundred thousands of Hungarians suffered innocently within these walls. Hundreds of them were executed. Pro patria et libertate. Erected on the 35th anniversary of the Revolution and Fight for Freedom
Sprache: Ungarisch, Schrift: Lateinisch
Inschrift der Gedenktafel
(über dem Nekrolog der hingerichteten Opfer politischer Verfolgung)
A HAZÁÉRT ÉLTEK HAJTAK. 1945-1956 KOZOTTI NEMZETI ELLENÁLLÁS / KIVÉGZETI MÁRTÍRJAI
Deutsche Übersetzung:
Sie lebten und starben für das Vaterland. Die zwischen 1945 und 1956 hingerichteten Märtyrer des nationalen Widerstandes
Englische Übersetzung:
They lived and died for our fatherland. The martyrs of the national resistance, executed between 1945 and 1956
Sprache: Ungarisch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

1991 - Einweihung
Einweihung der Gedenkstätte "Kleines Gefängnis"

Literatur

  • Vademecum contemporary history Hungary / Jelenkortörténet Magyarország, hrsg. von Rainer, János; Topits, Judit; Mählert, Ulrich, Berlin/Budapest 2005
  • 1956 enciklopédiája. A magyar forradalom és szabadságharc. 1956 október 6.- december 12, hrsg. vom 1956-os Intézet (1956-er Institut), Budapest 1999. 1 CD-ROM
  • Rainer, János: Imre Nagy. Vom Stalinisten zum Märtyrer des ungarischen Volksaufstands. Eine politische Biographie 1896 – 1958, Paderborn 2006
  • Dent, Bob: Budapest 1956. Locations of Drama, Budapest 2006
 
  • Kategorie: Museale Anlage
  • Historisch: Ja
  • Standort: Kozma utca 13
  • Stadt: Budapest
  • Ortsteil: X. Stadtbezirk
  • Land: Ungarn