Berlin, Deutschland

Siegfried-Berger-Straße

 
Siegfried Berger (1918 – 2002) war am 17. Juni 1953 Streikführer im Funkwerk Köpenick. Sein Einfluss trug wesentlich zur hohen Streikbeteiligung im Bezirk Treptow-Köpenick bei. Als Mitverantwortlicher für die Volkserhebung gegen die SED-Herrschaft wurde er nach der Niederschlagung des Aufstandes durch die Besatzungsmacht hart bestraft. Ein sowjetisches Militärtribunal (SMT) verurteilte ihn am 2. Juli 1953 zu sieben Jahren Arbeitslager. Im Mai 1954 wurde er ins sibirische Arbeitslager Workuta gebracht. Nach dem Adenauerbesuch in Moskau, der u.a. zur Entlassung der letzten deutschen Kriegsgefangenen führte, kam er im Oktober 1955 nach Berlin zurück. Seine politische Biografie erinnert an zwei Aspekte, die bei Würdigungen des 17. Juni 1953 selten Beachtung finden: die Widerstandstradition der politischen Linken sowie die westdeutsche Beteiligung. Der gebürtige Sachse wurde früh politisiert. Sein Vater war Kommunist und Widerstandskämpfer, er selbst gehörte sozialdemokratischen Jugendorganisationen an und verteilte als Jugendlicher Flugblätter gegen die nazionalsozialistische Diktatur. Nach Kriegsende leitete der von Kollegen geschätzte Ingenieur erst in Sachsen, ab 1950 auch in Köpenick illegale sozialdemokratische Gruppen. Er stand in Kontakt zum Ostbüro der SPD, schmuggelte Funkgeräte und andere Logistik in die DDR. Am 17. Juni 1953 bewies er politische Willenskraft und persönlichen Mut. Er wurde aufgefordert, die morgendliche Belegschaftsversammlung zu leiten, auf der 2 000 Arbeiter ihre Forderungen formulierten und beschlossen, in den Streik zu treten. Sie verlamngten den Rücktritt der Regierung, freie und geheime Wahlen sowie die Wiedervereinigung Deutschlands. Siegfried Berger stand an der Spitze des Köpenicker Demonstrationszuges, als dieser auf seinem Weg zum Haus der Ministerien in die Leipziger Straße, dem Sitz der DDR-Regierung, von der Polizei aufgehalten und beschossen wurde. Sein Urteil unterschrieb der aufrechte Sozialdemokrat in Großbuchstaben mit den Worten: „Ich nehme das Urteil nicht an“. Zum fünften Todestag des Streikführers wurde die Straße 244 im Ortsteil Wendenschloss am 29. Januar 2007 nach Siegfried Berger umbenannt. Bereits 2004 war am Haus Römerweg 40 in Berlin-Karlshorst, wo Berger von 1951 bis 1953 wohnte, eine Gedenktafel der Historischen Kommission der Berliner SPD enthüllt worden.

Inschriften

Inschrift der Informationstafel am Straßenschild
(Hauptweg von Wendenschlossstraße zur Anlegestelle)
Siegfried Berger / Streikführer im Funkwerk Köpenick / beim Volksaufstand am 17. Juni 1953 / geb. 24.07.1918 gest. 29.01.2002
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

29. Januar 2007 - Einweihung
Umbenennung der Straße in "Siegfried-Berger-Straße"

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016