Berlin, Deutschland
Stasi-Zentrale. Campus für Demokratie
Auf dem Gelände der Stasi-Zentrale. Campus für Demokratie, dem ehemaligen Hauptsitz des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in Berlin-Lichtenberg, erinnern diverse Institutionen und Vereine am historischen Ort an die Geschichte der Repression durch das SED-Regime, die Überwachung der DDR-Bevölkerung durch das MfS sowie an die Friedliche Revolution. Neben dem Stasi-Museum im Haus 1 und der Robert-Havermann-Gesellschaft – Archiv der DDR-Opposition im Haus 17, sowie einer Open-Air-Ausstellung zur Friedlichen Revolution, beherbergt das Areal seit 2018 im Haus 7 auch die Ausstellung „Einblick ins Geheime“ zum Stasi-Unterlagen-Archiv.
Im Haus 1 des Gebäudekomplexes der Normannenstraße 22 befand sich seit 1961 die Zentrale des MfS. Bis zum Ende der DDR befehligte von hier aus Erich Mielke, der seit 1957 Minister für Staatssicherheit war, den riesigen Unterdrückungsapparat der SED, der sich selbst als „Schild und Schwert der Partei“ verstand. Das MfS agierte als Instrument zur „offensiven Unterstützung der Umsetzung der Beschlüsse der Partei“ und war gleichzeitig Geheimpolizei, Nachrichtendienst und Untersuchungsorgan zur Strafverfolgung und Vorbereitung von Prozessen.
Die DDR hatte 16,4 Millionen Einwohner. 1989 arbeiteten für das MfS 91 016 hauptamtliche Angestellte und mindestens 173 000 inoffizielle Mitarbeiter (IM). Etwa 15 000 IM waren in Westdeutschland und West-Berlin tätig. Der Staatshaushalt wies allein in der letzten Dekade der DDR ein jährliches Budget von 3,6 Milliarden Mark (1,3 Prozent des Haushaltes) für das MfS aus. Etwa acht Hektar umfasste das Areal des MfS zwischen Magdalenen-, Rusche- und Normannenstraße, das 1989 Arbeitsplatz von 20 000 Mitarbeitern war. In der Zentrale wurde die Arbeit des gesamten Ministeriums koordiniert. Von hier aus wurden grundsätzliche Entscheidungen getroffen und die untergeordneten Einheiten kontrolliert. Darüber hinaus gehörten zu den zentralen Aufgaben des MfS die Passkontrolle an der innerstädtischen Grenze sowie die Überwachung von Journalisten aus dem westlichen Ausland.
Im Zuge der Friedlichen Revolution drangen am Abend des 15. Januar 1990 tausende Demonstranten in das Gelände ein. Das Berliner Bürgerkomitee übernahm das Hauptquartier in der Normannenstraße und begann seine Arbeit zur Auflösung des MfS bzw. des „Amtes für Nationale Sicherheit“, wie es seit Mitte November 1989 hieß. Eine Woche später entschied der Zentrale Runde Tisch, im Haus 1 eine Forschungs- und Gedenkstätte zum politischen System der DDR einzurichten. Die mit der Wahl vom 18. März 1990 frei gewählte DDR-Regierung fasste am 16. Mai einen entsprechenden Beschluss, der jedoch nicht mehr umgesetzt wurde. Deshalb gründeten im August 1990 Mitglieder des Bürgerkomitees und Bürgerrechtler den Verein Antistalinistische Aktion Normannenstraße e. V. (ASTAK).
Am 7. November 1990 wurde die „Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße“ mit der Ausstellung „Wider den Schlaf der Vernunft“ der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Mittelpunkt des historischen Ortes sind seither die im Originalzustand belassenen Amts- und Arbeitsräume Erich Mielkes. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten wurde das denkmalgeschützte Haus 1 im Januar 2012 wiedereröffnet. Im dortigen Stasi-Museum informiert seit dem 17. Januar 2015 die neue Dauerausstellung „Staatssicherheit in der SED-Diktatur“ über die Tätigkeit des MfS, zeigt Facetten des politischen Systems und beleuchtet Formen von Widerstand und Opposition in der DDR. Fotografien, Film- und Tonaufnahmen, Dokumente sowie ausgewählte Originalobjekte aus dem MfS-Fundus vermitteln Informationen über die Geschichte der Staatssicherheit und veranschaulichen ihre Bedeutung für die Menschen in der DDR. Realisiert wurde die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Trägerverein ASTAK e. V. und dem Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes (BStU). Besuchergruppen werden von sachkundigen Referenten durch das Haus 1 und die wechselnden Ausstellungen geführt. In den oberen Stockwerken des Gebäudes befinden sich außerdem die Bildungswerkstatt des BStU, der Sitz des Trägervereins des Museums und des dazugehörigen Verlages ASTAK sowie Büros verschiedener Aufarbeitungsinitiativen und Beratungsstellen für Opfer der SED-Diktatur.
Seit Juni 2017 informiert im Innenhof der Stasi-Zentrale, auf einer Fläche von 1 300 Quadratmetern, die von der Robert-Havemann-Gesellschaft konzipierte Dauerausstellung „Revolution und Mauerfall“ über die Geschichte des Widerstands in der DDR. Die zweisprachige Dauerausstellung beleuchtet mithilfe von mehr als 650 Bildern, historischen Dokumenten und Filmen den gesellschaftlichen Transformationsprozess von den ersten Protesten über den Fall der Berliner Mauer bis hin zu den Folgen der Friedlichen Revolution.
