Berlin, Deutschland
Kapelle der Versöhnung
Mit dem Bau der Mauer durch die Bernauer Straße wurde auch die Versöhnungsgemeinde geteilt. Die meisten Gemeindemitglieder lebten im West-Berliner Bezirk Wedding, die Kirche aber befand sich im Ostsektor. Der Zugang zum Kirchengrundstück Bernauer Straße 4 stand zunächst noch offen. Am 22. August 1961 wurde das Hauptportal der Kirche jedoch zugemauert. Von nun an war es nur noch den wenigen Gemeindemitgliedern in Ost-Berlin möglich, die Kirche zu besuchen. Am 23. Oktober 1961 wurde die Kirche endgültig geschlossen, die Kirchenglocken und die Kirchturmuhr abgeschaltet. Die Kirche stand mitten im Todesstreifen, zwischen Vorder- und Hinterlandmauer. Der Kirchturm diente lange Zeit als Wachturm. Die Gemeinde erhielt 1965 ein neues Gemeindezentrum auf der West-Berliner Seite in der Bernauer Straße 111, wo sich die Gläubigen im Angesicht ihrer eigenen Kirche versammeln konnten. In Teilen dieses Gebäudes befindet sich heute das Dokumentationszentrum Berliner Mauer. Den DDR-Machthabern war die als Mahnmal gegen die Mauer wirkende Kirche auf dem Todesstreifen ein Dorn im Auge. Sie arbeiteten daher systematisch auf ihren Abriss hin. Am 22. Januar 1985 wurde das Kirchenschiff gesprengt, sechs Tage später der Turm. Das Bild vom fallenden Turm der Versöhnungskirche ging um die Welt.
Nach der Maueröffnung 1989 erhielt die Gemeinde 1995 ihr „Mauergrundstück“ mit der Auflage der Sakralnutzung zurück. Die geretteten Glocken der alten Kirche wurden am ursprünglichen Ort wieder in Gebrauch genommen. Am 9. November 2000, dem 11. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer, konnte die auf den Fundamenten der früheren Kirche ruhende Kapelle der Versöhnung geweiht werden. Sie war nach Plänen der Berliner Architekten Rudolf Reitermann und Peter Sassenroth errichtet worden. Am Bau hatten junge freiwillige Helfer aus 14 europäischen Ländern mitgewirkt. Für den oval geformten Stampflehmbau mit einer lichtdurchlässigen Holz-Stabummantelung wurden Steine der alten Versöhnungskirche verwendet. Auch der aus dem Altarraum der alten Kirche gerettete Altaraufsatz mit einer Abendmahlszene konnte in der Kapelle aufgestellt werden. „So ist die alte Versöhnungskirche wirklich wieder auferstanden“, sagte Pfarrer Manfred Fischer bei der feierlichen Weihe.
Mit ihrem Namen greift die Kapelle der Versöhnung, in der 100 Menschen Platz finden, die Bezeichnung der gesprengten Kirche auf und verbindet sie mit dem Versöhnungsauftrag an einem Ort im ehemaligen Todesstreifen. Vor der Kapelle wurde eine Stele mit einer Informationstafel mit folgender Inschrift aufgestellt.
Kontakt
Kapelle der Versöhnung
Bernauer Straße 4, Ecke Hussitenstraße
10115 Berlin
Homepage: https://gemeinde-versoehnung.de/
Inschriften
Inschrift der Vorderseite des Gedenksteines
(auf dem Gelände der Kapelle der Versöhnung)
Gedenkstätte / für die Opfer / des Zweiten Weltkriegs / und der deutschen Teilung / Es soll nicht durch Heer oder Kraft / sondern durch meinen Geist geschehen / spricht der HERR Zebaoth Zach. 4,6
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Inschrift der Informationstafel der Sophiengemeinde
(auf dem Gelände der Kapelle der Versöhnung)
Gedenkstein / der Sophiengemeinde // Lange war umstritten wie die Gedenk- / stätte Berliner Mauer aussehen und / welche Widmung sie erhalten sollte. Der / Gedenkstein, den die Sophiengemeinde / aufstellen ließ, trägt die von ihr ursprüng- / lich gewünschte Widmung mit den Zehn / Geboten auf der Rückseite.
Englische Übersetzung:
Memorial Stone / of the Sophien Parish // How the Berlin Wall Memorial should look and to whom it should be dedicated was / disputed for a long time. The memorial / stone that the Sophien parish erected / bears the dedication that the parish had / originally favored for the memorial with / the ten Commandments written on the / back.
Memorial Stone / of the Sophien Parish // How the Berlin Wall Memorial should look and to whom it should be dedicated was / disputed for a long time. The memorial / stone that the Sophien parish erected / bears the dedication that the parish had / originally favored for the memorial with / the ten Commandments written on the / back.
Sprache: Deutsch / Englisch, Schrift: Lateinisch
Inschrift der Informationstafel auf der Stele
(vor der Kapelle der Versöhnung)
Kapelle der Versöhnung / Auf den Fundamenten der alten / Versöhnungskirche, die 1985 im Todesstrei- / fen gesprengt wurde, / entsteht zum 11. Jahrestag des Mauerfalls / die Kapelle der Versöhnung. (Architekten: / Reitermann / Sassenroth). Der Gemeinde dient / sie als bergende Hülle für Gottesdienste, / den Besuchern der Gedenkstätte als Ort der / Stille und Besinnung. / Der markierte Grundriss der alten Kirche / bleibt frei. Der alte Chorraum ist / umbaut. Im Empfangsbereich sind die gerette- / ten Glocken in einem Läutegerüst aufgehängt.
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Literatur
- Berliner Mauer: Gedenkstätte Dokumentationszentrum und Versöhnungskapelle in der Bernauer Straße, hrsg. vom Verein Berliner Mauer – Gedenkstätte und Dokumentationszentrum, Berlin 1999 (dt. und engl.)
- Rogalla, Thomas: Den Maueropfern ein Gesicht geben – nicht nur am 9. November, in: Berliner Zeitung, 7.11.2005
- Klaaßen, Lars: Dokumentationszentrum Berliner Mauer, Berlin 2004 (= Die Neuen Architekturführer Nr. 57)
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Museale Anlage
- Historisch: Ja
- Standort: Bernauer Straße 4, Ecke Hussitenstraße
- Stadt: Berlin
- Ortsteil: Mitte
- Gebiet: Berlin
- Land: Deutschland









