Wrocław, Polen

Sanktuarium »Golgatha des Ostens«

 
Auf Initiative des Redemptoristenpaters Stanisław Golec entstand Anfang der 1990er Jahre im Hof der Kirche dieses Ordens in Wrocław (deutsch: Breslau) ein Sanktuarium, das den Opfern des polnischen »Golgathas des Ostens« gewidmet ist. Im Laufe der Jahre wurden hier eine Reihe von Gedenktafeln und individuellen Epitaphen für die Opfer des Massenmords von Katyń sowie der Deportationen von Polen ins Innere der Sowjetunion angebracht. Im Mittelpunkt des Gedenkortes steht eine giebelartige Wand, in der ein Fenster mit den Konturen Polens in den Nachkriegsgrenzen ausgespart ist. Um diese Öffnung herum gruppieren sich Gedenktafeln aus schwarzem Granit für verschiedene Opfergruppen. Es handelt sich um zwei 2004 angebrachte Tafeln für die Generäle Władysław Anders und Władysław Sikorski, die militärischen und politischen Führungsfiguren der nichtkommunistischen Londoner Exilregierung. Dazu gehören eine 2001 enthüllte Tafel für den Patron der nach Sibirien deportierten Polen, Rafał Kalinowski, eine Tafel für die gefallenen Untergrundkämpfer der nationalistischen Widerstandsorganisation »Nationale Streitkräfte« sowie je eine von der »Katholischen Aktion« und der Breslauer Stiftung »Polskie Gniazdo« gestiftete Gedenktafel für die Opfer von Katyń. Darunter befindet sich eine symbolische Grabplatte. Etwas nach links versetzt, befinden sich unterhalb eines vergoldeten Reliefs der »Mutter Gottes von Katyń« zwei Gedenktafeln für die Opfer des sowjetischen Massenmordes an den polnischen Offizieren, Polizisten und anderen Staatsbeamten. Eine von ihnen wurde von der Breslauer »Katyń-Familie« gestiftet; die andere stammt vom Breslauer Ortsverband »Polizei-Familie von 1939«, in dem sich Angehörige und Nachkommen der durch den NKWD ermordeten polnischen Polizisten organisiert haben. An den Wänden zu beiden Seiten dieses Sanktuariums hängen individuelle Epitaphe. Am 1. Oktober 2005 wurden in dem Sanktuarium sechs Schädel aus Katyń bestattet, die im Gerichtsmedizinischen Institut der Breslauer Universität aufgefunden worden waren. Sie waren von dem damals an dieser Universität tätigen deutschen Gerichtsmediziner Gerhard Buhtz, der die Exhumierung in Katyń im Frühjahr 1943 geleitet hatte, dorthin verbracht und vom langjährigen Direktor des Instituts in den Jahren der Volksrepublik aus Sorge geheim gehalten worden, um ihre mögliche Vernichtung durch die kommunistischen Machthaber zu verhindern. Ihre feierliche Beisetzung wurde von dem Breslauer Erzbischof, Kardinal Henryk Gulbinowicz, geleitet. Eine von der »Katyń-Familie« und dem »Verband der ehemaligen Sibirien-Verbannten« erarbeitete kleine Ausstellung in Nebenräumen der Kirche rundet den Gedenkort ab.

Inschriften

Inschrift der Gedenktafel der Katholischen Aktion
(auf dem Hof der Redemptoristenkirche)
Ziemia z Katynia / pobrana spod krzyża / katyńskiego, uświęcona / męczeńską krwią Polaków / W 61 rocznicę bolszewickiej / napaści na Polskę / Akcja Katolicka / Archidiecezji Wrocławskiej / Wrocław / 17. IX. 2000
Deutsche Übersetzung:
Erde aus Katyń, entnommen am Standort des Katyń-Kreuzes, geheiligt durch das Märtyrerblut der Polen. Am 61. Jahrestag des bolschewistischen Überfalls auf Polen, die Katholische Aktion der Erzdiözese Wrocław, Wrocław 17. 9. 2000
Sprache: Polnisch, Schrift: Lateinisch
Inschrift der Gedenktafel der »Fundacja Polskie Gniazdo«
(auf dem Hof der Redemptoristenkirche)
Polska Golgota Wschodu 1939–1945 … / Ojczyzna zawsze pamięta / Siostrom i Braciom Polakom, by pamiętali … / Fundacja Polskie Gniazdo 22. 05. 2010 / W hołdzie ofiarom Katynia 1940–2010
Deutsche Übersetzung:
Das polnische Golgatha des Ostens 1939– 1945 … Das Vaterland wird sich immer erinnern. Den polnischen Schwestern und Brüdern, auf dass ihnen gedacht wird … Stiftung Polnisches Nest 22. 05. 2010. Zu Ehren der Opfer von Katyń 1940–2010
Sprache: Polnisch, Schrift: Lateinisch
Inschrift der Gedenktafel der Katyń-Familie
(auf dem Hof der Redemptoristenkirche)
Pamięci / 22 tysięcy polskich oficerów, policjantów / oraz pozostałych służb mundurowych / i administracyjnych z obozów: / Kozielsk, Ostaszków, Starobielsk, / zamordowanych przez NKWD wiosną 1940 r., a następnie / pogrzebanych / w Katyniu, Miednoje, Charkowie / jak również w innych miejscach kaźni b. ZSRR / w 67 rocznicę ich męczeńskiej śmierci / Dolnośląska Rodzina Katyńska / we Wrocławiu
Deutsche Übersetzung:
Zum Gedenken an 22 000 polnische Offiziere, Polizisten und andere, die in Uniform oder in der Verwaltung gedient haben, aus den Lagern Koselsk, Ostaschkow, Starobilsk. Im Frühjahr 1940 wurden sie vom NKWD ermordet und anschließend in Katyń, Mednoje, Charkiw sowie an anderen Exekutionsstätten der ehemaligen UdSSR begraben. Am 67. Jahrestag ihres Märtyrertods, die niederschlesische Katyń-Familie Wrocław
Sprache: Polnisch, Schrift: Lateinisch
Gedenktafel der »Polizei-Familie von 1939«
(auf dem Hof der Redemptoristenkirche)
W hołdzie / policjantom II Rzeczypospolitej / bestialsko pomordowanym / przez NKWD w Twerze w 1940 r. / i innych miejscach kaźni / na terenie byłego ZSRR // Odrąbani od pnia / zamordowani skrycie, / pogrzebani w milczeniu i kłamstwie, / odrzuceni jak kamień, a jednak z Nich / rosną liście zielone / i pamięć krzepnie węgielna. // Stowarzyszenie / Rodzina Policyjna 1939 / Oddział Wrocław
Deutsche Übersetzung:
Zu Ehren der Polizisten der 2. Polnischen Republik, die 1940 in Twer und an anderen Hinrichtungsorten auf dem Territorium der ehemaligen UdSSR durch den NKWD bestialisch ums Leben gebracht wurden. Vom Stamm abgehackt, heimtückisch ermordet, in Schweigen und Lüge begraben, fortgeworfen wie Steine, und dennoch wachsen aus ihnen grüne Blätter, und der Boden der Erinnerung gerinnt. Die Vereinigung der Polizei- Familie von 1939, Ortsverband Wrocław
Sprache: Polnisch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

1990 - Errichtung
Errichtung des Sanktuariums »Golgatha des Ostens«

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Erinnerungsorte für die Opfer von Katyn, Leipzig 2013