Friedland, Deutschland

Museum Friedland

 
Die britische Militärverwaltung richtete nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Friedland, einem Dorf südlich von Göttingen, in der Nähe des Dreiländerecks Niedersachsen, Thüringen und Hessen ein Notaufnahmelager für Flüchtlinge, Vertriebene, Heimkehrer und heimatlose Menschen ein. In der Nähe von Friedland stießen die britische, russische und amerikanische Besatzungszone aufeinander. Damit lag das Dorf unweit des späteren Eisernen Vorhanges. Es gab zudem eine Bahnstation und eine gut ausgebaute Straße. Zuerst wurden für das Lager die Einrichtungen des ehemaligen Versuchsgutes der Universität Göttingen genutzt. Schnell entstanden um das Gut herum in nassen Wiesen und auf Ackerboden einige Hundert halbrunde, dunkel geteerte Wellblechbaracken („Nissenhütten“), die später durch Holzbaracken und feste Gebäude ersetzt wurden. Friedland wurde ein „Tor zur Freiheit“. Hierher kamen ab 1945 Millionen von Menschen: in den ersten Nachkriegsjahren Männer und Frauen aus den sowjetischen Arbeits- und Gefangenenlagern, Internierte vor allem aus Polen und der Tschechoslowakei, Vertriebene und Aussiedler aus den ehemals deutschen Gebieten Schlesien und Pommern, politische Flüchtlinge aus Ungarn und anderen osteuropäischen Staaten, elternlose Kinder und Jugendliche, Rückwanderer aus Übersee. Nach Gründung der DDR wurde Friedland zum ersten Anlaufpunkt für die Flüchtlinge und Übersiedler aus dem Osten Deutschlands. Politischer Druck, Enteignung, Unzufriedenheit und Repressalien ließen Millionen Ostdeutsche zwischen 1949 und 1990 ihre Heimat verlassen. Neben den Menschen aus der DDR kamen im Verlauf der Jahrzehnte aber auch viele Aussiedler aus der Sowjetunion, die in Friedland ein erstes Quartier bezogen. Aus dem einstigen Notaufnahmelager wurde mit Gründung der Bundesrepublik Deutschland das Grenzdurchgangslager Friedland, eine Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Niedersachsen für Aussiedler und Flüchtlinge. Das Lager verfügt heute über 820 Bettplätze. Insgesamt durchliefen seit 1945 mehr als vier Millionen Menschen dieses Lager. Seit dem 1. Januar 2011 ist das GDL Friedland als Teil der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen auch Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber. Darüber hinaus nimmt das Grenzdurchgangslager Friedland Flüchtlinge im Resettlementverfahren auf. Das Friedland-Mahnmal wurde zum Gedenken an die Toten des Zweiten Weltkrieges und die Opfer des Nachkriegsunrechts auf einer Anhöhe in Lagernähe errichtet. Initiiert wurde das Denkmalprojekt vom verband der Heimkehrer, Kriegsgefangenen und Vermisstenangehörigen Deutschlands, der bereits seit 1946 für diesen Zweck Spenden sammelte. Die Künstler Martin Bauer und Hans Wachter haben das Monument erdacht und künstlerisch umgesetzt. Bei der Grundsteinlegung am 15. Mai 1966 war Konrad Adenauer anwesend. Die feierliche Einweihung am 15. Oktober 1967 vollzog der damalige niedersächsische Ministerpräsident Georg Diederichs. Mit seinen bis zu 28 Meter hohen Betonflächen symbolisiert das Mahnmal nach allen Himmelsrichtungen offene Türen. Insgesamt sind 12 Tafeln mit Inschriften angebracht. Eine der Tafeln trägt die Inschrift: „Den toten Kameraden – allen Opfern der Gewalt – Völker versöhnt euch!“. Im Lager selbst befinden sich eine unter Denkmalschutz stehende Baracke, die Friedland-Glocke, die den Ankömmlingen bei ihrer Ankunft läutete, und das Heimkehrer-Denkmal. In unmittelbarer Nähe des Grenzdurchgangslagers eröffnete im März 2016 im Beisein des niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil und des Innenministers Boris Pistorius das Museum Friedland, dessen Dauerausstellung „Fluchtpunkt Friedland“ die Geschichte des Grenzdurchgangslagers von 1945 bis heute nachzeichnet. Errichtet wurde das Museum im historischen Bahnhof unter der Federführung des Niedersächsischen Ministeriums für Inneres und Sport. Die Umbaukosten von über 20 Millionen Euro teilten sich der Bund und das Land Niedersachsen. Anhand von Dokumenten, Fotos sowie persönlichen Erinnerungsstücken von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen informiert die Ausstellung über die diversen Flucht- und Migrationsgeschichten. Inhaltliche Schwerpunkte bilden dabei Kriegsfolgenmigrationen sowie die Einwanderung von (Spät-)Aussiedlern. Ein virtueller Onlinerundgang durch die Ausstellungsräume sowie diverse Wechselausstellungen in der „Nissenhütte“ ergänzen das Bildungsangebot. Das Museum Friedland verfügt zudem über eine Sammlung von Zeugnissen aus Geschichte und Gegenwart des Grenzdurchgangslagers, deren Objekte auch zu museumspädagogischen Zwecken eingesetzt werden. Für das Jahr 2025 ist ein weiteres Museumsgebäude als Ergänzung zur Dauerausstellung geplant, in dem die Geschichte der Migration nach Deutschland über Friedland seit 2016 multiperspektivisch erzählt werden soll. Die Abbildung aktueller Diskurse soll zum Nachdenken über die Gegenwart und Zukunft von Migration, Flucht, Asyl und Integration in Deutschland anregen.

Kontakt

Landesaufnahmebehörde Niedersachsen - Standort Grenzdurchgangslager Friedland
Heimkehrerstraße 18
37133 Friedland
Museum Friedland
Bahnhofstraße 2
37133 Friedland

Inschriften

Inschrift auf dem Heimkehrerdenkmal
Den toten Kameraden – allen Opfern der Gewalt – Völker versöhnt euch!
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

18. März 2016 - Eröffnung
Eröffnung des Museums Friedland

Literatur

  • Kleineke, Dagmar: Entstehung und Entwicklung des Lagers Friedland 1945–1955, Dramfeld 1994
  • Reding, Josef: Friedland. Chronik der großen Heimkehr, Recklinghausen 1956

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016