Berlin, Deutschland

Tränenpalast - Ort der deutschen Teilung

 
1962 entstand im Dreieck zwischen dem Bahnhof Friedrichstraße, Reichstagsufer und der Fredrichstraße ein Gebäude, das als ein Symbol der Teilung in ganz Deutschland und darüber hinaus bekannt wurde: die Abfertigungshalle des Grenzübergangs Bahnhof Friedrichstraße für den Übergang von und nach West-Berlin. Die nach architektonischen Vorgaben von Horst Lüderitz gestaltete Grenzstation wurde nach dem Mauerbau im August 1961 errichtet. Nur hier war der direkte Zugang zu den in West-Berlin verkehrenden Fern-, S- und U-Bahnen möglich. Der Bahnhof wurde so zum zentralen Übergang in den Westen. Er bekam ebenso wie die Stadt einen Ost- und einen davon strengstens abgetrennten Westteil. Da das Labyrinth des Bahnhofs für die Pass- und Zollkontrolleure der DDR zu eng war, wurde die Abfertigungshalle an die Nordostseite des Bahnhofs angebaut. Den Beinamen „Tränenpalast“ erhielt das Gebäude in den 1960er Jahren, als im Rahmen der Passierscheinabkommen (1963–1966) Millionen Berliner aus dem Westteil der Stadt ihre Verwandten im Osten zu den Weihnachts-, Oster- und Pfingstfeiertagen wieder besuchen durften. Da dabei sowohl bei der Begrüßung als auch beim Abschied vor dem Gebäude ganz in der Nähe der Vergnügungsstätten Friedrichstadtpalast und Admiralspalast viele Tränen flossen, war schnell ein treffender Name für den ganz im Gegensatz dazu stehenden Ort des Schmerzes gefunden: Tränenpalast. Nach dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung wurde das Gebäude 1990 unter Denkmalschutz gestellt. Die ehemalige Grenzabfertigungshalle als fassbares Zeugnis der Teilung vielfältige Möglichkeiten der Vergangenheitsaneignung. Davon ausgehend schuf Marcus Herold den Veranstaltungs- und Vergnügungsplatz „tRÄNENpALAST“, dessen Geschichte im Herbst 1991 mit einem Konzert von Nina Hagen und Jimmy Sommerville begann und der sowohl als Ort der kulturellen Grenzgänge und Grenzgänger als auch der historischen Erinnerung diente. Das Gebäude galt als wichtige Adresse der Berliner Kulturszene mit multimedialen Angeboten und einem vielfältigen Programmspektrum: Musikrichtungen aller Art, Kabarett und Comedy, Lesungen, Kino, Ausstellungen und vieles andere mehr standen über 15 Jahre lang bis zur vorläufigen Schließung im Sommer 2006 auf dem Programm. Wegen der Insolvenz der Kulturveranstaltungsgesellschaft wurde das Grundstück vom Berliner Senat, unter Vorbehalt der kulturellen Nutzung des Gebäudes für mindestens 20 Jahre, dem neuen Investor Harm Müller-Spreer übertragen. Die Aufnahme des Tränenpalastes in die Gedenkstättenkonzeption des Bundes im November 2008 schreibt dessen Erhaltung als Erinnerungsort fest. Mit Abschluss des Mietvertrages zwischen dem neuen Eigentümer und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben wird das Gebäude nach umfangreichen Sanierungsarbeiten und der ausstellungsgerechten Herrichtung der Innenräume von der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland genutzt. Seit der feierlichen Wiedereröffnung durch Bundeskanzlerin Angela Merkel am 14. September 2011 kann in den Räumen des ehemaligen „Ausreisepavillons“ die Dauerausstellung „GrenzErfahrungen. Alltag der deutschen Teilung“ besichtigt werden. Mit biographischen Beispielen, Originalobjekten und Zeitzeugeninterviews veranschaulicht die Ausstellung das Leben an der Grenze und beleuchtet die wichtigsten Stationen des Vereinigungsprozesses.

Kontakt

Tränenpalast
Reichstagufer 17 am Bhf. Friedrichstraße
10117 Berlin

Literatur

  • Kraus, Dorothea: Tränenpalast. Ort der deutschen Teilung, Bonn 2015.

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
 
  • Kategorie: Institution
  • Historisch: Ja
  • Standort: Reichstagsufer 17
  • Stadt: Berlin
  • Ortsteil: Mitte
  • Gebiet: Berlin
  • Land: Deutschland