Berlin, Deutschland
Informations- und Gedenkort Rummelsburg
Die historische Bausubstanz in der Rummelsburger Bucht wurde seit 2004 zu einem attraktiven Wohngebiet um- und neugestaltet. Das 1873 dort errichtete, seinerzeit größte deutsche Arbeitshaus – ursprünglich eine städtische Verwahranstalt für Bettler und soziale Randexistenzen – wurde saniert und bekam im Dezember 2014 einen Informations- und Gedenkort, der an die über 100-jährige Geschichte der Einrichtung erinnert. Die Initiative dazu ging von interessierten Anwohnern und ehemaligen Gefangenen dieser Anlage aus.
Die hinter dem Ostkreuz am Stadtrand gelegene Anstalt wurde von vier deutschen Staaten genutzt. Anhand von Einzelschicksalen können Besucher des Gedenkortes nachvollziehen, wie sich der Umgang mit „randständigen“ und „sozial abweichenden“ Personen im 20. Jahrhundert verändert hat. In der NS-Zeit wurden in Rummelburg Homosexuelle und Prostituierte weggesperrt. 30 jüdische Insassen fielen der NS-Euthanasie zum Opfer.
Von April 1951 bis Oktober 1990 beherbergten die kasernenartigen Backstein-Häuser das zentrale Männer-Gefängnis von Ost-Berlin. Die Strafanstalt war für 900 Personen ausgelegt, sie war jedoch mit bis zu 2 500 Häftlingen ständig überbelegt. Hier saßen sowohl „Asoziale“ als auch politische Häftlinge ein. Ab 1963 waren in Rummelsburg auch diejenigen untergebracht, die für einen Freikauf in die Bundesrepublik infrage kamen. Im Herbst 1989, nach den Protesten am 7. und 8. Oktober, wurden hier Hunderte Demonstranten durch die Volkspolizei und das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) vorübergehend interniert.
Mehrere fünf Meter hohe Metallstelen mit Bild- und Texttafeln zur Geschichte der Anlage sowie weitere Stelen mit Biografien, Fotos und Zeitzeugenberichten von 18 ehemaligen Insassen sind über das historische Gelände verteilt. Finanziert wurde die von der Künstlerin Helga Lieser gestaltete Erinnerungsstätte vom Bezirk Lichtenberg und dem Berliner Senat.
Ereignisse
Dezember 2014 - Eröffnung
Eröffnung des Informations- und Gedenkort Rummelsburg
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: Hauptstraße 8
- Stadt: Berlin
- Ortsteil: Lichtenberg
- Gebiet: Berlin
- Land: Deutschland
