Berlin, Deutschland

Parlament der Bäume gegen Krieg und Gewalt

 
Ein Jahr nach dem Fall der Berliner Mauer eröffnete am 9. November 1990 in unmittelbarer Nähe des Reichstagsgebäudes die vom Aktionskünstler Ben Wagin gestaltete Gedenkstätte „Parlament der Bäume gegen Krieg und Gewalt“. Das Werk des Natur- und Kunstaktivisten ist geprägt von der Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur ebenso wie von der Auseinandersetzung mit der Berliner Mauer und der Geschichte der innerdeutschen Teilung. Bereits Ende 1961 nahm er an einem internationalen Bildhauersymposium im Tiergarten teil, das dem Thema der Spaltung Berlins, Deutschlands und der Welt im Kalten Krieg gewidmet war. Diese ersten künstlerischen Auseinandersetzungen mit dem Grenzregime und der Berliner Mauer sind bis heute im Bereich der ehemaligen Krolloper im Tiergarten zu besichtigen. Von Wagin stammt auch das Mauer-Mahnmal im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus des Bundestages, auf dessen Grundfläche bis 1989 die Berliner Mauer verlief. Dieser Umstand wird durch im Gebäude aufgestellte Mauersegmente symbolisiert, auf denen für den Zeitraum 1961–1989 auf die einzelnen Jahre bezogen die jeweilige Zahl der bei Fluchtversuchen zu Tode gekommenen Menschen verzeichnet ist. Das „Parlament der Bäume“ – ein 2.850 Quadratmeter großes Freiluftareal auf dem ehemaligen Grenzstreifen – konzipierte Wagin als Mahnmal gegen Krieg und Gewalt sowie als Gedenkort für die Toten an der Berliner Mauer. In mehreren Aktionen gestaltete er zwischen 1990 und 1996 Mauerteile und pflanzte Bäume. Das Herzstück der Anlage bildet ein Karree aus 16 Bäumen, die 1990 von den Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer am Spreeufer gesetzt wurden. Während der Bauarbeiten für das neue Regierungsviertel mussten zahlreiche Bäume umgesetzt werden, sodass die Gedenkstätte für längere Zeit nicht zugänglich war. Am 3. Oktober 1997 machte Wagin mit einer spektakulären Aktion auf den Erinnerungsort aufmerksam: Mit 999 entzündeten Fackeln markierte er den Verlauf der Berliner Mauer. Ergänzt wird das Karree der Bäume durch großformatige Granitplatten, auf denen die Namen von 258 Mauertoten verzeichnet sind. Diese Zahl stimmt jedoch nicht mit dem aktuellen Forschungsstand von mindestens 140 wissenschaftlich erforschten Todesopfern des Grenzregimes überein. Sie spiegelt eher den Kenntnisstand von 1990 wider, dem Jahr der Entstehung des Erinnerungsorts. Gedenksteine, Mauerkunst, Blumenbeete und künstlerische Interventionen erweitern das Ensemble. Seit Juni 2021 wird das „Parlament der Bäume“ von der Stiftung Berliner Mauer betreut. Der Gedenkort kann vom 4. April bis zum 5. Oktober jeweils freitags bis sonntags von 12 bis 17 Uhr besichtigt werden. Führungen sowie ein künstlerischer Workshop für Kinder und Familien sind Teil des pädagogischen Programms, das auf Anfrage über die Website gebucht werden kann.

Kontakt

Parlament der Bäume
Schiffbauerdamm
10117 Berlin

Ereignisse

9. November 1990 - Eröffnung
Eröffnung des Parlaments der Bäume gegen Krieg und Gewalt

Literatur

  • Klausmeier, Axel: Das Parlament der Bäume gegen Krieg und Gewalt. Ein Berliner Erinnerungsort aus künstlerischer Aneignung und grüner Oase, in: Posselt, Isabel/Sälter, Gerhard/Wichmann, Manfred (Hrsg.): Inszeniertes Leid. Das Gedenken an die Maueropfer im West-Berlin des Kalten Krieges. 110 Bilder und 9 Essays, Berlin 2021, S. 170–175.

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016