Oberharz am Brocken, Deutschland

Grenzlandschaft und Museum

 
Der 200 Einwohner zählende Kurort Sorge im Landkreis Wernigerode im Oberharz wurde im April 1945 von US-amerikanischen Truppen besetzt, fiel aber bereits im Juli 1945 an die Sowjetische Besatzungszone (SBZ). Als die DDR-Regierung im Mai 1952 die Schließung der innerdeutschen Grenze beschloss und verschärfte Sicherungsmaßnahmen anordnete, gehörte das unmittelbar an der Grenze zu Niedersachsen gelegene Sorge plötzlich zum 500 Meter breiten „Schutzstreifen“. Fortan konnte der Ort nur mit einer besonderen Genehmigung betreten oder verlassen werden. Im Zuge der Grenzsicherung wurden 1952 im Rahmen der Aktion „Ungeziefer“ auch Zwangsumsiedlungen beschlossen, von denen zehn Familien aus Sorge betroffen waren. Trotz dieser Maßnahmen blieb Sorge als Kurort bestehen, den monatlich etwa 60 bis 80 Kurgäste mit einem Passierschein erreichten. Nach dem Abbau der Grenzanlagen Ende 1989 entstand unter der Leitung des damaligen Bürgermeister Rolf Tronnier eine Initiative, die sich für die Erhaltung der Grenzanlagen als Museum einsetzte. Heute können Besucher daher immer noch den ersten Sicherungszaun, die angedeutete Hundelauftrasse, einen Grenzturm und die Originalgrenzbeschilderung besichtigen. Außerdem ist ein Beobachtungsturm erhalten geblieben, der über den ehemaligen Kolonnenweg erreichbar. Nach der Restaurierungsarbeiten 2019/20 kann der Beobachtungsturm im Rahmen der Geländeführungen besichtigt werden. Das Freiland-Grenzmuseum Sorge kann selbstständig erschlossen werden. Ein Rundweg mit Informationstafeln, der 2020 um eine Multimediaguide ergänzt wurde, führt Besucherinnen und Besucher durch die Grenzlandschaft. In unmittelbarer Nähe hat Herman Prigann 1992 den „Ring der Erinnerung“ angelegt. Das Kunstprojekt wurde von den Ländern Niedersachsen und Sachsen-Anhalt gefördert. Der „Ring der Erinnerung“ ist ein Rondell mit einem Durchmesser von etwa 70 Metern. Ein Ring abgestorbener Bäume, die langsam von der Bepflanzung überwuchert werden, bildet die Umrahmung. Der „Ring der Erinnerung“ steht als Symbol für die deutsche Vereinigung und ist gleichzeitig ein Mahnmal gegen die weltweite Umweltzerstörung. 2007 gründete sich der Verein Grenzmuseum Sorge e.V., der seither das Freiland-Grenzmuseum Sorge, den „Ring der Erinnerung“ und seit 2009 auch das Grenzmuseum betreut. Das kleine Museum befindet sich im ehemaligen Bahnhofsgebäude, das zum diesem Zweck restauriert und saniert wurde. Die Ausstellung erklärt die besondere Lebenssituation der Menschen an der innerdeutschen Grenze in der Harzregion, zeigt aber auch den Alltag der Grenzsoldaten. Sie geht auf die Zwangsumsiedlungen sowie die Todesopfer im ehemaligen Grenzabschnitt ein. Des Weiteren können Besucherinnen und Besucher ein Originalmodell der Grenzanlage, Dokumente und Artefakte aus der Zeit der Teilung, wie z. B. Uniformen der Grenzposten und optische Aufklärungsgeräte besichtigen. 2009 wurde das Museum anlässlich des 20. Jahrestags des Mauerfalls feierlich eröffnet.

Kontakt

Grenzmuseum Sorge e.V.
Försterbergstraße 5b
38875 Oberharz am Brocken
Homepage des Vereins Grenzmusem Sorge e.V.: https://www.grenzmuseum-sorge.de/index.php

Literatur

  • Ullrich, Maren: Geteilte Ansichten. Erinnerungslandschaft deutsch-deutsche Grenze, Berlin 2006
  • Tronnier, Rolf: Chronik der Gemeinde Sorge. Sorge 2001
  • Bennewitz, Inge/Potratz, Rainer: Zwangsaussiedlungen an der innerdeutschen Grenze, Berlin 1994 (= Forschungen zur DDR-Geschichte, Bd. 4)

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016