Ilmenau, Deutschland

Gedenktafel zur Friedlichen Revolution

 
Im Ilmenauer Stadtrat wurde lange über die Umbenennung des Platzes vor der städtischen Festhalle in „Platz der deutschen Einheit“ oder „Platz der Demokratie“ gestritten. Schließlich wurde eine andere Lösung gefunden: Es sollte eine Gedenktafel in Erinnerung an die Friedliche Revolution angebracht werden. Am 2. Oktober 2013 wurde die Tafel vor der Festhalle enthüllt. Den entsprechenden Textvorschlag lieferte der ehemalige Thüringer Kultusminister Dr. Michael Krapp. In Folge des Gründungsaufrufes des Neuen Forums Anfang September 1989 in Berlin organisierten sich auch im Ilmkreis Oppositionelle aus verschiedenen Bevölkerungsschichten, darunter viele Jugendliche der Stadt Ilmenau. Ein Ereignis, das die Menschen alarmierte, war der Polizeieinsatz am 7./ 8. Oktober 1989 nach einer Diskoveranstaltung in der städtischen Festhalle, wobei es zu Verhaftungen und Misshandlungen kam. Die Jugendlichen wurden als „Ruhestörer“ und „Randalierer“ diffamiert. Zu dieser Zeit berieten unter Leitung des Superintendenten Christian Köhler die oppositionellen Kräfte bereits über ihr weiteres Vorgehen. Unter dem Motto „Suchet der Stadt Bestes“ riefen sie die Ilmenauer Bürger im Herbst 1989 immer wieder zu Schweigemärschen und öffentlichen Dialogveranstaltungen auf. Vor allem die Festhalle diente neben der St. Jakobuskirche und dem großen Hörsaal der Technischen Hochschule Ilmenau den Demonstrierenden als Versammlungsort. In der Festhalle fand am 27. Oktober 1989 ein Gesprächsforum statt, bei dem erste Rücktrittsforderungen gegenüber den SED-Kreisfunktionären laut wurden. Auch diese nutzten den Platz vor der Festhalle für ihre Zwecke. Am 14. November 1989 organisierten sie eine Kundgebung mit etwa 1 000 SED-Mitgliedern, die am Folgetag von einer Demonstration des Neuen Forums mit mehr als 10 000 Menschen beantwortet wurde. Weitere Demonstrationen mit über 15 000 Teilnehmern folgten Ende November und im Dezember 1989. Am 10. Dezember 1989, als der Rat der Stadt Ilmenau bereits neu gewählt, die MfS-Kreisdienststelle besetzt und aufgelöst worden war, ertönten auf einer Großdemonstration erstmals Rufe nach der Wiedervereinigung Deutschlands. Die größte Kundgebung mit mehr als 25 000 Teilnehmern fand schließlich am 10. Januar 1990 statt.

Inschriften

Inschrift der Gedenktafel
(an der Naumannstraße 22)
‘Wir sind das Volk`// Auf diesem Platz versammelten sich im Herbst und Winter 1989/90 / mehrfach tausende Menschen aus Ilmenau und Umgebung, um friedlich / aber entschlossen gegen staatlichen Machtmissbrauch und für Freiheit, / Demokratie und Menschenrechte zu demonstrieren. // Zur Erinnerung an die Zeit der Friedlichen Revolution, die den Weg zur / Einheit Deutschlands in einem zusammenwachsenden Europa eröffnete. // ‚Wir sind ein Volk‘
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

2. Oktober 2013 - Einweihung
Einweihung der Gedenktafel zur Friedlichen Revolution

Literatur

  • 20 Jahre friedliche Revolution - 20 Jahre Mauerfall, in: Amtsblatt der Stadt Ilmenau, 23.10.2009, Jg. 18, Nr. 13/09, S. 1–3.

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
 
  • Kategorie: Gedenkort
  • Historisch: Ja
  • Standort: Naumannstraße 22
  • Stadt: Ilmenau
  • Gebiet: Thüringen
  • Land: Deutschland