Berlin, Deutschland
Gedenktafel für Petro Werhun
Die Gedenktafel für Petro Werhun wurde 13. August 2005 in der Unterkirche der St. Hedwigs Kathedrale in Berlin eingeweiht. Sie befindet sich in der Kapelle für den seligen Bernhard Lichtenfeld und wurde von der Kirchgemeinde und der griechisch-katholischen Kirche in Deutschland initiiert. Die schlichte Bronzetafel zeigt eine Werhun gewidmete Inschrift in deutscher und ukrainischer Sprache.
Petro Werhun wurde 1890 in Gródek Jagiellonski (heute ukraninisch: Horodok) bei Lwiw als Sohn eines Zimmermanns geboren. Nach dem Abitur 1909 leistete er Wehrdienst in der österreichisch-ungarischen Armee. Im Ersten Weltkrieg schloss sich Werhun den in Österreich aufgestellten Ukrainischen Legionen an und kämpfte in den Reihen der Blauen Schützen. 1920 geriet er in polnische Kriegsgefangenschaft, aus der er in die Tschechoslowakei floh. Dort nahm er Kontakt zur ukrainischen Exilgemeinde auf und begann ab Herbst 1920 an der Prager Karls-Universität ein Studium der Kirchengeschichte. Später promovierte er an der in die tschechoslowakische Hauptstadt übergesiedelten Freien Ukrainischen Universität. 1926 kehrte Werhun zunächst nach Lemberg zurück, wo er vom Metropoliten Scheptyzkyj zum Priester geweiht wurde. Kurz darauf übernahm er das Amt eines griechisch-katholischen Priesters in Berlin. Werhun war damit für die seelsorgerische Betreuung aller Ukrainer im Deutschen Reich zuständig. In den folgenden Jahren engagierte sich Petro Werhun für den Aufbau von ukrainischen Kirchgemeinden und caritativen Einrichtungen. Zugleich verfolgte er die Idee einer Ökumene, die es orthodoxen, unierten und katholischen Ukrainern ermöglichen sollte, ein gemeinsames Glaubensbekenntnis abzulegen. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde Werhun am 23. November 1940 von Papst Pius XII. zum apostolischen Visitator für Deutschland ernannt. Die Zahl der seelsorgerisch zu betreuenden Ukrainer im Deutschen Reich hatte durch hunderttausende Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und Flüchtlinge aus Polen und der Sowjetunion zugenommen. Die nationalsozialistische Rassenideologie schränkte Werhuns Tätigkeit zugleich ein. Er selbst wurde mehrmals von der Gestapo verhört, konnte aber schließlich mit Duldung der Behörden seine Aufgabe fortsetzen.
Nach der Befreiung Deutschlands und der Besetzung Berlins durch die Rote Armee lehnte Werhun die Flucht in die westlichen Besatzungszonen ab. Die sowjetische Geheimpolizei NKWD verhaftete ihn am 22. Juni 1945 in seinem Gemeindehaus im Prenzlauer Berg. Im folgenden Monat wurde Werhun nach Kiew verschleppt, wo ihm zusammen mit anderen hochrangigen Vertretern der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche der Prozess gemacht wurde. Werhun wurde Kollaboration mit dem NS-Regime sowie die Mitgliedschaft in antisowjetischen Organisationen vorgeworfen. Der inzwischen 56-jährige Werhun wurde am 3. Juni 1946 zu acht Jahren Zwangsarbeit verurteilt, die er in Lagern bei Tajschet, in Workuta, in Inta und in Irkutsk verbrachte. Werhun überlebte die GULag-Haft, gesundheitlich schwer angegriffen wurde er 1954 entlassen. Die Rückkehr in seine Heimat war ihm jedoch verboten. Er wurde nach Angar, Region Krasnojarsk, in die Verbannung geschickt. Trotz internationaler Interventionsversuche gelang es nicht, Werhuns Freilassung zu erwirken. Er starb am 7. Februar 1957 an Entkräftung in einem Lagerkrankenhaus bei Krasnojarsk. Am 27. Juni 2001 wurde Werhun von Papst Johannes Paul II. in Lwiw selig gesprochen. Seine Gebeine waren bereits 2001 aus Sibirien nach Lwiw überführt und dort beigesetzt worden. Reliquien wurden in die Kirchen von Horodok sowie in die St. Hedwigs Kathedrale Berlin überführt.
Inschriften
Inschrift der Gedenktafel
(in der Unterkriche der St. Hedwigs Kathedrale)
Wegbereiter der Ökumene /
PETRO WERHUN /
1890 in Horodok/Galizien geboren // 1927 Pfarrer der ukrainischen Gemeinde in Berlin // 1940 Apostolischer Visitator der ukrainischen Katholiken in Deutschland mit Sitz in Berlin // 1945 vom sowjetischen Geheimdienst verhaftet // 1957 in Sibirien gestroben //
2001 in L'viv/Lemberg seliggesprochen // Блаженний священномученику Петре Вергуне, молися за нас!
Sprache: Deutsch / Ukrainisch, Schrift: Kyrillisch / Lateinisch
Ereignisse
14. August 2005 - Einweihung
Einweihung der Gedenktafel für Petro Werhun
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Nein
- Standort: Bebelplatz, in der Unterkirche der St. Hedwigs Kathedrale
- Stadt: Berlin
- Ortsteil: Mitte
- Gebiet: Berlin
- Land: Deutschland


