Halle (Saale), Deutschland
Bundesarchiv - Stasi-Unterlagen-Archiv Halle
Am 20. Dezember 1991 verabschiedete der Deutsche Bundestag das Stasi-Unterlagengesetz (StUG), das seit dem den Umgang mit den Hinterlassenschaften der untergegangenen Geheimpolizei regelt. Die Stasi-Unterlagen-Behörde, mit einer Zentralstelle in Berlin und zwölf Außenstellen in früheren Bezirksstädte, gewährt allen Mitbürgern auf Antrag Einsicht in ihre Akten und unterstützt die Rehabilitierung von zu Unrecht verfolgter Menschen. Das StUG sieht zudem vor, die Geschichte und die Funktionsweise des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der ehemaligen DDR zu erforschen, diese Erkenntnisse zu veröffentlichen und anderen Forschungseinrichtungen sowie Journalisten den Zugang zu den Akten zu gewähren.
1994 wurde in dem Stasi-Unterlagen-Archiv Halle ein Informations- und Dokumentationszentrum für das Land Sachsen-Anhalt eingerichtet. Die Dauerausstellung unter dem Titel „Entschlüsselte Macht“ informiert über Aufbau und Arbeitsweise des MfS. Musterakten geben den Besuchern einen Einblick in das Vorgehen der Staatssicherheit. Die Ausstellung dokumentiert auch die Auflösungsphase des Ministeriums und erläutert die Arbeit des Stasi-Unterlagen-Archivs.
Buna, Leuna, Bitterfeld – diese Orte sind zu einem Synonym für die chemische Industrie der DDR geworden. Hier befanden sich die drei wichtigsten Chemiekombinate, in denen die Stasi eigene „Objektdienststellen“ unterhielt. Die Mitarbeiter dieser Dienststellen überwachten vor allem die Export- und Importbeziehungen der Kombinate mit westlichen Firmen. Sie legten umfangreiche Dossiers über die Handelspartner aus dem Ausland an. Vertreter westlicher Unternehmen standen bei ihren Besuchen zum Teil rund im die Uhr unter Beobachtung. Die Stasi überprüfte aber auch alle Betriebsangehörigen der Kombinate und nahm Einfluss auf Personalentscheidungen. Da die katastrophalen Zustände vieler Produktionsanlagen nicht beseitigt werden konnten, glaubte die Staatssicherheit, durch Überwachung der Arbeitsdisziplin die Abläufe sichern zu können.
Zwar dokumentierte die Stasi selbst den katastrophalen Zustand der Chemieanlagen, sorgte aber dafür, dass diese Berichte unter Verschluss blieben. Allein 3 000 hauptamtliche und 11 240 Inoffizielle Mitarbeiter (IM) waren 1989 im gesamten Bezirk im Einsatz. Insbesondere waren diese darum bemüht, die aufkeimende Umweltbewegung unter dem Dach der Kirche unter Kontrolle zu halten.
Das Informations- und Dokumentationszentrum bietet Vorträge, Seminare und Projekte zur Ergänzung des Schulunterrichts an. Auch Dokumentationsfilme über das MfS und Originalschulungsfilme der Stasi gehören zum Informationsangebot, das Schulklassen und Multiplikatoren aus der historisch-politischen Bildung sowie allen Interessierten zur Verfügung steht.
Kontakt
Bundesarchiv - Stasi-Unterlagen-Archiv Halle
Blücherstraße 2
06122 Halle (Saale)
Literatur
- Berg, Wieland/Cyranka, Daniel/Schlademann, Ulrich: Keine Überraschung zulassen. Berichte und Praktiken der Staatssicherheit in Halle bis Ende November 1989, Halle 1991
- Löhn, Hans-Peter: Unsere Nerven lagen allmählich blank. MfS und SED im Bezirk Halle, Berlin 1996
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Museale Anlage
- Historisch: Nein
- Standort: Blücherstraße 2
- Stadt: Halle (Saale)
- Gebiet: Sachsen-Anhalt
- Land: Deutschland
