Všetaty, Tschechische Republik
Jan-Palach-Park
In der nach Jan Palach benannten Grünanlage im Zentrum der Stadt Všetaty wurde 1994 eine vom Bildhauer F. Janda geschaffene Gruppe von drei Skulpturen der Öffentlichkeit übergeben. Die drei Plastiken mit dem Namen "Nachruf auf Jan Palach" versinnbildlichen das Opfer seiner Selbstverbrennung, die Trauer und die "Fackel", als welche sich Palach in einem seiner Abschiedsbriefe selbst bezeichnet hatte. In den Sockel der ersten Skulptur "Opfer", die aus drei aus der Mitte einer rostenden Umzäunung emporsteigenden Stahlelementen besteht, ist ein Autograph Palachs eingelassen. Die Plastik "Trauer", die eine menschliche Gestalt mit gesenktem Kopf in einer langen Kutte zeigt, ist ohne Inschrift. Unterhalb der "Flamme" sind Auszüge aus dem Testament Palachs zu lesen.
Jan Palach wurde am 11. August 1948 in Mělnik als Sohn eines Kaufmanns geboren, der den Familienbetrieb wegen des kommunistischen Umsturzes noch im gleichen Jahr aufgeben musste. Die Familie siedelte nach Všetaty, wo Palach seine Jugend verbrachte. Ab 1963 besuchte er das Gymnasium in Mělnik, das er drei Jahre später absolvierte. Obwohl er die Aufnahmeprüfung zum Philosophiestudium bestanden hatte, konnte er sich nicht an der Prager Karlsuniversität immatrikulieren. Er studierte die kommenden zwei Jahre an der Wirtschaftshochschule. Im Frühjahr 1968 erhielt er die nachträgliche Zulassung für die philosophische Fakultät, wo er während des Prager Frühlings direkt mit den politischen und gesellschaftlichen Reformen in Kontakt kam. Nach dem Einmarsch der Interventionstruppen des Warschauer Paktes am 21. August 1968 beteiligte sich Palach an den Studentenstreiks im Herbst 1968, war jedoch von der zunehmenden Lethargie und Gleichgültigkeit seiner Landsleute enttäuscht. Zum Zeichen des Protestes gegen die einsetztende „Normalisierung“ beschloss Palach sich selbst zu verbrennen. Noch zum Jahreswechsel 1968/69 besuchte er seine Mutter und kehrte Anfang Januar 1969 nach Prag zurück. Am 15. Januar, einen Tag vor seiner Tat, fuhr er noch einmal kurz nach Hause, um der Beisetzung seines Onkels beizuwohnen. Am folgenden Tag fuhr er mit dem Zug nach Prag und begab sich gegen 16.00 Uhr ins Stadtzentrum. Am Fuße des Nationalmuseums übergoss er sich mit Benzin, zündete ein Streichholz an und lief brennend in Richtung des belebten Wenzelsplatzes. Nach wenigen Metern brach er bewusstlos zusammen. Ein Straßenbahnfahrer löschte mit seinem Mantel das Feuer und Palach wurde wenig später mit schwersten Verbrennungen in ein Krankenhaus gebracht. Vor der Selbstentzündung hatte er mehrere Briefe, in denen er die Gleichgültigkeit anklagte und die Abschaffung der Zensur forderte, verschickt. Die Nachricht von der Verbrennung und seine schnell bekannt gewordenen Forderungen zogen eine große Welle der Solidarität und des Protestes nach sich. Einige Studenten, unter ihnen Jan Zajích, hielten am Wenzeldenkmal einen Hungerstreik ab. Jan Palach erlag am 19. Januar 1969 seinen Verletzungen. Sein Leichnam wurde am 24. Januar 1969 in der Karls-universität aufgebahrt und anschließend unter der Anteilnahme tausender Men-schen auf dem Olšany-Friedhof beigesetzt.
Ereignisse
1994 - Einweihung
Einweihung der Skulpturen "Nachruf auf Jan Palach", "Flamme" und "Opfer" in Erinnerung an Jan Palach
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Nein
- Standort: Jan-Palach-Park
- Stadt: Všetaty
- Gebiet: Mittelböhmische Region
- Land: Tschechische Republik
