Kiel, Deutschland

Skulptur „Große Zwei“

 
Am 16. November 1978 endeten Verhandlungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR bezüglich des Berlin-Verkehrs erfolgreich. Unter anderem wurde der Bau einer Autobahn Berlin-Hamburg als Transitstrecke beschlossen. In vier Jahren sollte die DDR diese Autobahn bauen und dafür 1,2 Milliarden DM erhalten. In Berlin und in Schleswig-Holstein sollten neue Grenzübergänge entstehen. Diese spätere Bundesautobahn 24 sollte die völlig überlastete Strecke über Lauenburg ersetzen. Auf Seiten Schleswig-Holsteins wurde bei Gudow eine neue Grenzkontrollstelle errichtet. Wegen der Bedeutung dieser Baumaßnahme wurde eine künstlerische Gestaltung geplant und 1982 umgesetzt. Aus einem Ideenwettbewerb unter fünf Künstlern ging der Entwurf von Professor Fritz Koenig aus Landshut unter dem Titel „Große Zwei“ als Sieger hervor. Die stahlarmierte geschliffene Bronzeskulptur mit einer Höhe von drei Metern wird durch geometrische Grundformen bestimmt. Es scheinen sich Kugeln und Kegelstücke aufeinander zuzubewegen und miteinander zu tanzen. Die Skulptur sollte mit dem Verkehr fließen und diesem gleichzeitig entgegenkommen. Sie sollten als „Paarlauf“, „Duett“ oder „Vereinigung“ verstanden werden und damit das Gefühl von Gemeinsamkeit und die Freude an der Begegnung vermitteln. Die Skulptur wurde auf einen mehr als drei Meter hohen Sichtbetonsockel gehoben und auf dem Mittelstreifen der Autobahn aufgestellt. Mit Wegfall der innerdeutschen Grenze wurden ab Sommer 1990 die Abfertigungsanlagen der nun überflüssigen Grenzkontrollstelle abgerissen. In diesem Zusammenhang wurde entschieden, das Kunstwerk umzusetzen. Durch das Anheben der Geschwindigkeitsbegrenzung an dieser Stelle schien die Wahrnehmung des Kunstwerkes eingeschränkt zu sein. Zudem waren nun Kontrollen und Reparaturen am Sockel äußerst riskant. Der Künstler Fritz Koenig sprach von einer „Kunststörung“, weil seine Skulptur nun angeblich die freie Fahrt behinderte. Andere Stimmen bemerkten, dass nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten es eines solchen Mahnmals nicht mehr bedürfe. Als neuer Standort wurden die Außenanlagen vor dem Hochhaus der Oberfinanzdirektion Kiel ausgesucht. Am 3. September 1991 wurde die Skulptur dorthin umgesetzt. Nach Auflösung der Oberfinanzdirektion Kiel im Jahr 2003 verblieb die Skulptur an diesen Standort.

Ereignisse

3. September 1991 - Wiedereröffnung
Übergabe der Skulptur an die Öffentlichkeit nach ihrer Umsetzung an die Feldstraße
1982 - Einweihung
Einweihung der Skulptur „Große Zwei“ am Mittelstreifen der Autobahn

Literatur

  • Rönnau, Jens: Open Air-Galerie, Teil 83, in: Kieler Nachrichten, 29.3.2004
  • Clarenbach, Dietrich: Fritz Koenig. Skulpturen. Werkverzeichnis, München 2003
  • Lewandowski, Uwe: Bronzeplastik „Große Zwei 1982“ von der Grenzkontrollstelle Gudow-Autobahn nach Kiel umgesetzt, in: Kieler OFD-Nachrichten 2/91, S. 11f
  • Kiesel, Marianne: Kunst im Freien und Denkmale in Kiel und Umgebung, Kiel 1993

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
 
  • Kategorie: Gedenkort
  • Historisch: Nein
  • Standort: Feldstraße 25-29a, Innenhof
  • Stadt: Kiel
  • Ortsteil: Brunswik
  • Gebiet: Schleswig-Holstein
  • Land: Deutschland