Berlin, Deutschland

Informations- und Gedenktafel zu gescheiterter Tunnelflucht in der Sebastianstraße

 
Im Frühjahr und Sommer 1962 gruben Siegfried Noffke, Dieter Hötger und weitere Fluchthelfer von Kreuzberg aus einen Tunnel unter der Mauer hindurch nach Ost-Berlin. Der 22-jährige Maurer Noffke hatte im Mai 1961 in Ost-Berlin geheiratet und wollte Frau und Kind in den Westteil holen. Hötger wollte ebenfalls seine Freundin nach West-Berlin bringen. Ihr Tunnel führte vom Keller der Sebastianstraße 82 bis unter den Keller des Gebäudes Heinrich-Heine-Straße 48/49. Der Tunnel war rund 45 Meter lang und 75 Zentimeter breit. Der Fluchtplan wurde durch den Bruder einer der fluchtwilligen Frauen verraten. So stand die Staatssicherheit am 28. Juni 1962 bereit, alle Beteiligten zu verhaften. Es wurden zahlreiche Schüsse auf die unbewaffneten Fluchthelfer abgegeben. Während durch Querschläger verletzte Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit umgehend in Behandlung kamen, wurde Noffke noch vor Ort verhört und verstarb auf dem Transport ins Krankenhaus. Der ebenfalls schwerverletzte Hötger überlebte, wurde zu neun Jahren Haft verurteilt und in das Gefängnis Bautzen II (Sachsen/Bautzen) überführt. Am 28. November 1967 gelang ihm von dort – als einzigem Häftling in der Geschichte des Gefängnisses – der Ausbruch. Nach einer Großfahndung wurde Hötger am 6. Dezember 1967 schließlich gefasst und in einem weiteren Prozess zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Im September 1972 kaufte ihn die Bundesregierung frei. Eine Informationstafel des Vereins Berliner Unterwelten e. V. erinnert an den Tunnel und den Tod Noffkes. Sie wurde am 12. August 2009 im Beisein von Dieter Hötger von Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse sowie weiteren Vertretern aus Politik und Kultur enthüllt.

Ereignisse

12. August 2009 - Einweihung
Einweihung der Informations- und Gedenktafel zu gescheiterter Tunnelflucht
28. Juni 1962 - Historie
Verhinderung der Flucht am Tunnel in der Sebastianstraße 83 durch die Staatssicherheit

Literatur

  • Detjen, Marion: Ein Loch in der Mauer. Die Geschichte der Fluchthilfe im geteilten Deutschland 1961–1989, München 2005

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016