Jena, Deutschland

Matthias-Domaschk-Straße

 
Matthias Domaschk (1957–1981) gehörte zur Jenaer Alternativszene der 1970er Jahre. Er beteiligte sich an einem politischen Lesekreis, in dem historische und alternative Gesellschaftsmodelle diskutiert wurden, und baute eine geheime Untergrundbibliothek auf. Als er nach den Protesten gegen die Biermann-Ausbürgerung im November 1976 mit einem Ausbildungsverbot belegt wurde, arbeitete er als Heizungsinstallateur und Schlosser. Ein Studium blieb ihm verwehrt. An Pfingsten 1977 traf er in Prag mit Mitgliedern einer Gruppe der „Charta 77“ zusammen. Daraufhin verfasste Domaschk ein Charta-Dokument über die Jenaer Ereignisse und nahm Kontakt zum „Schutzkomitee Freiheit und Sozialismus“ in West-Berlin auf. Innerhalb der unabhängigen Friedensbewegung der DDR engagierte er sich in einer Initiativgruppe für den sozialen Friedensdienst als Alternative zum Wehrdienst. Schließlich wurde Matthias Domaschk in den Abendstunden des 10. April 1981, einen Tag vor Beginn des X. Parteitages der SED, auf der Zugfahrt von Jena nach Berlin in Jüterbog aus dem Zug heraus festgenommen. Es folgte die Überführung in die Untersuchungshaftanstalt Gera, wo er am 12. April 1981 unter bis heute nicht geklärten Umständen nach zweitägigem Verhör ums Leben kam. Die Geraer Staatssicherheit ließ offiziell bekannt geben, er habe sich erhängt. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) wollte zudem eine Beerdigung in Jena und eine Todesanzeige verhindern, konnte dies jedoch nicht durchsetzen. Der Tod von Matthias Domaschk wirkte wie ein Fanal für oppositionelle Aktivitäten. Über 100 Personen nahmen am 16. April 1981 bei einer Trauerfeier auf dem Nordfriedhof in Jena Abschied. Zum ersten Todestag erschienen in zwei Thüringer Zeitungen Annoncen: „Wir gedenken unseres Freundes Matthias Domaschk, der im 24. Lebensjahr aus dem Leben gerissen wurde. Seine Freunde“. Am 12. April 1982 stellte der Jenaer Bildhauer Michael Blumhagen als Symbol des Gedenkens und Protestes eine Plastik auf dem historischen Johannesfriedhof auf, die von der Staatssicherheit über Nacht abtransportiert wurde. Bereits 1983 waren fast alle Freunde und Bekannten von Matthias Domaschk verhaftet und aus dem Land gedrängt worden. Am 15. Todestag von Matthias Domaschk, dem 12. April 1996, organisierte die Geschichtswerkstatt Jena e.V. eine Gedenkveranstaltung. Anschließend benannte Bürgermeister Günter Graupe in Jena / Neulobeda, wo Matthias Domaschk gewohnt hatte, eine Straße nach ihm. Eine am Straßenschild befestigte Gedenktafel erinnert an Matthias Domaschk.

Inschriften

Inschrift der Gedenktafel
(unterhalb des Straßenschilds)
Der Jenenser Matthias Domaschk, geboren am / 12. Juni 1957, kam am 12. April 1981 in der Unter- / suchungshaft des Ministeriums für Staatssicherheit / unter ungeklärten Umständen zu Tode
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

12. April 1996 - Einweihung
Einwiehung der Matthias-Domaschk-Straße

Literatur

  • Ellmenreich, Renate: Matthias Domaschk. Die Geschichte eines politischen Verbrechens in der DDR und die Schwierigkeiten, dasselbe aufzuklären, hrsg. vom LStU Thüringen, Erfurt 1996
  • Fuchs, Jürgen: Magdalena. MfS, Memfisblues, Stasi, Die Firma, VEB Horch & Gauck, Berlin 1998

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
 
  • Kategorie: Gedenkort
  • Historisch: Ja
  • Standort: Matthias-Domaschk-Straße
  • Stadt: Jena
  • Ortsteil: Neulobeda
  • Gebiet: Thüringen
  • Land: Deutschland