Zeulenroda-Triebes, Deutschland

Gedenktafel zur Erinnerung an die Opfer des Brückeneinsturzes

 
Anfang der 1970er Jahre war die Stauseebrücke Zeulenroda in Thüringen eines der wichtigsten Bauprojekte der DDR. Bei der Wasserversorgung Ostthüringens war es immer wieder zu Engpässen gekommen, so dass dafür das Weidatal aufgestaut werden sollte. Die Brücke sollte nicht nur das Tal des künftigen Stausees überspannen, sondern auch als wichtige Verkehrsverbindung dienen. Aufgrund finanzieller Probleme konnte mit dem Bau erst 1973 nach Planungen aus den 1960er Jahren begonnen werden. Am 13. August 1973 knickte das Bauwerk dann hinter einem Pfeiler ab. Dabei verunglückten vier Arbeiter tödlich. Weil sich der Unfall an einem 13. August ereignete, gingen Kriminalpolizei, Staatssicherheit und Experten des Verkehrsministeriums von „Sabotage“ aus. Nach einer beispiellosen Verleumdungskampagne wurden der Tragwerksplaner Gisbert Rother und der Projektingenieur Heinz Haser verhaftet und zu mehrjährigen Strafen verurteilt. Nach Solidaritätsbekundungen von Kollegen kam es zu einem zweiten Prozess, der mit Freisprüchen endete. Beide wurden weiter vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) beobachtet und blieben von den Haftfolgen gezeichnet. Gisbert Rother starb 1996. Am 13. August 1994 wurde nach einem Beschluss des Stadtrates Zeulenroda an der Havariestelle in Quingenberg ein Gedenkstein eingeweiht. Die Inschrift bezieht die beiden zu Unrecht verhafteten Männer Gisbert Rother und Heinz Haser nicht ausdrücklich in das Gedenken ein.

Inschriften

Inschrift der Gedenktafel
(an der Stauseebrücke)
Zum Gedenken / der 4 Opfer des / Brückeneinsturzes / vom 13. August 1973 / Die Stadt Zeulenroda
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Literatur

  • „Vorwurf: Sabotage. Staatswillkür und Zivilcourage am Beispiel eines Unglücksfalles – der Einsturz der Stauseebrücke Zeulenroda“, Buch und Regie: Reinhard Joksch. Videoproduktion Berlin 2003, 45 Minuten

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016