Neubrandenburg, Deutschland
Stele „Friedliche Revolution von 1989“
Seit dem 24. Oktober 2019 erinnert am Rathausplatz der Vier-Tore-Stadt eine Gedenkstele an die Friedliche Revolution. Damit wurde die Idee des Oberbürgermeisters Silvio Witt sowie ein Beschluss der Stadtvertretung zur Schaffung eines dauerhaften Erinnerungsortes an die Ereignisse des Herbstes 1989 in Neubrandenburg umgesetzt. Der örtliche Rotary Club finanzierte die Anbringung eines Banners an der Gedenkstele. Das Design stammt von der Grafikerin Kathrin Herrmann. An der feierlichen Enthüllungszeremonie nahm neben Oberbürgermeister Witt auch Stadtpräsident Dieter Stegemann teil.
In den Sommermonaten des Jahres 1989 verbreitete sich die Nachricht, dass Ungarn seine Grenze zu Österreich öffnete. Die Bilder von der Demontage der Sicherungsanlagen am 2. Mai 1989 sowie die Aufnahmen vom Durchschneiden des Stacheldrahtzauns zwischen beiden Ländern am 27. Juni durch die Außenminister Gyula Horn und Alois Mock erreichten über das Westfernsehen auch die Haushalte in Neubrandenburg. Da viele Menschen ihre Hoffnungen auf eine Liberalisierung der Verhältnisse in der DDR aufgegeben hatten, versuchten viele, die Sommerferien für eine Flucht in den Westen zu nutzen. Legendär wurde das „Paneuropäische Picknick“ am 19. August 1989 in Sopron. Hunderte DDR-Bürger flohen über Österreich in die Bundesrepublik.
Nachdem die DDR ihre Grenzen zur Tschechoslowakei am 3. Oktober abriegelte und damit das Land weiter abschottete, forderten Neubrandenburger erneut öffentlich die Genehmigung ihrer Ausreiseanträge. Nur wenige Tage später vermeldete die Abteilung für Sicherheitsfragen in der Bezirksleitung der SED, dass rund 1500 Bürger des Bezirkes Neubrandenburg seit Beginn des Jahres 1989 Ausreiseanträge gestellt hatten, von denen über 600 positiv beschieden wurden. Darüber hinaus sei 69 Bürgern des Bezirks als Botschaftsbesetzern in Prag und Warschau zu diesem Zeitpunkt die Ausreise in die Bundesrepublik bereits gelungen.
Im Oktober 1989 spitzten sich die Ereignisse in Neubrandenburg weiter zu: Am 11. Oktober fand in der Johanniskirche eine erste Friedensandacht statt, knapp eine Woche später wurde den etwa 800 Kirchenbesuchern auf einer Informationsveranstaltung die Bürgerinitiative Neues Forum vorgestellt. Für den 18. Oktober lud der Friedenskreis zum ersten Friedensgebet in die Johanniskirche ein. Unter dem Motto „Weg der Hoffnung“ zogen die etwa 5000 Teilnehmer nach der Zusammenkunft in einem Schweigemarsch durch die Innenstadt. Das größte, etwa zwei Meter lange Transparent trug die Aufschrift „Reisefreiheit“. Das Ministerium für Staatssicherheit beobachtete den Demonstrationszug. Am 24. Oktober 1989 wurde das Neue Forum Neubrandenburg mit zunächst elf Mitgliedern gegründet. Bereits am nächsten Tag versammelten sich im Anschluss an das Friedensgebet mit etwa 1000 Besuchern weitere 5000 bis 6000 Menschen vor den Toren der Johanniskirche. In einer Ansprache verkündete Gerhard Stoll, Gründungsmitglied des Neubrandenburger Neuen Forum, die Konstituierung der Bürgerbewegung und rief zur Gründung von Basisgruppen in Wohngebieten und Betrieben auf. Am anschließenden „Marsch der Hoffnung“ zum damaligen Karl-Marx-Platz (heute Marktplatz) nahmen etwa 30 000 Neubrandenburger teil. Ihre wichtigste Forderung lautete: „Weitere Demokratisierung in der DDR“. Eine Woche später, am 8. November, gingen erneut etwa 20 000 Menschen auf die Straße. Am nächsten Tag öffnete an der Bornholmer Brücke der erste innerdeutsche Grenzübergang – die Berliner Mauer war gefallen.
Ereignisse
24. Oktober 2019 - Einweihung
Einweihung der Stele „Friedliche Revolution von 1989“
Literatur
- Wunnicke, Christoph: Der Bezirk Neubrandenburg im Jahr 1989, hrsg. von der Landesbeauftragten für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der Ehemaligen DDR, Schwerin 2010
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns an die Friedliche Revolution, Berlin 2024
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Nein
- Standort: Rathausplatz, gegenüber dem Friedrich-Engels- Ring 53
- Stadt: Neubrandenburg
- Gebiet: Mecklenburg-Vorpommern
- Land: Deutschland
