Grünheide, Deutschland
Gedenktafel für Robert Havemann
Robert Havemann (1910–1982) wurde am 11. März 1910 in München geboren und wuchs in einer bürgerlichen Familie auf. Bereits während seines Chemie-Studiums zwischen 1929 und 1933 in München und Berlin war er politisch aktiv. 1932 trat er der KPD bei. Nach 1933 beteiligte sich der Wissenschaftler aktiv am Widerstand gegen das NS-Regime. Im September 1943 wurde er von der Gestapo verhaftet und in einem Hochverratsprozess durch den Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Bis zu seiner Verhaftung betrieb Robert Havemann militärisch relevante Forschungen, was ihm schließlich auch das Leben rettete. Im Zuchthaus Brandenburg wurde für ihn ein Labor eingerichtet, in dem er weiter zu Giftgasverbindungen für das Heereswaffenamt forschen musste.
Robert Havemann setzte sich nach 1945 für den Sozialismus ein. In den Anfangsjahren der DDR sei er, wie er in seiner Autobiographie erklärt, Stalinist gewesen. Doch der Aufstand vom 17. Juni 1953 und die Abrechnung Chruschtschows mit Stalin 1956 sowie die blutige Niederschlagung des Ungarn-Aufstandes im gleichen Jahr bewirkten bei Havemann einen tiefgreifenden politischen Wandlungsprozess. Havemann wurde in den 1960 Jahren zum bedeutendsten und bekanntesten Systemkritiker in der DDR. Havemann wurde mit seinen Vorlesungen zu naturwissenschaftlichen Aspekten philosophischer Probleme seit 1960 für viele Studenten und junge Wissenschaftler zu einer Leitfigur. Im Wintersemester 1963/64 zählten seine Lehrveranstaltungen über 1 000 Hörer. Für die junge akademische Generation waren seine Ansichten ein intellektuelles Ventil ihrer eigenen Unzufriedenheit mit den politischen Verhältnisse in der DDR. Seine Kritik führte 1964 zum Ausschluss aus der SED und zur fristlosen Kündigung durch die Humboldt-Universität zu Berlin. Zwei Jahre später folgte seine Entlassung aus der Deutsche Akademie der Wissenschaften. Zudem wurde er als Korrespondierendes Mitglied der Akademie statutenwidrig gestrichen. Bis zu seinem Tod am 9. April 1982 in Grünheide hatte Robert Havemann faktisch Berufsverbot und wurde vom MfS permanent überwacht. Zwischen November 1976 und Mai 1978 stellte man ihn aufgrund seiner Kritik an der Ausbürgerung Wolf Biermanns unter Hausarrest.
Anlässlich des zehnten Jahrestages des Mauerfalls wurde Robert Havemann 1999 postum die Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Grünheide verliehen. Ihm zu Ehren wurde am 11. März 2000 an der alten Schule eine Gedenktafel enthüllt.
Inschriften
Inschrift der Gedenktafel
(an der alten Schule 2)
Seit dem 11. März 1990 trägt unsere alte Schule den Namen / ,Robert Havemann Klubhaus‘ / Wir Grünheider Bürger ehren mit dieser Namensverleihung / Professor Dr. Robert Havemann / der von 1964 bis zu seinem Tode / in der Alt-Buchhorster Burgwallstraße lebte. / Sein Grab befindet sich auf dem Grünheider Waldfriedhof.
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
11. März 2000 - Einweihung
Einweihung der Gedenktafel für Robert Havemann
Literatur
- Hoffmann, Dieter: Der Physikochemiker Robert Havemann (1910–1982). Eine deutsche Biographie, in: Hoffmann, Dieter/Macrakis, Kristie (Hrsg.): Naturwissenschaft und Technik in der DDR, Berlin 1997
- Polzin, Arno: Der Wandel Robert Havemanns vom Inoffiziellen Mitarbeiter zum Dissidenten im Spiegel der MfS-Akten, Berlin 2005 (= BF informiert, H. 26/2005)
- Havemann, Katja/Widmann, Joachim: Robert Havemann oder wie die DDR sich erledigte, München 2003
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Nein
- Standort: „Robert Havemann Klubhaus“, An der alten Schule 2
- Stadt: Grünheide
- Gebiet: Brandenburg
- Land: Deutschland
