Probstzella, Deutschland

Grenzturm auf dem Hopfsberg

 
Der thüringische Ort Probstzella gehörte zur Sowjetischen Besatzungszone (SBZ), die durch eine Demarkationslinie von der amerikanischen Besatzungszone in Bayern abgegrenzt war.Thüringen und Franken waren in diesem Gebiet nicht nur sozial, sondern auch wirtschaftlich eng miteinander verflochten. Viele Einwohner der Grenzregion pendelten über den 1946 eröffneten Grenzübergang Falkenstein zu ihren Arbeitsstellen jenseits der Demarkationslinie. Als Reaktion auf den wachsenden Flüchtlingsstrom aus der SBZ in die Westzonen bzw. nach 1949 aus der DDR in die Bundesrepublik verschärfte die DDR-Regierung die Sicherungsmaßnahmen an der Grenze und beschloss am 26. Mai 1952 deren Schließung. Der Grenzübergang Falkenstein war im Zuge der Grenzsicherungsmaßnahmen bereits 1951 geschlossen worden. Geöffnet blieb nach 1952 der Bahnübergang Probstzella-Ludwigsstadt, über den ein großer Teil des Bahnverkehrs von Bayern Richtung Berlin abgewickelt wurde. Da Probstzella unmittelbar an der innerdeutschen Grenze lag, fiel es in das fünf Kilometer breite Sperrgebiet, das aufgrund des Regierungsbeschlusses eingerichtet worden war. Wie in den anderen Orten in der sogenannten „Schutzzone“ oder im Sperrgebiet kam es auch in Probstzella im Juni 1952 im Zuge der „Aktion Ungeziefer“ zu Zwangsaussiedlungen „unerwünschter“ Personen und Familien. In den folgenden Jahren wurde die militärische und personelle Sicherung der Grenzanlagen schrittweise verschärft. Der Ausbau und die Modernisierung der Sperranlagen zwischen Thüringen und Franken wurden bis in die späten 1970er Jahre durch die DDR-Grenztruppen vorangetrieben. Neu errichtet wurden ein drei Meter hoher Metallgitterzaun mit Selbstschussanlagen, akustische Signalanlagen und neue Erdbunker. Zu den Führungspunkten, in denen die akustischen Signale zusammengeführt wurden, gehörte auch der Grenzturm auf dem Hopfsberg, der einen weiten Blick auf die Grenzschneise ermöglichte. Nach der Grenzöffnung im November 1989 wurde ein großer Teil der ehemaligen Grenzsperranlagen abgerissen. Der Führungsturm auf dem Hopfsberg jedoch blieb auf Bestreben der Gemeinde Probstzella erhalten und gehört heute zur Gedenkstätte Probstzella-Ludwigsstadt. Er kann auf Anfrage besichtigt werden. Der Turm ist durch einen Wanderweg mit Aussichtsturm „Thüringer Warte“ verbunden. Entlang des Wanderweges sind Informationstafeln über den Grenzverlauf und die Grenzanlagen angebracht.

Literatur

  • Bennewitz, Inge/Potratz, Rainer: Zwangsaussiedlungen an der innerdeutschen Grenze, Berlin 1994 (= Forschungen zur DDR-Geschichte, Bd. 4)
  • Schätzlein, Gerhard/Rösch, Bärbel/Albert, Reinhold: Grenzerfahrungen Bayern–Thüringen 1945–1971, Hildburghausen 2001

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016