Kühlungsborn, Deutschland

Ostsee-Grenzturm – Denkmal und Begegnungsort

 
Das Ostseebad Kühlungsborn war in der DDR ein streng bewachter Ort. Von 1953 bis 1990 war zuerst die Grenzpolizei und dann die Grenzbrigade Küste im Ostseebad Kühlungsborn stationiert. Die Menschen der Region mussten über Jahre abschreckende Kontrollsysteme ertragen, welche Fluchtversuche in die Freiheit über das Meer verhindern sollten. Das Landschaftsbild der Ostseeküste war durch umfangreiche Grenzanlagen geprägt. Beobachtungsposten, Schiffe und Patrouillen der „Grenzbrigade Küste“ überwachten den Küstenstreifen. Mit Schäferhunden patrouillierten Grenzhelfer und Soldaten am Strand. Schon weit im Innern des Landes beobachteten Polizei, Staatssicherheit, andere Behörden und Informanten „verdächtige Bürger“. Entlang der Ostseegrenze der DDR standen 27 Beobachtungstürme, von deren 15 Meter hohen Kanzel aus die Grenzer ein bis zu 12 Seemeilen weites Seegebiet absuchen konnten. Dennoch wurden von Kühlungsborn aus zahlreiche Fluchtversuche unternommen. Insgesamt fanden mehr als 5 600 Ostseefluchten statt. Davon verliefen allerdings nur 913 erfolgreich. Mehr als 4 500 Personen wurden gefasst und mindestens 174 Menschen kamen ums Leben. Für Kühlungsborn sind bislang 38 Fluchtversuche belegt, von denen 15 Menschen das westliche Ufer erreichten. Die Zahl der Fluchten und Fluchtversuche ist mit hoher Wahrscheinlichkeit größer, da immer wieder neue Fälle bekannt werden. Nach dem Mauerfall 1989 wurden die Grenzanlagen abgerissen. Der 15 Meter hohe See-Grenzbeobachtungsturm (BT 11) an der Strandpromenade in Kühlungsborn Ost konnte vom Verein Grenzturm e.V. und Anwohnern 1990 vor dem Abriss bewahrt werden. Der Turm wurde 1973 errichtet und diente dem Zweck der Beobachtung von Schiffsbewegungen und Fluchtversuchen an der Seegrenze. Besetzt war er mit vier Grenzsoldaten und ausgestattet unter anderem mit acht verschließbaren Schießscharten, großen Suchscheinwerfer, einem Funkgerät und einer Wechselsprechanlage. Heute ist der restaurierte Grenzturm Denkmal, Begegnungsstätte und Ausstellungsraum. Er ist eines der letzten Relikte der DDR-Seegrenze und ermöglicht einen weiten Blick auf die Ostsee. Der Verein baut ein Archiv auf, sammelt Dokumente, Zeitzeugenberichte und Originalexponate. Am Grenzzaun auf dem jederzeit zugänglichen Freigelände sind Ausstellungstafeln angebracht. Seit Juli 2013 gibt es einen neuen Museumspavillon, der eine Dauerausstellung beherbergt. Sie zeigt die Schicksale von Flüchtenden und klärt über die Tätigkeit der Grenzsoldaten sowie das System der Grenzsicherung an der Ostsee und seine lokalen Besonderheiten auf. Dazu gehörte beispielsweise die Verzahnung von ziviler und militärischer Überwachung in Kühlungsborn. Eine Besonderheit des Museums ist, dass die Geschichten der Flüchtenden und der Grenzhelfer detailliert geschildert werden. Originalfluchtboote, Stasiakten, Entlassungsscheine von inhaftierten Flüchtenden, Ausweise und Armbinden von Kühlungsborner Grenzhelfern sowie eine riesige originale Plexiglas-Karte der Grenzkompanie sind im Museum zu besichtigen.

Kontakt

Grenzturm e.V.
Strandpromenade 1a
18225

Ereignisse

2013 - Eröffnung
Eröffnung des neuen Museumspavillion mit der Dauerausstellung
1990 - Historie
Verein Grenzturm e.V. und Bewohner der Stadt Kühlungsborn bewahren den Grenztum vor dem Abriss
1973 - Historie
Errichtung des Grenzturms von einem Pionierzug[nbsp] des III.Grenzbataillons der Grenzbrigade Küste zur Beobachtung von Schiffsbewegungen und Fluchtversuchen an der Seegrenze

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016