Hohen Neuendorf, Deutschland

Naturschutzturm Berliner Nordrand

 
Zwischen Hohen Neuendorf und Berlin-Frohnau verlief die DDR-Grenze zu West-Berlin, die seit 1952 immer weiter abgeriegelt und 1961 mit einer gestaffelten Sperranlage vollständig verschlossen wurde. Grenzmauer, -zäune, Lichttrasse und ein Kolonnenweg sowie Grenztürme im Abstand von jeweils 500 Metern wurden errichtet. In Hohen Neuendorf ist ein solcher Turm erhalten. Er wurde 1990 der Deutschen Waldjugend (DWJ) übergeben, die ihn bis heute als Naturschutzstation nutzt. Der zweigeschossige Bau wurde in den 1980er Jahren als Führungsstelle ausgebaut und war mit drei Grenzsoldaten und einem Offizier besetzt. Er diente der Grenzüberwachung und als Kontrollstelle für weitere Beobachtungstürme. Der Keller war mit technischen Anlagen versehen und das Dach mit Suchscheinwerfern ausgerüstet. Der Bau verfügte über einen Aufenthalts- und einen Beobachtungsstand mit einem unumschränkten Rundum-Blick. Auch eine Arrestzelle für „Grenzverletzer“ war vorhanden. Im Grenzabschnitt um den Turm, zwischen der Florastraße in Hohen Neuendorf und dem Herthamoor im Ortsteil Bergfelde, wurden in den Jahren 1964 bis 1980 vier Menschen bei Fluchtversuchen getötet. Zum Tag des Baumes im April 2009 wurde auf dem ehemaligen Grenzstreifen eine Reihe aus 25 Bäumen gepflanzt. Diese „Mauer“ aus Bergahornbäumen soll nachfolgende Generationen an die Teilung Deutschlands erinnern. Am 13. August 2009 wurde ebenfalls am Turm eine Gedenknische für die vier Mauertoten eingerichtet. Dort finden sich originale Mauerstücke und Zaunteile sowie ein „Stalinrasen“, eine Stahlnagelmatte, mit der die Grenze für Autos unpassierbar gemacht wurde. Eine Gedenktafel erinnert an die Todesopfer, Willi Born, Marienetta Jirkowsky, Rolf-Dieter Kabelitz und Joachim Mehr. Im Rahmen eines Festakts enthüllte der Bürgermeister 20 Jahre nach dem Fall der Mauer diese Tafel. Ebenso wurde die Gedenktafel für Marienetta Jirkowsky am gleichnamigen Platz eingeweiht. Für die Opfer Rolf-Dieter Kabelitz, Joachim Mehr und Willi Born wurden zudem am jeweiligen Ort ihres Todes nahe des Naturschutzturms Gedenkstelen errichtet. Die Stele für Marienetta Jirkowsky befindet sich in der Florastraße gegenüber der Invalidensiedlung.

Kontakt

SDW Oberhavel
Ahornallee 38
16562 Hohen Neuendorf

Ereignisse

13. August 2009 - Einweihung
Einweihungeiner Gedenknische für die Mauertoten am Naturschutzturm Berliner Nordrand

Literatur

  • Katarzyna Lewandowska, Krzyż Katyński, „Gazeta Wyborcza” Lublin 1999 Nr. 240 vom 13.10.1999, S.1.
  • Hertle, Hans-Hermann/Nooke, Maria: Die Todesopfer an der Berliner Mauer 1961 - 1989: ein biographisches Handbuch, Berlin 2009.

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016