Gerblingerode, Deutschland

Lindenberg-Kapelle

 
Die kleine Gemarkung Gerblingerode unmittelbar an der Grenze zur SBZ/DDR erlebte nach dem Zweiten Weltkrieg einen Aufschwung. Immer mehr Wohnhäuser wurden gebaut, die Einwohnerzahl stieg. Mit Abriegelung der Grenzen 1952 war das einst beliebte Ausflugsziel, der Lindenberg, nicht mehr zugänglich. Durch die fehlende Nutzung verfielen das Forsthaus auf dem Berg und die wenige Meter entfernt stehende Kapelle. Diese Kapelle war bis dahin Ziel regelmäßiger Wallfahrten und nun für die Gerblingeroder Einwohner nicht mehr zu erreichen. Als Ersatz für diesen Wallfahrtsort wurde im Jahre 1952 auf dem nahe gelegenen Pferdeberg ein schlichtes Holzkreuz errichtet. Am 21. Juni 1973 wurde bei Gerblingerode der Grenzübergang Duderstadt-Worbis bzw. Duderstadt-Teistungen für Reisende in die DDR geöffnet. Bis zum November 1989 waren es nahezu sechs Millionen Besucher, die diesen Grenzübergang zum am stärksten frequentierten Grenzübergang der gesamten innerdeutschen Grenze machten. Im September 1989 wurde ein Nachbau der Lindenberg-Kapelle im Ortsinneren Gerblingerodes eingeweiht, doch schon zwei Monate später war die innerdeutsche Grenze geöffnet. Damit war auch wieder die alte Lindenberg-Kapelle zugänglich geworden, von der jedoch nur mit Unkraut überwucherter Schutt übrig geblieben war. Im April 1991 begannen Mitglieder des Heimat- und Verkehrsvereins Teistungen zusammen mit Bürgern aus Gerblingerode, die Grundmauern der ehemaligen Lindenberg-Kapelle freizulegen. Dabei konnten Bestandteile der Kapelle aus dem 18. und 19. Jahrhundert sichergestellt werden. So wurde ein großer, behauener Sandstein (Grab Christi) mit der Jahreszahl 1709 und das Türholz mit der Jahreszahl 1823 geborgen und zur Zwischenlagerung auf das Grundstück des Pfarramtes Teistungen gebracht. Zehn Jahre später konnten durch Karl Plumenbaum Planung und Bau eines Gedenkortes an dieser Stelle umgesetzt werden. Zusammen mit der Stadt Duderstadt und der Verwaltungsgemeinschaft Lindenberg sowie unter Mithilfe zahlreicher ehrenamtlicher Helfer wurde die Gedenkstätte am Standort der früheren Kapelle errichtet. Am 8. September 2001 wurde sie feierlich eingesegnet. Ihre Grundfläche besteht aus Pflastersteinen und hat die Maße der alten Lindenberg-Kapelle. Am Rand der Grundplatte sind noch die Reste des Fundaments zu sehen. Ein neuer Türrahmen mit der eingearbeiteten Inschrift des Original-Türbalkens, ein Altar aus Stein, der Sandstein mit der Jahreszahl 1709 und ein kleines Holzhäuschen mit Marienstatue sind auf der gepflasterten Fläche angeordnet. Schräg hinter der Anordnung befinden sich drei aus Baumstämmen bestehende Kreuze, an deren Fuß Steine aufgehäuft sind.

Ereignisse

8. September 2001 - Einweihung
Feierliche Einsegnung der Lindberg-Kapelle am historischen Standort
September 1989 - Historie
Einweihung des Nachbaus der Lindenberg-Kapelle im Ortsinneren Gerblingerodes
21. Juni 1973 - Historie
Öffnung des Grenzübergangs Duderstadt-Worbis bzw. Duderstadt-Teistungen für Reisende in die DDR

Literatur

  • Geisenhanslüke, Hans: Bauliche „Zeitzeugen“ sichergestellt, in: KirchenZeitung für das Bistum Hildesheim, 42 (2001), 21.10.2001
  • Ullrich, Maren: Geteilte Ansichten. Erinnerungslandschaft deutsch-deutsche Grenze, Berlin 2006

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016