Berlin, Deutschland

Max-Fettling-Platz

 
Der 46-jährige Max Fettling war Vorsitzender der Betriebsgewerkschaft des VEB Industriebau in Berlin, als Ende Mai 1953 auf Betreiben der SED-Führung in der DDR eine allgemeine Erhöhung der Arbeitsnorm um zehn Prozent beschlossen wurde und sich die Stimmung unter den Arbeitern rapide verschlechterte. Der Betrieb war u. a. für die Baustelle des Krankenhauses Berlin-Friedrichshain zuständig, die einer der Ausgangspunkte der Streiks am 16. Juni war. Fettling unterschrieb als Vorsitzender der Betriebsgewerkschaft die Protestresolution gegen die Normerhöhung an den DDR-Ministerpräsidenten Otto Grotewohl. Die Arbeiter wählten Fettling und drei seiner Kollegen aus, um den Brief im Haus der Ministerien in der Leipziger Straße zu übergeben. Grotewohl war jedoch, wie fast die gesamte SED-Führung, zum Sitz der sowjetischen Militärverwaltung nach Berlin-Karlshorst geflüchtet. Die Abordnung wurde nur von zwei Mitarbeitern empfangen. Am 19. Juni wurde Max Fettling von der Staatssicherheit verhaftet. Während der elfmonatigen Untersuchungshaft wurde das Eintreten für seine Kollegen als „Rädelsführerschaft“ im Streik ausgelegt. Am 26. Mai 1954 wurde Fettlin deshalb zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt und im Sommer 1957 „auf Bewährung“ entlassen. Noch im Spätsommer 1957 flüchtete die Familie in den Westteil Berlins. Anlässlich des 50. Jahrestages des Volksaufstandes wurde der bis dahin namenlose Platz vor der Einfahrt des Krankenhauses in Friedrichshain am 17. Juni 2003 in Max-Fettling-Platz benannt. Eine Tafel oberhalb des Straßenschildes trägt eine Inschrift.

Inschriften

Inschrift der Tafel oberhalb des Straßenschildes
(Platz vor der Einfahrt des Krankenhauses in Friedrichshain)
Max Bruno Fettling/ geb.1907 in Berlin, gest. 1974 in Berlin/ Bauarbeiter/ Gewerkschafter/ wegen Beteiligung am Arbeiteraufstand im Juni 1953 zu 10 Jahren Zuchthaus verurteil.
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

17. Juni 2003 - Eröffnung
Benennung des Platzes in Max-Fettling-Platz

Literatur

  • Kowalczuk, Ilko-Sascha: 17.6.1953: Volksaufstand in der DDR. Ursachen – Abläufe – Folgen, Bremen 2003

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016

Weitere Informationen

  • Schmidl, Karin: Ehre für einen kleinen Mann, in: Berliner Zeitung, 14./15. Juni 2003, S. 27.