Berlin, Deutschland
Informationstafeln zum Tempelhofer Feld
Bei Erschließung des ehemaligen innerstädtischen Flughafens durch das Land Berlin für eine öffentliche und kommerzielle Nutzung erfolgten auch archäologische und historische Untersuchungen zur Geschichte des traditionsreichen Geländes. Auf dem Tempelhofer Feld wurde Luftfahrtgeschichte geschrieben. Das alte preußische Exerziergelände wurde in der Weimarer Republik zu einem der ersten deutschen Flughäfen. Der Neubau des Flughafengebäudes nach Plänen des Architekten Ernst Sagebiel wurde zwischen 1936 und 1941 errichtet, aber nicht fertiggestellt. Erst nach Kriegsende erfolgte unter amerikanischer Besatzung die Inbetriebnahme des Gebäude, das zu den größten der Welt zählt und als ingenieurtechnische Pionierleistung gilt.
Die monumentale NS-Architektur und die lebenserhaltende Schlüsselrolle der Anlage im Kalten Krieg, als Tempelhof und der eigens zu diesem Zweck ausgebaute Flughafen Tegel die Notversorgung West-Berlins über die Berliner Luftbrücke ermöglichten, sind gut bekannt. Weitere Schichten des Ortes rückten erst in jüngster Zeit erneut ins öffentliche Bewußtsein. Dies gilt insbesondere für das bereits 1938 abgerissene SS-Gefängnis „Columbia-Haus“ – ein frühes Konzentrationslager, in dem nach der Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 politische und weltanschauliche Gegner des NS-Regimes festgehalten, gefoltert und ermordet wurden.
Über den Flughafen Tempelhof wurden auch zahlreiche DDR-Flüchtlinge nach West-Deutschland ausgeflogen. An diese Funktion des Ortes erinnert eine von zehn Informationstafeln, die im Sommer 2013 im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt entlang des weiträumigen Gebäudes aufgestellt wurden.
Das Gros der ostdeutschen Flüchtlinge, die zwischen 1950 und 1961 in den Westteil Berlins kamen – ebenso wie Auswanderer aus Ostmitteleuropa – konnten u. a. aufgrund der angespannten Wohnungslage nicht dauerhaft in der noch kriegszerstörten Stadt untergebracht und versorgt werden. Allein 1950 wurden über 50 000 Neuankömmlinge gezählt. Nachdem die Bunderegierung 1952 ein Notaufnahmegesetz verabschiedet hatte, wurdem 80 Prozent der in West-Berlin aufgenommenen Zuwanderer in die Bundesrepublik weitergeleitet. Da die ostdeutschen Behörden diese „Republikflucht“ strafrechtlich vefolgten, konnte eine Ausreise nur auf dem Luftweg erfolgen.
Zwischen dem heutigen Tempelhofer Damm und dem stillgelegten Flugfeld erinnert eine „grüne Baracke“ an jene DDR-Flüchtlinge, die nach erfolgreicher Flucht und Zwischenaufenthalt in West-Berlin von Tempelhof aus ihren selbstgewählten Weg in ein oft noch ungewisses Leben in Freiheit fortgesetzt haben.
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: Tempelhofer Feld
- Stadt: Berlin
- Ortsteil: Tempelhof-Schöneberg
- Gebiet: Berlin
- Land: Deutschland
