Osnabrück, Deutschland

Skulptur „Der Gefesselte“

 
Im Jahr 1955 forderte die Arbeitsgemeinschaft politisch Verfolgter in Osnabrück ein Denkmal zur Erinnerung an die Opfer von Diktaturen. Doch erst unter dem Eindruck des Mauerbaus in Berlin reagierte der Stadtrat. Er trat am 5. September 1961 zu einer Sitzung zusammen, in der die Fraktionen unter dem Tagesordnungspunkt „Gedenken an das geteilte Deutschland“ einen Antrag berieten. Osnabrücks Oberbürgermeister Kelch rief dazu auf, mehr denn je die Zusammengehörigkeit aller Deutschen vor der Welt zu betonen. In dem daraufhin gefassten einstimmigen Beschluss hieß es: „In einer Zeit brutaler Verletzung der Menschenwürde durch staatliche Gewalt beschließt der Rat der Stadt Osnabrück, das Andenken jener Männer und Frauen zu ehren, die ihr Leben gaben im Aufstand gegen die Verhöhnung des Rechts und die Unterdrückung der Freiheit.“ Als Zeichen dafür wurden zwei Grünanlagen in „Platz des 20. Juli“ und „Platz des 17. Juni“ benannt. Zudem sollte ein „einfaches Mahnmal, das der Bedeutung der Ereignisse entspricht“, errichtet werden. Mit dem Entwurf des Denkmals wurde Professor Gerhard Marcks (1889–1981) betraut. Am 20. Juli 1964, dem 20. Jahrestag des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler, wurde die Basaltplastik „Der Gefesselte“ eingeweiht. Unter der Skulptur eines gefesselten Mannes stehen die Worte „Den Opfern für Wahrheit und Freiheit“. Die Friedrich-Lehmann-Stiftung finanzierte das Denkmal. Auf dem „Platz des 17. Juni“ wurde in den 1970er Jahren die Stadthalle errichtet, so dass der Platz heute nicht mehr existiert. Am Denkmal „Der Gefesselte“ finden alljährlich am 20. Juli Gedenkveranstaltungen statt.

Inschriften

Inschrift am Sockel der Skulptur
(hinter der Dominikanerkirche)
Den Opfern / für Wahrheit / und Freiheit
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

20. Juli 1964 - Eröffnung
Übergabe der Skulptur an die Öffentlichkeit

Literatur

  • Lindemann, Ilsetraut: In Erz gegossen, in Stein gehauen. Osnabrücker Denkmäler, Bramsche 1983

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016