Als Lernort bietet die Forschungs- und Gedenkstätte des Weiteren die Möglichkeit, Fachvorträge, Zeitzeugengespräche oder mehrtägige Seminare zu besuchen. So finden im Haus 22, dem ehemaligen Offizierscasino des MfS, regelmäßig Podiumsdiskussionen und Wechselausstellungen statt.
In Haus 7, dem Archiv der Stasi-Unterlagen-Behörde, kann zudem auf Antrag Einsicht in MfS-Dokumente genommen werden. Hier lagern all jene Akten, Video- und Tondokumente, welche die Bürgerrechtler nach der Erstürmung des Geländes 1990 vor der Vernichtung durch die MfS-Mitarbeiter sichern konnten. Seit Juni 2018 befindet sich in Haus 7 zudem die Dauerausstellung „Einblick ins Geheime“ zum Stasi-Unterlagen-Archiv des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU). Auf vier Etagen informiert die Ausstellung über die Arbeitsweise der Stasi und zeigt, wie die DDR-Geheimpolizei massenweise Daten gesammelt, ihre Bürger überwacht und verfolgt hat. Darüber hinaus wird auch die heutige Bedeutung des Stasi-Unterlagen-Archivs für die Aufarbeitung der SED-Diktatur thematisiert und der Umgang, die Erschließung und Bereitstellung der Stasi-Akten in der Gegenwart behandelt.
Auf Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung Lichtenberg wurden gemeinsam mit dem BStU am 8. Januar 2004 zwei gleichlautende Informationstafeln an den Eingängen in der Normannenstraße 22 und in der Ruschestraße 23 aufgestellt, die an die Geschichte dieses Gebäudekomplexes erinnern.
Seit Mai 2022 befinden sich auf dem Gelände sowie den umliegenden Straßen und dem Roedeliusplatz zudem 21 digitale und analoge Informationstafeln. Die Informationsstelen sollen der Orientierung auf dem weitläufigen Areal dienen und zugleich die Geschichte der ehemaligen Stasi-Zentrale und ihrer friedlichen Besetzung im Januar 1990 vermitteln. Über QR-Codes können Besucher zudem an einer Führung auf dem Gelände teilnehmen. Initiiert wurde das Projekt vom Stasi-Unterlagen-Archiv im Bundesarchiv, dem Berliner Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, sowie vom Bezirk Berlin-Lichtenberg. In die Erstellung der Textbeiträge für die Informationstafeln waren auch zivilgesellschaftliche Akteure involviert. An der Einweihung des Informations- und Leitsystems am 11. Mai 2022 nahmen der Berliner Senator für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Andreas Geisel, die Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Kultur und Medien, Katrin Budde, die Vizepräsidentin des Bundesarchivs, Alexandra Titze, der Berliner Aufarbeitunsgbeauftragte, Tom Sello, sowie der Bezirksbürgermeister Lichtenbergs, Michael Grunst, teil.
Kontakt
Stasi-Zentrale. Campus für Demokratie
Ruschestraße 103
10365 Berlin
Inschriften
Inschrift der Informationstafeln
(an den Eingängen in der Normannenstraße 22 und in der Ruschestraße 23)
Hier befand sich von 1950 bis 1990 das Ministerium / für Staatssicherheit der DDR. Es sicherte durch poli- / tische Willkür, Terror und Überwachung der Bevöl- / kerung die Diktatur der SED. Am 15. Januar 1990 / besetzten Bürgerinnen und Bürger diesen Gebäude- / komplex. // The East German Ministry for State Security, whose / political repression, intimidation and surveillance / oppressed teh population under the dictatorship of / the Socialist Unity Party of Germany (SED), occu- / pied this site from 1950 to 1990. On 15 January / 1990, the building was taken over by the people. // Iic se trouvait de 1950 a 1990 le Ministere de la Sû- / reté de RDA. Il garantissait la dictature du Parti / Socialiste Unifé Allemand (SED), par l'arbitraire / politique, le terreur et la surveillance de la popu- / lation. Le 15 janvier 1990 la population a occupé / cet ensemble de bâtiments. // С 1950 г. по 1990 гю на этщм месте находилось Ми- / нистерство Государственной безопасности ГДР. / Установив режим политического произвола, тер- / рора и надзора над населением, оно поддержи- / вало диктатуру СЕПГ. 15 января 1990 г. здание было захвачено гражданским населением.
Sprache: Deutsch / Englisch / Französisch / Russisch, Schrift: Kyrillisch / Lateinisch
Ereignisse
Mai 2022 - Errichtung
Errichtung der ananlogen udn digitalen Informationsstelen
Juni 2017 - Eröffnung
Eröffnung der Dauerausstellung „Revolution und Mauerfall“ im Innenhof der Stasi-Zentrale
8. Januar 2004 - Einweihung
Anbringung der Informationstafeln an den Eingängen in der Normannenstraße 22 und in der Ruschestraße 23
7. November 1990 - Eröffnung
Eröffnung der „Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße“ mit der Ausstellung „Wider den Schlaf der Vernunft“
1950 bis 1990 - Historie
Nutzung des Geländes durch das Ministerium für Staatssicherheit
Literatur
- Die Zentrale. Das Hauptquartier des Ministeriums für Staatssicherheit in Berlin-Lichtenberg, hrsg. von Astak e. V., Redaktion Josef Budek, Berlin 2001
- Schöne, Jens: Erosion der Macht. Die Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit in Berlin, Berlin 2004 (= Schriftenreihe des Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Bd. 19)
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Museale Anlage
- Historisch: Ja
- Standort: Ruschestraße 103
- Stadt: Berlin
- Ortsteil: Lichtenberg
- Gebiet: Berlin
- Land: Deutschland









