Mainz, Deutschland

Mahnmal 17. Juni 1953

 
Auf den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR reagierten im rheinland-pfälzischen Mainz als erstes die Studenten. Am 18. Juni 1953 erklärte der Allgemeine Studentenausschuss an der Johann-Gutenberg-Universität seine Solidarität mit den Aufständischen. Er schickte ein Telegramm an den Deutschen Bundestag, den West-Berliner Senat und das Amt für gesamtdeutsche Studentenfragen. Darin hieß es, dass die Mainzer Studentenschaft „in Ehrfurcht der gefallenen Freiheitskämpfer“ gedenke und sich „mit der tapferen Bevölkerung der Sowjetzone solidarisch“ erkläre. Am 29. Juni 1953 kam der Mainzer Stadtrat zu einer Sitzung zusammen. Bereits zu Beginn gab es einen Eklat, als sich die Mitglieder der kommunistischen Fraktion im Stadtrat beim Gedenken an die Opfer des 17. Juni der Schweigeminute verweigerten. Auf Antrag der SPD-Fraktion sollte an diesem Tag beschlossen werden, den bei dem Aufstand Verwundeten finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen. Zu einer heftigen Auseinandersetzung kam es als ein Abgeordneter der kommunistischen Fraktion erklärte, die Ereignisse in der DDR seien von einer gewissen Gruppe in West-Berlin organisiert worden, die in Zusammenhang mit dem Korea-Krieg stünde. Der Antrag zur Spende für die Opfer des 17. Juni wurde trotzdem mehrheitlich beschlossen. Die Abgeordneten der KPD stimmten gegen den Antrag. Am 22. Januar 1959 beantragte die CDU-Fraktion im Stadtrat die Schaffung eines „Erinnerungshinweises an den deutschen Osten“. Die Union wollte damit auch auf das Chruschtschow-Ultimatum vom November 1958 reagierten, mit dem die Sowjetunion darauf drängte, West-Berlin zu einer selbständigen freien Stadt zu erklären. Der Architekt und Baurat im Mainzer Hochbauamt, Albert Karl Spelthahn, entwarf ein Denkmal und stellte im Juli 1960 seinen Entwurf eines dreifach gespaltenen Steinblocks vor, der die Dreiteilung Deutschlands symbolisieren sollte. Nach der Befürwortung durch den Bauausschuss kam es jedoch zunächst nicht zur Umsetzung. Erst die Ortsgruppe des Kuratoriums Unteilbares Deutschland griff 1961 den Plan wieder auf und sorgte dafür, dass der Auftrag zur Herstellung des Denkmals erteilt wurde. Am Abend des 16. Juni 1961 wurde anlässlich des Jahrestages des Volksaufstandes in der DDR das Denkmal feierlich eingeweiht. Der aus Beton gegossene rechteckige und dreifach gespaltene Quader mit dem Spruchband „Deutschland ist unteilbar“ sollte den Willen zur deutschen Einheit unterstreichen. Die Einweihungsfeier war begleitet durch zahlreiche weitere Aktionen wie Straßensammlungen zur Finanzierung des Denkmals, einer Ausstellung mit künstlerischen Arbeiten von Schülern zur deutschen Teilung sowie einer Foto-Ausstellung zum Aufbau Berlins. Nach der Feier gab es einen Schweigemarsch und ein Mahnfeuer. Eine Gruppe ostdeutscher Jugendlicher trug im Zug ein Modell des Brandenburger Tores. Etwa 10 Jahre nach der Wiedervereinigung wurde am Mahnmal eine Informationsstele der Reihe „Historisches Mainz“ aufgestellt. Diese informiert die Besucher des Fischtorplatzes, dass die in der Bundesrepublik in den 1950er und 1960er Jahren formulierten Ansprüche an die ehemaligen Ostgebiete heute keine Gültigkeit mehr haben.

Inschriften

Inschrift des Mahnmals
(am Fischtorplatz)
Deutschland ist unteilbar
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

16. Juni 1961 - Einweihung
Einweihung des Mahnmals 17. Juni 1953

Literatur

  • Scheidgen, Andreas: Der 17. Juni 1953 in Mainz und das Mahnmal für das geteilte Deutschland am Fischtorplatz, Manuskript o. O. o. J

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
 
  • Kategorie: Gedenkort
  • Historisch: Nein
  • Standort: Fischtorplatz
  • Stadt: Mainz
  • Gebiet: Rheinland-Pfalz
  • Land: Deutschland