Plauen, Deutschland
Gedenktafel zur Friedlichen Revolution 1989
Am 7. Oktober 1989, dem 40. Jahrestag der DDR, gingen in Plauen 20 000 Menschen auf die Straße, um für Reise-, Versammlungs- und Meinungsfreiheit, für die Zulassung des Neuen Forum und freie Wahlen zu demonstrieren. Die Bevölkerung war mit kleinen Handzetteln und durch Mundpropaganda zu dem Protestzug aufgerufen worden. Die couragierten Plauener Demonstranten sammelten sich auf dem Platz vor dem Theater, wo sie von Löschfahrzeugen der Feuerwehr zurückgedrängt werden sollten. Es kam zum Einsatz von Wasserwerfern gegen die Menschenmenge, woraufhin Pflastersteine gegen die Einsatzfahrzeuge flogen. Eine weitere Eskalation konnte verhindert werden, indem Demonstranten einen Trabanten vor das Feuerwehrauto bugsierten und so dessen weiteres Fortkommen blockierten. Währenddessen kreiste ein Polizeihubschrauber im Tiefflug bedrohlich über den Anwesenden. Es formierte sich ein Demonstrationszug und bewegte sich zum Rathausportal, das von bewaffneten Sicherheitskräften mit einer Sperrkette umstellt war. Die aufgeheizte Stimmung drohte aufzubranden. Mit dem Ruf von Superintendent Thomas Küttler „Keine Gewalt! Lasst euch nicht provozieren!“ gab die Demonstration dem Bürgerwillen Ausdruck. Nachdem es gelungen war die Einsatzleitung davon zu überzeugen sowohl den Hubschrauber als auch die Kampfgruppen abziehen zu lassen, löste sich die Demonstration am frühen Abend auf. Einheiten des Ministeriums für Staatssicherheit, der Polizei sowie der Nationalen Volksarmee sperrten die Stadt daraufhin ab. Noch am selben Abend kam es zu etwa 60, teilweise gewaltsamen, Verhaftungen. Nichtsdestotrotz setzten sich Aktionen des zivilen Ungehorsams in der Stadt fort. So weigerten sich Geschäfte am Einsatz beteiligte Sicherheits- und Feuerwehrkräfte zu bedienen. Der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr verurteilte in einem Schreiben vom 8. Oktober die am Vortag von der Berufsfeuerwehr angewendeten Maßnahmen als gesetzeswidrig und konstatierte, dass die Ereignisse dem Ansehen der
und Vertrauen in die Feuerwehr massiv geschadet haben.
Auf Initiative der 88-jährigen Plauener Bürgerin Annaliese Saupe, die damals unter den Demonstranten war, wurde am 7. Oktober 2000 eine Gedenktafel auf dem Theaterplatz enthüllt. Die Tafel aus Theumaer Fruchtschiefer ist ein Geschenk von Annaliese Saupe an die Plauener Bürger.
An die Demonstration wird in Plauen auch mit Gedenktafeln vor dem Neuen Rathaus und der Lutherkirche erinnert.
Inschriften
Inschrift der Gedenktafel
(auf dem Theaterplatz)
An dieser Stelle / begann / am 7. Oktober 1989 / die erste /Großdemonstration / auf dem Gebiet / der ehemaligen DDR. / Das war der Anfang / der Veränderung / unserer Welt
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
Oktober 2000 - Einweihung
Enthüllung der Gedenktafel zur Erinnerung an die Friedliche Revolution
Literatur
- Küttler, Thomas/ Röder, Jean Curt: Die Wende in Plauen. Es war das Volk. Eine Dokumentation, 5., leicht überarbeitete Aufl., Plauen: Vogtländischer Heimatverl. Neupert, 1993
- Scheer, Udo: Wir kommen wieder! Plauen 89. Eine Stadt demonstriert sich nach Deutschland, Halle (Saale): Mitteldeutscher Verlag, 2014
- Lindner, Bernd: Plauen: Widerborstige Stadt mit Bürgerstolz und Freiheitssinn, in: ders. (Hrsg.): Zum Herbst ’89. Demokratische Bewegung in der DDR, Leipzig: Forum Verlag, 1994, S. 123-138
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns an die Friedliche Revolution, Berlin 2024
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: Theaterplatz
- Stadt: Plauen
- Gebiet: Sachsen
- Land: Deutschland
