Selmsdorf, Deutschland
Geschleiftes Dorf Bardowiek
Im äußersten Westen des Landkreises Nordwestmecklenburg, etwa zwei Kilometer von der Lübecker Stadtgrenze entfernt, liegt die Wüstung Bardowiek. Erstmals erwähnt wurde das Dorf Bardowiek 1292 im Ratzeburger Hufenregister. Während des Dreißigjährigen Krieg wurde es zerstört und danach wieder aufgebaut.
Durch die Teilung Deutschlands wurde Bardowiek, das damals in der SBZ direkt an der Demarkationslinie zu den westlichen Zonen lag und etwa 40 Einwohner zählte, zum Sperrgebiet, das nur noch mit Sondergenehmigung betreten werden durfte. 1977 begann der Abriss der ersten Höfe, der erst 1989 mit der Abtragung des letzten Hauses beendet war.
Ehemalige Bewohner des Dorfes hofften nach der Wiedervereinigung, ihre Häuser in Bardowiek wieder aufbauen zu können. Zu diesem Zweck wurde eine Interessengemeinschaft unter Vorsitz von Arno Danielsen gegründet. Dieses Vorhaben scheiterte allerdings aufgrund baurechtlicher Bedenken seitens der zuständigen Verwaltung. Auf dem Gelände des Dorfes steht nunmehr nur noch ein Gebäude: ein altes Transformatorenhaus. Möglicherweise erhielt das zerstörte Dorf aufgrund dieses Trafohäuschens eine Postleitzahl zugeschrieben. Zudem war das Trafohäuschen willkommene Projektionsfläche des Protestes. In großen weißen Buchstaben ist auf einer Seite des Trafohäuschens eine Inschrift angebracht. Die gegenüberliegende Seite des Gebäudes trägt in großen weißen Lettern eine weitere Inschrift.
Das Trafohäuschen diente zudem in einigen Jahren als Ort für die jeweils am 18. Juli statt findende Veranstaltung „Dorffest ohne Dorf“.
Im Jahr 2007 gedachte der Künstler Wanja Tolko mit seinem gleichnamigen Kunstprojekt den Grenzraum Bardowiek. Er markierte mit vier rot und weiß lackierten Stangen den Standort und die Umrisse des ehemaligen Hofes der Familie Kuhlmann. Eine Informationstafel lieferte zudem Hintergrundinformationen über die Ortschaft.
Eine Aussparung im oberen Drittel der Tafel lässt den Betrachter die Umrisse des Gebäudes erahnen. Zudem werden der Künstler und einige Sponsoren des Projektes genannt.
Inschriften
Inschrift der Informationstafel
(auf dem Gelände des geschleiften Dorfes Bardowiek)
Grenzraum: Bardowiek war von 1945 / bis 1989 Grenzdorf innerhalb der / Fünf-Kilometer-Sperrzone / der innerdeutschen Grenze. Seit / 1292 urkundlich bekannt, wurde der / Ort im Dreißigjährigen Krieg zerstört / und im Jahre 1648 / als Angerdorf wieder aufgebaut. / Der Ort umfasste etwa 5 ha und / hatte ca. 40 Einwohner. / Auf Betreiben der DDR-Behörden / wurden die Gebäude bis 1989 / schrittweise abgerissen. / Ansicht: / ehemaliges Wohnhaus der / Familie Kuhlmann. / Idee und Realisation: / Wanja Tolko, 2007
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Inschrift auf der einen Seite des Trafohäuschen
(auf dem Gelände des geschleiften Dorfes Bardowiek)
Bardowiek: seit 1292 urkundlich erwähnt, 1977 - ’89 im ‚DDR‘ - Regime widerrechtlich zerstört
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Inschrift auf der anderen Seite des Trafohäuschens
(auf dem Gelände des geschleiften Dorfes Bardowiek)
Die Gemeinde Selms / dorf und die Lan / desregierung M-V/ verhindern seit / der Wende den Wiederaufbau. / Wir fordern einen B-Plan!
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
2007 - Einweihung
Einweihung der Informationstafel
1977 bis 1989 - Historie
Das Dorf Bardowiek wird aufgrund seiner Grenzlage geschleift
1945 bis 1989 - Historie
Das Dorf Bardowiek befindet sich im Grenzgebiet der DDR
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: etwa zwei Kilometer von der Lübecker Stadtgrenze entfernt
- Stadt: Selmsdorf
- Gebiet: Mecklenburg-Vorpommern
- Land: Deutschland

