Berlin, Deutschland
Mahnmal, Gedenkzeichen und Straßenumbenennung für Chris Gueffroy
An Chris Gueffroy (1968–1989), der am 6. Februar 1989 in Treptow einen Fluchtversuch unternahm, wird in Berlin vielerorts erinnert. Der 20-jährige ist der letzte von rund 100 Flüchtlingen, die an der Berliner Mauer erschossen wurden. Eines der Weißen Kreuze am Reichstagsufer trägt seinen Namen. Am Ufer des Britzer Verbindungskanals, an jener Stelle im ehemaligen Todesstreifen, wo Gueffroy starb, steht seit 2003 eine Gedenkstele des Künstlers Karl Biedermann. Seit 2014 würdigt zudem ein Gedenkzeichen an der Britzer-Allee-Brücke ihn und zwei weitere Maueropfer, die an diesem Abschnitt der innerstädtischen Grenze starben. Die darüber führende Straße trägt bereits seit 2010 seinen Namen.
Das tragische Schicksal des Ost-Berliner Jugendlichen ist zum Symbol für die unhaltbaren Zustände in der DDR geworden. Als in sozialistischen Bruderstaaten und sogar in der Sowjetunion längst Reisefreiheit herrschte, verweigerte das SED-Regime seinen Bürgern weiterhin dieses Recht. Chris Gueffroy wollte seiner Einberufung zum Militärdienst entgehen und glaubte fälschlicherweise, der Schießbefehl an der Grenze sei aufgehoben. Wenige Meter westlich der Britzer Allee, nahe der Kleingartenanlagen „Harmonie“ und „Sorgenfrei“, überkletterten er und ein Freund mit einem Wurfanker die Hinterlandmauer. An den Sperranlagen lösten sie Alarm aus und gerieten unter Beschuss. Gueffroy starb im Todesstreifen. Sein Mitstreiter wurde angeschossen, festgenommen und später wegen „versuchten ungesetzlichen Grenzübertritts“ zu drei Jahren Haft verurteilt. Auf Betreiben der Mutter von Chris Gueffroy kam es 1991 zur Anklage gegen vier beteiligte ehemalige DDR-Grenzsoldaten. Der Prozess endete mit drei Freisprüchen und nach Revision mit einer Bewährungsstrafe für den Todesschützen.
Dieser Fall wurde aber auch bei anderen Anklagen, so etwa 1992 beim Politbüroprozess gegen Mitglieder der ehemaligen Staats- und Parteiführung der DDR, als Beweis für das unmenschliche Regime der SED-Diktatur herangezogen. Im Sommer 2002 beschloss das Berliner Abgeordnetenhaus auf Initiative der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen einstimmig die Errichtung eines Denkmals für den Getöteten. Der Bildhauer Karl Biedermann übernahm zusammen mit der Mutter Karin Gueffroy die Gestaltung. Die 2,60 Meter hohe Stele aus Stahl wurde am 21. Juni 2003, Gueffroys 35. Geburtstag, auf dem ehemaligen Todesstreifen am Britzer Kanal eingeweiht und trägt eine Inschrift.
Zusätzlich wurde an der Britzer Brücke in Sichtweite des Gedenkortes im Rahmen der „Geschichtsmeile Berliner Mauer“ eine Informationstafel mit Texten und Fotomaterial angebracht, die an den tragischen Tod von Chris Gueffroy erinnert. Nach Beschädigung durch Vandalismus wurde die Tafel mehrfach erneuert. Seit 2014 wird an dieser Stelle auch an die beiden Maueropfer Werner Kühl und Hans-Joachim Wolf erinnert.
Die Umbenennung der altehrwürdigen Britzer Allee in Chris-Gueffroy-Allee war bei Anwohnern umstritten, sie erfolgte dennoch im Jahr 2010 auf Initiative des Bezirks.
Inschriften
Inschrift des Mahnmals
(auf dem ehemaligen Todesstreifen am Britzer Kanal)
Von 1961 bis 1989 / verlief an diesem Ufer / die Berliner Mauer. // Hier wurde am / 5. Februar 1989 / der zwanzigjährige / Chris Gueffroy / (* 21.6.1968) / getötet. // Er war der letzte / Flüchtling, / der erschossen wurde, / als er versuchte, / die DDR-Grenzanlagen / zu überwinden. // Senat und / Abgeordnetenhaus / von Berlin / 21. Juni 2003
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
21. Juni 2003 - Einweihung
Einweihung des Mahnmals für Chris Gueffroy
Literatur
- Filmer, Werner/Schwan, Heribert: Opfer der Mauer. Die geheimen Protokolle des Todes, München 1991
- Grafe, Roman: Die Prozesse wegen der Tötung des Mauerflüchtlings Chris Gueffroy. Eine Dokumentation, in: Deutschland-Archiv 37 (2004), H. 6, S. 977–982
- Grafe, Roman: Deutsche Gerechtigkeit. Prozesse gegen DDR-Grenzschützen und ihre Befehlsgeber, München 2004
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
Weitere Informationen
- Information der Pressestelle der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur Berlin
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: Britzer Verbindungskanal gegenüber Nobelstraße
- Stadt: Berlin
- Ortsteil: Treptow-Köpenick
- Gebiet: Berlin
- Land: Deutschland

