Berlin, Deutschland
Jürgen-Fuchs-Platz
Der ostdeutsche Schriftsteller Jürgen Fuchs (1950–1999) zählt zu den bekanntesten DDR-Oppositionellen. Als Psychologiestudent in Jena schloss er sich studentischen Protesten gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings im August 1968 an. Seine künstlerischen Aktivitäten und die Freundschaft zu systemkritischen Autoren und Musikern wie Lutz Rathenow bzw. zur Rockgruppe Renft hatten schließlich seine Zwangsexmatrikulation zur Folge.
Mit Frau und Kind wohnte Fuchs, nunmehr ein politischer und sozialer Außenseiter ohne Perspektive in der DDR, als Gast bei Katja und Robert Havemann in Grünheide bei Berlin. Im Zusammenhang mit den Protesten gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann 1976 wurde Fuchs verhaftet und nach 281 Tagen Haft im Untersuchungsgefängnis des MfS Berlin-Hohenschönhausen zusammen mit zwei Musikern der Band Renft nach West-Berlin abgeschoben.
Fuchs engagierte sich seither in der Friedensbewegung und pflegte Kontakte sowohl zu deren prominentesten Vertretern in der Bundesrepublik, wie Heinrich Böll, als auch zu den osteuropäischen Oppositionsbewegungen, wie der Charta 77 in der Tschechoslowakei, zur polnischen Solidarność, aber auch zu nonkonformistischen deutschsprachigen Autoren in Rumänien, wie etwa zur späteren Nobelpreisträgerin Herta Müller. Fuchs stand darum weiter unter Beobachtung des MfS, das sogar „operativ“ gegen ihn vorging. Eine Bombenexplosion sowie die versuchte Herbeiführung eines Verkehrsunfalls durch Manipulation seines Autos blieben jedoch folgenlos.
Nach der Wiedervereinigung engagierte Jürgen Fuchs sich auf vielfältige Weise für die öffentliche Aufarbeitung des DDR-Unrechts. Für seine plötzliche Blutkrebs-Erkrankung, die zu seinem frühen Tod führte, machte Fuchs den gezielten Einsatz von radioaktiven Strahlen durch das MfS verantwortlich. Diese Beschuldigung konnte jedoch durch wissenschaftliche Nachforschungen der Stasi-Unterlagenbehörde bislang nicht bestätigt werden.
Auf Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung Steglitz-Zehlendorf wurde am 9. Mai 2011 ein bislang namenloser Platz an der Ecke Königin-Luise-Straße/ Arnimallee nach dem DDR-Oppositionellen benannt. Die Laudatio zur öffentlichen Umbenennung hielt Wolf Biermann.
Inschriften
Inschrift der Informationstafel
(an der Ecke Königin-Luise-Straße/ Arnimallee)
Jürgen-Fuch-Platz // Jürgen Fuchs / 19. Dezember 1950 - 9. Mai 1999 / Schriftsteller, Psychologe und DDR-Bürgerrechtler
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
9. Mai 2011 - Einweihung
Einweihung des Jürgen-Fuchs-Platzes
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Nein
- Standort: Königin-Luise-Straße / Arnimallee
- Stadt: Berlin
- Ortsteil: Steglitz-Zehlendorf
- Gebiet: Berlin
- Land: Deutschland

