Winterhausen, Deutschland

Wiedervereint-Stein

 
Die Landschaft und Vegetation der Region Mainfranken ist seit jeher vom Muschelkalk geprägt. Bis heute wird der Werkstoff abgebaut und bearbeitet – industriell, handwerklich und künstlerisch. So stammt auch das Material für den Wiedervereint-Stein aus einem Steinbruch bei Goßmannsdorf. Dort spaltete der Bildhauer Thomas Reuter einen etwa 2,2 Meter breiten Muschelkalkquader entzwei. An der Mainlände in Winterhausen – einem einstigen Umschlagplatz für Muschelkalk aus den örtlichen Steinbrüchen – vertäute er die beiden auf einem kleineren Stein balancierenden Teile mit drei Stahlseilen wieder zu einem Ganzen. Der senkrecht durch die Mitte der Skulptur verlaufende Spalt ist teilweise vergoldet und soll die Aufmerksamkeit des Betrachters wecken. Als trennendes Element deutet er symbolisch auf die Berliner Mauer, die innerdeutsche Grenze und den Todesstreifen hin. Zugleich kann der Spalt als Möglichkeitsraum aufgefasst werden, wie er im Jahr zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung bestand. Schließlich verweist er auch auf die weiterhin bestehenden Herausforderungen des Zusammenwachsens von Ost und West und führt vor Augen, wie fragil die innere Einheit weiterhin bleibt. Anlässlich des 30. Jahrestags der Wiedervereinigung fand die Einweihung der Skulptur am 3. Oktober 2020 in Anwesenheit der Initiatorin Roswitha Oeler, des Bürgermeisters Christian Luksch und des Bildhauers Thomas Reuter statt. Ein Jahr später wurde die Skulptur um fünf kleinere gleichförmige Gesteinsquader ergänzt. In regelmäßigen Abständen platziert, laufen sie seitlich auf den Wiedervereint-Stein zu. Die darauf angebrachten Informationstafeln markieren historische Etappen auf dem Weg zur deutschen Einheit und betten die Skulptur in einen breiteren Kontext ein. Abgeschlossen wird das Ensemble durch einen größeren – auf der anderen Seite des Wiedervereint-Steins – angebrachten länglichen Quader in Form einer Sitzbank. Auf die erste Zeile der Nationalhymne rekurrierend, kehrt die auf der Sitzfläche angebrachte Informationstafel die Reihenfolge der Worte entsprechend ihrer Bedeutung für viele Menschen in der DDR um: zunächst die Freiheit, danach das Recht und schließlich die Einheit.

Inschriften

Inschrift der Tafel
(auf dem ersten Gedenkstein)
1949 / Staatsgründung / DDR und BRD
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Inschrift der Tafel
(auf dem zweiten Gedenkstein)
1961 / Mauerbau
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Inschrift der Tafel
(auf dem dritten Gedenkstein)
1972 / Ostverträge
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Inschrift der Tafel
(auf dem vierten Gedenkstein)
1989 / Montags- / demonstrationen / in Leipzig
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Inschrift der Tafel
(auf dem fünften Gedenkstein)
1990 / Einigungsvertrag
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Inschrift der Tafel
(auf dem sechsten Gedenkstein)
?!?! / Freiheit / Recht / Einigkeit
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

3. Oktober 2020 - Einweihung
Einweihung des Wiedervereint-Stein
 
  • Kategorie: Gedenkort
  • Historisch: Nein
  • Standort: an der Mainlände
  • Stadt: Winterhausen
  • Gebiet: Bayern
  • Land: Deutschland