Salzwedel, Deutschland
Geschleiftes Dorf Groß Grabenstedt
Im Mai und Juni 1952 wurden im Kreis Salzwedel 416 Menschen zwangsweise ausgesiedelt. Die sogenannte Aktion „Ungeziefer“ war das Ergebnis der „Verordnung über Maßnahmen an der Demarkationslinie“, welche am 26. Mai 1952 erlassen wurde. Begründet wurde dies mit der angeblichen Notwendigkeit, die Republik und die Bürger vor „eingeschleusten Spionen, Diversanten, Terroristen und Schmugglern aus Westdeutschland“ zu schützen. Groß Grabenstedt fiel in den 500-Meter-„Schutzstreifen“ und seine Bewohner wurden zu Opfern der „Aussiedlungsaktion“. Die Akten des Staatssicherheitsdienstes, sowie Denunziationen von Nachbarn und Mitbürgern lieferten die vermeintlichen Gründe dafür, sogenannte „kriminelle und verdächtige Elemente“ ins Landesinnere der Republik zu deportieren.
Im heutigen Altmarkkreis Salzwedel und im Landkreis Stendal gehören neben Groß Grabenstedt auch Stresow und Jahrsau zu den geschleiften Dörfern, die die DDR-Regierung systematisch entvölkerte.
Auf Initiative des Kreistages Salzwedel wurde am 1. Jahrestag des Mauerfalls, am 9. November 1990, am früheren Fußballplatz in Groß Grabenstedt ein Ortsschild aufgestellt. Darüber hinaus ließ der Kreistag Hinweisschilder in den Nachbarorten errichten.
Inschriften
Inschrift des Gedenksteins
Zur / Erinnerung an / Groß Grabenstedt / Dorf der Zwangsaussiedlung
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Literatur
- Und die Grenze verlief mitten hindurch…, in: Altmarkzeitung, 14.11.1990
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: zwischen Henningen und Nienbergen
- Stadt: Salzwedel
- Ortsteil: Groß Grabenstedt
- Gebiet: Sachsen-Anhalt
- Land: Deutschland
