Cottbus, Deutschland
Gedenktafeln für die Opfer stalinistischer Willkür am ehemaligen Gerichtsgefängnis
Das heutige Haus 2 des Landgerichts Cottbus wurde 1907 fertiggestellt und diente bis 1945 als Gerichtgefängnis. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte es die sowjetische Besatzungsmacht als Haftanstalt. Von Mai 1945 bis 1950 diente es der sowjetischen Geheimpolizei NKWD als Untersuchungsgefängnis für die südbrandenburgische Region. Der Weg vieler Häftlinge in die sowjetischen Speziallager führte über das NKWD-Gefängnis Cottbus. Die Mehrzahl, der in Cottbus Inhaftierten wurde in das Speziallager Jamlitz verschleppt. Zwischen Dezember 1945 und April 1947 wurden in wöchentlichen Transporten insgesamt 1 306 Gefangene mit dem LKW von Cottbus nach Jamlitz verbracht. Ferner sind auch Häftlingsmärsche in das Speziallager Ketschendorf bekannt.
Nach 1950 nutzte das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) das Gebäude als Untersuchungshaftanstalt. Hier wurden zahlreiche Häftlinge unter menschenunwürdigen Bedingungen gefangen gehalten und als vermeintliche Staatsfeinde zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt.
Am Gebäude des Amtsgerichtes an der Hofeinfahrt zum ehemaligen Zellentrakt wurde am 3. Dezember 1993 auf Initiative der CDU-Fraktion im Cottbuser Stadtparlament und der Bezirksgruppe Cottbus der Vereinigung der VOS e.V. eine 50 mal 70 Zentimeter große Gedenktafel feierlich der Öffentlichkeit übergeben.
Anlässlich der Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag des Mauerfalls enthüllte Landgerichtspräsident Bernd Walter im November 2009 eine Gedenktafel am ehemaligen Gefängnis, dem heutigen Haus 2 des Landgerichts Cottbus. Die Initiative zur Errichtung der Tafel geht auf den ehemaligen Cottbusser Gefängnispfarrer Karl Vollprecht zurück, der sich mit seinem Anliegen an die frühere Bürgermeisterin wandte. Das Landgericht Cottbus stellte die finanziellen Mittel zur Umsetzung bereit. Auf der aus Bronze gegossenen Tafel befindet sich eine vom Präsidenten des Landgerichts Bernd Walter entworfene Inschrift.
Inschriften
Inschrift der zweiten Gedenktafel
(am ehemaligen Gefängnis, dem heutigen Haus 2 des Landgerichts)
Dieses 1905 - 1907 errichtete Gebäude diente bis 1945 als Gerichtsgefängnis, bis / 1950 als stalinistische Haftanstalt udn bis 1990 als Untersuchungsgefängnis der / Staatssicherheit der DDR insbesondere für politisch Verfolgte (sog. Stasi-Knast). / Seit 1993 befinden sich hier Diensträume des Landgerichts. // Zum Gedenken die der politischen Willkür / schutzlos ausgeliefert gewesenen Inhaftierten
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Inschrift der ersten Gedenktafel
(am Gebäude des Amtsgerichtes, an der Hofeinfahrt zum ehemaligen Zellentrakt)
Zum Gedenken an die / unschuldigen Opfer / der stalinistischen / Willkür / 1945–1950
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
9. November 2009 - Einweihung
Einweihung der Gedenktafel für die Opfer stalinistischer Willkür am ehemaligen Gerichtsgefängnis
1950 bis 1989 - Historie
Nutzung des Gebäudes durch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) als Untersuchungshaftanstalt
Mai 1945 bis 1950 - Historie
Nutzung des heutigen Haus 2 des Landgerichts Cottbus durch das NKWD als Untersuchungsgefängnis für die südbrandenburgische Region
Literatur
- Ehemalige Untersuchungshaftanstalten des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Broschüre des LStU, zusammengestellt von Johannes Beleites, Berlin 2000
- Weigelt, Andreas: Umschulungslager existieren nicht. Zur Geschichte des sowjetischen Speziallagers Nr. 6 in Jamlitz 1945–1947, Berlin 2001
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: Am Spreeufer
- Stadt: Cottbus
- Gebiet: Brandenburg
- Land: Deutschland

