Berlin, Deutschland
Gedenkzeichen an die Fluchthilfe durch die Kanalisation
Am 2. Oktober 2015 – am Vorabend des 25. Jahrestags der Wiedervereinigung – wurden zwei Gedenktafeln sowie ein neu gegossener Gullydeckel in Gedenken an die Kanalisationsflucht von mehreren hundert Menschen von Ost- nach West-Berlin im September und Oktober 1961 eingeweiht.
Bei der Einweihung in der Neuen Grünstraße 16/17 war unter anderem der Bezirksbürgermeister Dr. Christian Hanke zugegen. Gestiftet wurden die Tafeln von dem Verein Berliner Unterwelten e.V. und dem ehemaligen Fluchthelfer Burkhard Veigel. Letzterer war auch Initiator und Stifter des Kanaldeckels. Burkhard Veigel war nach dem Mauerbau in der studentischen Fluchthilfeorganisation um Detlev Girrmann, der sogenannten Girrmann-Gruppe, aktiv, welche auch die Fluchten über die Kanalisation organisierte. Für sein Engagement wurde er im Jahr 2012 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Aufgrund von Anwohner- und Eigentümerbeschwerden wurden die Tafeln wenige Tage nach der Einweihung demontiert. Der Kanaldeckel, der eine Inschrift trägt, befindet sich weiterhin vor den Häusern der Nummern 16/17 in der Neuen Grünstraße.
Inschriften
Inschrift der Tafel mit Kurzinformation
(ehemals an der Außenwand des Hauses)
Durch den Kanaleinstieg auf / der Straße vor diesem Haus / flüchteten 1961 nach dem Bau / der Mauer etwa 500 Menschen / nach West-Berlin. // Näheres finden Sie auf der Tafel / im Hauseingang.
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Inschrift der Tafel mit ausführlicher Schilderung zur Kanalisationsflucht
(ehemals im Hauseingang)
Die größte Massenflucht aus der DDR // Durch die Kanalisation vor diesem Haus flüchteten / vom 13. September bis zum 14. Oktober 1961 / etwa 500 Menschen nach West-Berlin. / Entdeckt wurde dieser Weg in die Freiheit unter / der Neuen Grünstraße, der Seydelstraße und der / Alten Jakobstraße durch zwei Ost-Berliner. / Die Fluchttour für viele Menschen organisierten dann / Fluchthelfer aus West-Berlin, die sich in der / Girrmann-Gruppe zusammengeschlossen hatten. // Die Mauer zwischen Ost und West stand damals / entlang der Bezirksgrenze zwischen Berlin-Mitte / und Kreuzberg in Höhe der Kommandantenstraße/ / Stallschreiberstraße. // Die Kanalisationsröhre ist hier, beim Einstieg, / einen Meter hoch, beim Ausstieg im Westen, an der / Einmündung in die Feilnerstraße, 1,50 Meter. / Der Weg, den die Flüchtlinge kriechend im Wasser / zurücklegen mussten, war etwa 550 Meter lang. / Direkt unter der Grenze mussten sie sich / außerdem durch ein von den Fluchthelfern / durchgesägtes Gitter zwängen. / Trotzdem ist niemand, der hier ankam, / davor zurückgeschreckt, in die enge, schmutzige / Röhre einzusteigen. // Dieser Fluchtweg war der sicherste, den es je gab. / Niemand wurde hier verhaftet oder erschossen. // Gestiftet von Burkhard Veigel, ehemaliger Fluchthelfer der Girrmann-Gruppe, / und dem Berliner Unterwelten e.V. / 2. Oktober 2015
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Inschrift auf dem Kanaldeckel
(Neue Grünstraße 16/17)
Einstieg zur Freiheit
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
2. Oktober 2015 - Einweihung
Einweihung der Gedenktafeln und des Kanaldeckels
13. September 1961 bis 14. Oktober 1961 - Historie
Etwa 500 Menschen fliehen über die Kanalisation aus der DDR nach West-Berlin
Weitere Informationen
- Berliner Unterwelten e.V.: Projekt Gedenktafeln. Kanaldeckel "Einstieg zur Freiheit" Neue Grünstraße 16/17, URL: https://www.berliner-unterwelten.de/verein/projekte/informations-gedenktafeln/gedenktafeln.html, zuletzt abgerufen am 17.10.2022.
- Kleikamp, Antonia: Der Weg in die Freiheit führte durch die Kloake, in: Die Welt, 3.10.2015, URL: https://www.welt.de/geschichte/article147146275/Der-Weg-in-die-Freiheit-fuehrte-durch-die-Kloake.html
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: Neue Grünstraße 16/17
- Stadt: Berlin
- Ortsteil: Mitte
- Gebiet: Berlin
- Land: Deutschland

