Berlin, Deutschland
Geschichtsparcours Papestraße
Die Unterbringung von Flüchtlingen aus dem Osten war im Westteil der geteilten Stadt, wo nach schweren Kriegszerstörungen weiter Wohnungsnot herrschte, noch Anfang der 1950er Jahre ein großes Problem. Neben dem zentralen Aufnahmelager in Marienfelde am südlichen Stadtrand wurden weitere behelfsmäßige Massenquartiere eingerichtet, um den Ansturm zu bewältigen, der mit Einführung der Grenzsicherung an der Staatsgrenze der DDR zur Bundesrepublik und West-Berlin im Mai 1952 dramatisch zunahm.
Auch ein früheres Kasernengelände am heutigen Bahnhof Südkreuz diente vorübergehend der Aufnahme von Deutschen, die aus familiären, politischen oder wirtschaftlichen Gründen den Berliner Osten oder ihre Heimat in Ostdeutschland verlassen hatten. Zwischen 1950 und 1961 war in einem der mehrgeschossigen alten Backsteingebäude ein Flüchtlingswohnheim untergebracht, in dem zeitweilig bis zu 500 Menschen lebten. Als die Fluchtwelle infolge des Mauerbaus abebbte, wurde diese Einrichtung geschlossen.
Ein sogenannter Geschichtsparcours mit 14 Stationen informiert nun über die wechselvolle Geschichte des seit langem gewerblich genutzten Militärgeländes. Die Finanzierung dieses Projekts – von der stadtgeschichtlichen Erforschung des Geländes bis zur Aufstellung der Tafeln mit Karten, Texten und historischen Aufnahmen – erfolgte durch das Bund-Länder-Programm „Stadtumbau West“. Am ehemaligen Flüchtlingswohnheim ist eine Tafel mit Inschrift angebracht.
Inschriften
Inschrift der Informationstafel
(am ehemaligen Flüchtlingswohnheim)
In diesem Haus waren von 1950 bis in die 1960er Jahre / Flüchtlinge aus der DDR und Ost-Berlin untergebracht. / Das Rote Kreuz hatte hier ein Wohnheim eingerichtet, / in dem auch viele kinderreiche Familien lebten. / Der Bau gehört zu der Kasernenanlage aus rotem Ziegel, / die Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet wurde. / Es war eines der Mannschaftsgebäude für das / 3. Eisenbahnregiment. Ein Teil dieses Regiments kam / in den damaligen deutschen Kolonien in Afrika und Asien zum Einsatz. / Die in Schöneberg verbliebenen Soldaten wohnten / vor Fertigstellung der Kaserne in Notquartieren.
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
2009 - Eröffnung
Eröffnung des Geschichtsparcours Papestraße
1950 bis 1961 - Historie
Nutzung des Gebäudes als Flüchtlingswohnheim
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: Werner-Voß-Damm 62
- Stadt: Berlin
- Ortsteil: Tempelhof-Schöneberg
- Gebiet: Berlin
- Land: Deutschland
