Binz, Deutschland

PRORA-ZENTRUM und Gedenktafel für die DDR-Bausoldaten

 
Das Seebad auf der Ostseite der Insel Rügen an der Prorer Wiek wurde mit der Errichtung des „Kraft-durch-Freude“-Seebades durch die Nationalsozialisten bekannt. Entlang der Küste sollte ein riesiger Gebäudekomplex zur Naherholung von etwa 20 000 Menschen entstehen. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurden die Baumaßnahmen eingestellt. Bis dahin waren acht Blocks fertiggestellt, die als Lazarette und später als Unterkunft für Flüchtlinge genutzt wurden. In der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der DDR dienten die Anlagen des Seebads vor allem militärischen Zwecken. Zunächst nutzte die Kasernierte Volkspolizei und danach die Nationale Volksarmee (NVA) das Gelände. Aber auch mehrere Tausend Bausoldaten wurden an diesem Ort, beispielsweise zum Bau des Fährhafens Mukran, eingesetzt. Ab 1982 Jahren galt Prora als größter Stationierungsort von Bausoldaten in der DDR. Obwohl sie der NVA angehörten, leisteten diese Truppen keinen Dienst an der Waffe. Dies entsprach einer Möglichkeit der Kriegsdienstverweigerung, die es in dieser Form in keinem anderen sozialistischen Land gab. Der Dienstalltag glich weitestgehend dem der bewaffneten Kameraden, die Bausoldaten hatten jedoch deutliche Einschränkungen und Benachteiligungen in Kauf zu nehmen. 2001 wurde der Verein PRORA-ZENTRUM e.V. gegründet, der sich zum Ziel setzte, Bildungs- und Gedenkarbeit am historischen Ort zu leisten. 2010 übernahm dieser die Trägerschaft der Bildungs- und Begegnungsstätte im Block V des ehemaligen „Kraft-durch-Freude“-Seebades. Die thematischen Schwerpunkte sind die Geschichte der DDR-Bausoldaten in Prora, die Regionalgeschichte während des Nationalsozialismus und jüdisches Leben in der Region. In der historisch-politischen Bildungsarbeit des Vereins sollen vor allem Jugendliche an die Geschichte der Diktaturen in Deutschland herangeführt und zu demokratischer Partizipation befähigt werden. Seit 2024 ist das PRORA-ZENTRUM dauerhaft geschlossen. Im Zuge des Insolvenzverfahrens konnten die gesamten Sammlungsbestände der Einrichtung von der Gemeinde Binz mit Unterstützung des Landes Mecklenburg-Vorpommern erworben und erhalten werden. Am Block V des ehemaligen „Kraft-durch-Freude“-Seebades Prora erinnert seit dem 22. November 2010 eine Gedenktafel an die Verweigerer des Waffendienstes in der DDR. Die Tafel hängt am heutigen Speisesaal des Jugendzeltplatzes, der damaligen Turnhalle, in der der SED-Staat von den Verweigerern ein Gelöbnis erzwingen wollte. Die Tafel erinnert an die 240 Rekruten, die 1986 bei ihrem Gelöbnis schwiegen. Sie wurde vom Verein Denk-MAL Prora e.V., einer Vertretung ehemaliger Bausoldaten, finanziert. Verziert ist sie mit den Symbolen eines Bauspatens und der Aktion „Schwerter zu Pflugscharen“.

Inschriften

Inschrift der Gedenktafel
(am Block V des ehemaligen „Kraft-durch-Freude“-Seebades Prora)
“Wir sollten nachsprechen … alle 240 Mann schwiegen“ / (Gelöbnis auf den SED-Staat 1986) // 1982-1989 wurde Block V zum Trauma hunderter / Waffenverweigerer. In der ehemaligen Turnhalle / Wurde das Gelöbnis erzwungen. Gewaltlosigkeit und / Geist der „Spatensoldaten“ prägten die friedliche / Revolution. // Denk-MAL Prora e.V. / 2010“
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

2024 - Schließung
Schließung des PRORA-ZENTRUM e.V.
22. November 2010 - Einweihung
Einweihung der Gedenktafel für die DDR-Bausoldaten
2001 - Errichtung
Gründung des PRORA-ZENTRUM e.V.

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
 
  • Kategorie: Gedenkort
  • Historisch: Ja
  • Standort: Block V, Mukraner Straße 12
  • Stadt: Binz
  • Ortsteil: Prora
  • Gebiet: Mecklenburg-Vorpommern
  • Land: Deutschland