Berlin, Deutschland

Mahnmal für 15 Maueropfer

 
An der 13 Kilometer langen Betonmauer zwischen den benachbarten Stadtbezirken Treptow und Neukölln sind zwischen 1961 und 1989 nach bisherigen Recherchen mindestens 15 Menschen ums Leben gekommen. Unter ihnen waren auch die beiden Kinder Jörg Hartmann und Lothar Schleusener. Sie wurden am 14. März 1966 in der Nähe der Kleingartenkolonie „Sorgenfrei“ an der Kiefholzstraße im Ortsteil Plänterwald erschossen. Der zehn Jahre alte Jörg wollte zu seinem in West-Berlin lebenden Vater. Sein 13-jähriger Freund Lothar begleitete ihn auf dem Weg zur Grenze. Als Grenzposten die beiden zwischen den Sperranlagen bemerkten, eröffneten sie das Feuer, obwohl ein Einsatz der Schusswaffe gegen Kinder und Jugendliche untersagt war. Lothar Schleusener starb sofort durch einen Kopfschuss, Jörg Hartmann erlag seinen Verletzungen in einem Krankenhaus. Die Staatssicherheit verschleierte den Tod der Kinder an der Grenze und belog die Angehörigen über den Hergang. Im Jahre 1997 wurde der für den Tod der Kinder verantwortliche Postenführer zu 20 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, der zweite Schütze war zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben. Im November 1997 beschlossen die Treptower Bezirksverordneten, in jenem Abschnitt der Kiefholzstraße mit einem Mahnmal der 15 Mauertoten im Bezirk zu gedenken. Dessen Gestaltung wurde den Künstlern Rüdiger Roehl und Jan Skuin übertragen. Ihre Metallskulptur symbolisiert ein Mauersegment in Originalgröße mit der Silhouette eines Kindes und wurde am 9. November 1999 feierlich eingeweiht. Eine auf dem Boden liegende Tafel trägt eine Inschrift.

Inschriften

Inschrift der Gedenktafel
(vor der Metallskulptur, in den Boden eingelassen)
In Treptow starben fünfzehn / Menschen an der Berliner Mauer. / Unter den Opfern waren zwei Kinder, / Jörg Hartmann, 10 Jahre alt, und / Lothar Schleusener, 13 Jahre alt. / Erschossen am 14. März 1966
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

9. November 1999 - Einweihung
Einweihung des Mahnmals für 15 Maueropfer

Literatur

  • Warias, Simone/Herkt, Friedrich: Geboren 1955 – erschossen 1966. Filmdokumentation, Vidicon/MDR 2001
  • Jacobs, Stefan: Das Leben geht nicht weiter, in: Der Tagesspiegel, 14.3.2006

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
 
  • Kategorie: Gedenkort
  • Historisch: Ja
  • Standort: Kiefholzstraße 100
  • Stadt: Berlin
  • Ortsteil: Treptow-Köpenick
  • Gebiet: Berlin
  • Land: Deutschland