Brome, Deutschland

Grenzlehrpfad Zicherie-Böckwitz

 
Gerade einmal 1 000 Einwohner zählte Zicherie-Böckwitz und doch galt es als „Klein-Berlin“. Der Grund lag in der Teilung des Dorfes ähnlich der der Großstadt Berlin. Seit jeher waren Böckwitz und Zicherie Ortsteile der Samtgemeinde Brome und bildeten ein Doppeldorf. Sie unterhielten eine gemeinsame Schule und Molkerei. Vor 1945 gehörten sie allerdings zu unterschiedlichen preußischen Provinzen: Zicherie zur Provinz Hannover, Böckwitz zur Provinz Sachsen. Am 1. Juli 1945 besetzten sowjetische Truppen vereinbarungsgemäß die gesamte Provinz Sachsen und Böckwitz wurde Teil der sowjetischen Besatzungszone (SBZ). Schüler aus Zicherie durften fortan die Böckwitzer Schule nicht mehr besuchen. In dieser Zeit waren grenzüberschreitende Kontakte noch möglich, was sich nach der Währungsreform 1948 jedoch stark veränderte. 1950 wurde der gemeinsame Schützenverein der beiden Dörfer wiedergegründet. Im Zuge des Deutschland-Vertrages von 1952 wurde jedoch die Grenze weitgehend abgeriegelt und grenznahe Häuser in Böckwitz abgerissen. Nachbarschaftliche Beziehungen waren nun unmöglich. Der Schützenverein bestand nur noch aus Mitgliedern Zicheries. Der FC Zicherie, der seiner Spieler aus Böckwitz beraubt wurde, musste 1953 seinen Spielbetrieb gänzlich einstellen. Mit der Einrichtung eines Sperrgebietes an der DDR-Grenze zur Bundesrepublik Deutschland wurde im Mai 1952 zwischen Böckwitz und Zicherie ein 300 Meter langer und drei Meter hoher Bretterzaun errichtet. Die Sperranlagen wurden im Laufe der Zeit mit Sperrgraben, Mauer, Metallgitterzaun mit Selbstschussanlagen und Minenstreifen erweitert. Nach dem Fall der Mauer wurden am 18. November 1989 auch die Mauer in Böckwitz niedergerissen und die Grenze nach Zicherie wieder geöffnet. Heute erinnert ein mehr als drei Kilometer langer Grenzlehrpfad südlich von Zicherie an der Straße nach Kaiserwinkel an den früheren Grenzverlauf. Auf einer Fläche von 12 500 Quadratmetern sind ein erhalten gebliebener Führungsturm sowie das Sperr- und Grenzgebiet mit Zaun- und Mauerteilen zu besichtigen. Teil des Grenzlehrpfades ist auch eine „Europawiese“, die daran erinnert, dass mit Überwindung der Teilung Deutschlands auch die Teilung Europas beendet wurde. Ein Gedenkstein mit der Aufschrift „Europawiese“ wandelt den Spruch „Wir sind ein Volk“ in „Wir sind ein Europa“ um.

Kontakt

Grenzmuseum Böckwitz-Zicherie - Museumsverein Böckwitz e.V.
Im Rundling 2
38486 Klötze

Inschriften

Inschrift des Gedenksteins
(am Grenzlehrpfad Zicherie-Böckwitz)
Europawiese / Wir sind ein Europa
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Literatur

  • Noske, Henning: In Klein-Berlin steht noch die Grenze, in: Braunschweiger Zeitung, 24.6.2003
  • Hermann, Ingolf/Sroka, Karsten: Deutsch-deutsches Grenzlexikon. Der Eiserne Vorhang und die Mauer in Stichworten, hrsg. vom Bürgerkomitee des Landes Thüringen e. V., Zella Mehlis 2005

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016