Berlin, Deutschland

Gedenkzeichen für Dieter Beilig

 
Die Wahrheit über Dieter Beilig (1941–1971) und seinen mutigen Kampf gegen die Mauer erfuhr die Öffentlichkeit erst nach 1989. Der Kreuzberger Arbeiter hatte 1962 Demonstrationen gegen die Grenzanlagen organisiert und 1963 die nach einem Maueropfer benannte Peter-Fechter-Memorial-Bewegung gegründet. Er hatte versucht, Grenzanlagen zu beschädigen und wurde wegen Verstoßes gegen das Sprengmittelgesetz in West-Berlin verurteilt. Nachdem er die Mauer an der Heinrich-Heine-Straße überstieg, wurde er 1964 in Ost-Berlin festgenommen von einem DDR-Gericht wegen „staatsfeindlicher Hetze und Terror“ zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Strafe wurde später auf Bewährung ausgesetzt und Beilig im Oktober 1966 gegen Devisenzahlung nach West-Berlin zurückgeschickt. Am 2. Oktober 1971 wiederholte Dieter Beilig seine Aktion an der denkbar prominentesten Stelle: am Brandenburger Tor. Dort stieg er auf die Mauer, lief auf deren Krone entlang und rief: „Freiheit für Deutschland!“. DDR-Grenzsoldaten nahmen ihn daraufhin fest. Sein weiteres Schicksal blieb lange unbekannt und konnte erst durch Recherchen nach 1990 rekonstruiert werden. Mit dem Einzug der Akademie der Künste in den Neubau am Pariser Platz fand die Archivarin Petra Uhlmann heraus, was nach der Festnahme mit Beilig geschah. Er wurde in die Ruine der ehemaligen Akademie der Künste gebracht und durchsucht. Als er dort durch ein Fenster fliehen wollte, wurde auf ihn geschossen. Dieter Beilig starb auf dem Weg ins Polizeikrankenhaus. Das MfS fälschte die Beweise, um den Schusswaffeneinsatz zu rechtfertigen. Über den Verbleib seiner sterblichen Überreste ist nichts bekannt. Am 2005 eingeweihten Neubau der Akademie der Künste in Berlin befindet sich heute ein Gedenkzeichen für Dieter Beilig. Im Fensterbereich des Raumes, wo auf ihn geschossen wurde, ist eine Markierung angebracht.

Ereignisse

2005 - Einweihung
Einweihung des Gedenkzeichen für Dieter Beilig am Neubau der Akademie der Künste
2. Oktober 1971 - Historie
Dieter Beilig wird im Zuge einer Protestkation gegen das SED-Grenzregime erschossen

Literatur

  • Müller, Volker: Das Ende des Dieter Beilig, in: Berliner Zeitung, 11.8.2003, S. 9
  • Fuhr, Eckhard: Ein Schuss von 1971 zerreißt die Gegenwart, in: Berliner Morgenpost, 14.8.2003

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
 
  • Kategorie: Gedenkort
  • Historisch: Ja
  • Standort: Pariser Platz 4
  • Stadt: Berlin
  • Ortsteil: Mitte
  • Gebiet: Berlin
  • Land: Deutschland