Prag, Tschechische Republik
Grabmahl für Jan Palach
Nachdem Jan Palach am 19. Januar 1969 den Folgen seiner Selbstverbrennung erlag, wurde sein Leichnam am 24. Januar auf dem Prager Olšany-Friedhof beigesetzt. Zuvor war Palach in der Prager Karlsuniversität aufgebahrt worden und von dort über den Wenzelsplatz unter Anteilnahme von mehr als 10.000 Menschen zum Friedhof überführt worden. Die Grabstelle war in den kommenden Jahren ein Pilgerort für viele Tschechen und Slowaken, die das Andenken an Palach und die Niederschlagung des Prager Frühlings wach hielten. Die Sicherheitsbehörden versuchten vergeblich, das Aufstellen von Kerzen und Blumengebinden zu verhindern. Die Mutter von Jan Palach wurde deshalb gedrängt, ihren Sohn auf einen anderen Friedhof oder in seine Heimatstadt umzubetten. 1973 musste sie dem Druck schließlich nachgegeben. Trotz der versprochenen Überführung des Leichnams wurde Palach heimlich eingeäschert und die Urne auf den Friedhof seiner Heimatstadt Všetaty beigesetzt. In der Grabstelle Palachs auf dem Olšany-Friedhof wurde eine Frau bestattet. Erst nach der samtenen Revolution 1989 konnten im Sommer 1990 Palachs Asche wieder an ihren ursprünglichen Ort zurückkehren. Heute ist hier eine von Bildhauer Olbram Zoubek geschaffene bronzene Grabplatte zu sehen, die den stilisierten, durch den Brand vernarbten, Torso Palachs zeigt. Eine ähnliche Platte wurde nach 1990 auch auf dem Grab von Jan Zajíc in Vítov angebracht.
Jan Palach wurde am 11. August 1948 in Mělnik als Sohn eines Kaufmanns geboren, der den Familienbetrieb wegen des kommunistischen Umsturzes noch im gleichen Jahr aufgeben musste. Die Familie siedelte nach Všetaty, wo Palach seine Jugend verbrachte. Ab 1963 besuchte er das Gymnasium in Mělnik, das er drei Jahre später absolvierte. Obwohl er die Aufnahmeprüfung zum Philosophiestudium bestanden hatte, konnte er sich nicht an der Prager Karlsuniversität immatrikulieren. Er studierte die kommenden zwei Jahre an der Wirtschaftshochschule. Im Frühjahr 1968 erhielt er die nachträgliche Zulassung für die philosophische Fakultät, wo er während des Prager Frühlings direkt mit den politischen und gesellschaftlichen Reformen in Kontakt kam. Nach dem Einmarsch der Interventionstruppen des Warschauer Paktes am 21. August 1968 beteiligte sich Palach an den Studentenstreiks im Herbst 1968, war jedoch von der zunehmenden Lethargie und Gleichgültigkeit seiner Landsleute enttäuscht. Zum Zeichen des Protestes gegen die einsetzende „Normalisierung“ beschloss Palach sich selbst zu verbrennen. Am 15. Januar, einen Tag vor seiner Tat, fuhr er noch einmal kurz nach Hause, um der Beisetzung seines Onkels beizuwohnen. Am folgenden Tag fuhr er mit dem Zug nach Prag und begab sich gegen 16.00 Uhr ins Stadtzentrum. Vor dem Nationalmuseum übergoss er sich mit Benzin, zündete ein Streichholz an und lief brennend in Richtung des belebten Wenzelsplatzes. Nach wenigen Metern brach er bewusstlos zusammen. Ein Straßenbahnfahrer löschte mit seinem Mantel das Feuer und Palach wurde wenig später mit schwersten Verbrennungen in ein Krankenhaus gebracht. Vor der Selbstentzündung hatte er mehrere Briefe, in denen er die Gleichgültigkeit anklagte und die Abschaffung der Zensur forderte, verschickt. Die Nachricht von der Verbrennung und seine schnell bekannt gewordenen Forderungen zogen eine große Welle der Solidarität und des Protestes nach sich. Einige Studenten, unter ihnen Jan Zajích, hielten am Wenzelsdenkmal einen Hungerstreik ab.
Jan Palach erlag am 19. Januar 1969 seinen Verletzungen. Sein Leichnam wurde am 24. Januar 1969 in der Karlsuniversität aufgebahrt und anschließend unter der Anteilnahme tausender Menschen auf dem Olšany-Friedhof beigesetzt.
Inschriften
Inschrift der Grabplatte
11. 8. 1948 Jan Palach 19. 1. 1969
Deutsche Übersetzung:
11. 8. 1948 Jan Palach 19. 1. 1969
11. 8. 1948 Jan Palach 19. 1. 1969
Sprache: Tschechisch, Schrift: Lateinisch
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: Olšany-Friedhof, Vinohradská 1835/153
- Stadt: Prag
- Land: Tschechische Republik


