Johanngeorgenstadt, Deutschland

Informationstafel Mühlbergsiedlung

 
1946 begann die Sowjetische Aktiengesellschaft (SAG) Wismut in Johanngeorgenstadt und anderen Regionen des Erzgebirges mit dem Abbau von Uranerzen, die als Reparationsleistungen in die Sowjetunion verschickt wurden. Um tausende Kumpel der Wismut-Bergwerke unterbringen zu können, wurde im Spätsommer 1948 in Johanngeorgenstadt eine neue Siedlung errichtet. Dafür wurden Baracken aus dem früheren nationalsozialistischen Kriegsgefangenenlager und späteren sowjetischen Speziallager Mühlberg/Elbe abgebaut und in Johanngeorgenstadt wiederaufgebaut. Dieser neue Stadtteil wurde „Mühlberg-Siedlung“ genannt und erinnerte damit nicht nur an die Herkunft der Gebäude, sondern ebenso an das sowjetische Speziallager. Auch Menschen aus Johanngeorgenstadt waren nach 1945 willkürlich festgenommen und nach Mühlberg gebracht worden. Unter ihnen war Alfred Ullmann, einer von vielen Jugendlichen, die zunächst in Mühlberg gefangen gehalten und später in die Sowjetunion deportiert wurden. Auf seine Initiative wurde am 11. September 2005, dem Tag des offenen Denkmals, in Johanngeorgenstadt eine Informationstafel errichtet.

Inschriften

Inschrift der Informationstafel
(am Pferdegöpel 1)
Historische Informationstafel / Mühlbergsiedlung // Ab dem Spätherbst 1948 entstand unweit von hier eine / Bergarbeitersiedlung mit fast neunzig Baracken und neun / Straßen, die im Volksmund Mühlberg-Siedlung genannt / wurde. / Hier wohnten zeitweise bis zu 8.000 Menschen. / Der Name Mühlberg hängt mit der Herkunft vieler der / dort aufgereihten Baracken zusammen. / Sie wurden im berüchtigten Internierungslager Mühlberg, / zwischen Riesa und Torgau an der Elbe gelegen, abgebaut / und hier wiedererrichtet. / In dem 1939 eingerichteten Kriegsgefangenenlager / Mühlberg starben sowohl vor, aber ganz besonders nach / 1945 im sowjetischen „Speziallager No. 1 Mühlberg“ / tausende von Menschen. / Auch Johanngeorgenstädter Bürger waren dort inhaftiert – / darunter eine Reihe von Jugendlichen die im Oktober 1945 / aufgrund unhaltbarer Vorwürfe verhaftet worden waren.
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

11. September 2005 - Eröffnung
Enthüllung der Informationstafel

Literatur

  • Mühlberg-Baracken wurden 1948 nach Johanngeorgenstadt geschafft, in: Freiheitsglocke Januar 2006, S. 5

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
 
  • Kategorie: Gedenkort
  • Historisch: Nein
  • Standort: Am Pferdegöpel 1
  • Stadt: Johanngeorgenstadt
  • Gebiet: Sachsen
  • Land: Deutschland