Schnackenburg, Deutschland

Grenzlandmuseum Schnackenburg – Museum der deutsch-deutschen Geschichte

 
In Schnackenburg an der Elbe befand sich bis 1990 die größte Zollschiffstation in Deutschland. Hier wurde seit der Eröffnung 1948 der Schiffsverkehr von Hamburg Richtung Berlin abgewickelt, der die Zonengrenze zwischen der britischen und der sowjetischen Zone passieren musste. Nach Schließung der Grenze im Mai 1952 durch die DDR-Regierung war die Zollschiffstation in Schnackenburg weiterhin eine der Grenzstationen, die auf dem Weg von Westdeutschland nach Berlin geöffnet blieben. Bis 1990 passierten hier jährlich 12 000 Schiffe. Damit war Schnackenburg der wichtigste Übergang für die Versorgung Berlins auf dem Wasserweg. In den Jahren nach der Grenzschließung und dem Ausbau der Sicherungsanlagen war auch die Zollschiffstation Schnackenburg wie durch einen Belagerungsring umgeben. Dadurch sollten Fluchten über die Zollstation verhindert werden. Auf dem Ostufer der Elbe wurde ab 1972 entlang des Elbdeiches ein 3,20 Meter hoher Metallgitterzaun aufgestellt. An diesem Zaun lagen bis 1984 Splitterminen des Typs SM-70. Allein im Landkreis Lüchow-Dannenberg kamen bei Fluchtversuchen 22 Menschen ums Leben. Das Grenzlandmuseum Schnackenburg wurde 1995 im historischen Fischerhaus in Schnackenburg eröffnet. Seine Gründung geht auf eine Initiative von bundesdeutschen Zöllnern zurück, die sich kurz nach der Grenzöffnung 1989 zusammenschlossen, um die Geschichte der Grenze und der Zollschiffstation zu dokumentieren. Daraus ging 1994 der Förderverein Grenzlandmuseum Schnackenburg e. V. hervor. Der Schwerpunkt des Museums liegt auf der Dokumentation der innerdeutschen Grenze in der Elbregion bei Schnackenburg und der Geschichte der Zollschiffstation. Besondere Berücksichtigung finden die Auswirkungen der Grenzschließung 1952 auf die Bewohner auf beiden Seiten der Elbe. Gezeigt werden Grenzsperranlagen, Land- und Wasserfahrzeuge der DDR-Grenztruppen, deren Uniformen und diejenigen des westdeutschen Bundesgrenzschutzes, andere Ausrüstungsgegenstände und Fotos. Zum Grenzlandmuseum Schnackenburg gehört die Gedenk- und Begegnungsstätte Stresow. Im Jahr 1998 entstand außerdem auf Initiative des Fördervereins Grenzlandmuseum Schnackenburg e. V. der zehn Kilometer lange Grenzlehrpfad Schnackenburg-Gartow. Er folgt ehemaligen Überwachungs- und Sicherungsanlagen der Grenztruppen der DDR, die im Original besichtigt werden können. Der einstige Minengürtel, ein Grenzwachturm, Grenzpfähle, die frühere Grenzübergangsstelle Kapern-Bömenzien und die nach der Wiedervereinigung errichtete Gedenk- und Begegnungsstätte Stresow sind Teile des Lernpfades. Vor dem Museum befindet sich eine Gedenktafel. Darauf werden unter anderem die Namen der Opfer und die Umstände des Todes aufgeführt.

Kontakt

Förderverein Grenzland-Museum Schnackenburg e.V.
Am Markt 4
29493 Schnackenburg

Inschriften

Inschrift der Gedenktafel
(vor dem Museum)
Zur Erinnerung und zum Gedenken an die Opfer der innerdeutschen Grenze / die bei ihrer Flucht aus der Deutschen Demokratischen Republik in die Bundesrepublik / Deutschland / im Kreis Lüchow-Dannenberg ums Leben gekommen sind
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

1995 - Eröffnung
Eröffnung des Grenzlandmuseums Schnackenburg – Museum der deutsch-deutschen Geschichte

Literatur

  • Ritter, Jürgen/Lapp, Peter Joachim: Die Grenze. Ein deutsches Bauwerk, Berlin 1997

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
 
  • Kategorie: Museale Anlage
  • Historisch: Ja
  • Standort: Am Markt 4
  • Stadt: Schnackenburg
  • Gebiet: Niedersachsen
  • Land: Deutschland