Dresden, Deutschland

Grabanlage für die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft

 
Das Krematorium in Dresden-Tolkewitz wurde in den Jahren 1910 bis 1911 nach den Plänen von Fritz Schuhmacher erbaut. In den Jahren 1944 und 1945 wurden hier Urnen von Häftlingen der nationalsozialistischen Konzentrationslager Schwarzheide und Flossenbürg namenlos beigesetzt. Die Häftlinge aus Flossenbürg waren vermutlich in Dresden und Umgebung für Zwangsarbeiten eingesetzt. Die in den Unterlagen vermerkten Todesursachen deuten darauf hin, dass die meisten an Entkräftung und Krankheiten starben, einige wurden hingerichtet. Von vielen ist die Todesursache nicht bekannt. Sie wurden im Krematorium Tolkewitz eingeäschertund die Urnen ohne Grabkennzeichnung auf dem Urnenhain beigesetzt. Erst 1996 fand man Dokumente zu den Beisetzungen, woraufhin 1999 eine Gedenkstätte eingeweiht wurde, an der auf Bronzetafeln die Namen von 213 Toten mit Geburts- und Sterbetag genannt werden. Auf dem Urnenhain in Dresden-Tolkewitz befindet sich auch ein Gräberfeld mit Urnen von 23 Opfern der stalinistischen Gewaltherrschaft aus den Jahren 1952 bis 1956. Dieses Feld wurde 1994 angelegt. Die Namen und biographischen Daten der Opfer sind bekannt. Zu ihnen gehören Elli Barczatis (1912–1955) und ihr Freund, der Journalist Karl Laurenz (1905–1955). Barczatis war Chefsekretärin des DDR-Ministerpräsidenten Otto Grotewohl. Sie wurden beschuldigt, Staatsgeheimnisse an die bundesdeutsche „Organisation Gehlen“, den Vorläufer des Bundesnachrichtendienstes, verraten zu haben. In einem vierzehnstündigen Geheimprozess ohne Verteidiger wurden beide am 23. September 1955 zum Tode verurteilt und hingerichtet. Die Hinrichtungen durch das Fallbeil fanden wahrscheinlich in den frühen Morgenstunden zwischen 3.00 und 4.00 Uhr auf dem Gefängnishof am Münchener Platz in Dresden statt. Den Hingerichteten bescheinigten Ärzte – meist mehreren zur gleichen Zeit am selben Ort – „akutes Herzversagen“. Im Krematorium wurden die Leichen eingeäschert und zunächst drei Jahre in Bautzen deponiert. Dann brachte man die Urnen heimlich auf den Friedhof Dresden-Tolkewitz. In Unterlagen des Krematoriums wurde bei einigen Namen von Verstorbenen der Zusatz „PO“ gefunden, offenbar die Kennzeichnung für politisch Verurteilte, was erst 1990 durch Friedhofsmitarbeiter bekannt wurde. Auf dem Friedhof Tolkewitz befinden sich damit sowohl Urnen von Verstorbenen aus Bautzen als auch von Personen, die am Münchner Platz in Dresden hingerichtet worden sind. 1998 wurde eine Gedenkstele errichtet, die mit einer Inschrift an die Opfer des Stalinismus erinnert.

Inschriften

Inschrift der Gedenkstele
(auf dem Friedhof Tolkewitz)
Den Opfern des Stalinismus
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
 
  • Kategorie: Gedenkort
  • Historisch: Ja
  • Standort: Wehler Straße 15
  • Stadt: Dresden
  • Gebiet: Sachsen
  • Land: Deutschland