Budapest, Ungarn

Gedenktafel zur Erinnerung an die Opfer der ungarischen Revolution 1956 in der Kilián-Kaserne

 
Die Tafel zum Gedenken an die Opfer der ungarischen Revolution 1956 in Budapest wurde am 23.Oktober 1989 am Gebäude der ehemaligen Kilián-Kaserne, auf Betreiben von Vertretern des "Oppositionellen Runden Tisches" des VIII. und IX. Budapester Stadtbezirk angebracht. Die bronzene Gedenktafel hat die Form einer ungarischen Nationalfahne in deren Mitte sich ein Loch befindet. Sie wurde von dem Künstler Zsolt Gulácsy-Horváth entworfen und gestaltet. Die so genannte Kilián-Kaserne wurden Mitte des 19. Jahrhunderts als Maria-Theresa-Kaserne an der südlichen Ausfallsstrasse, der Üllői út, errichtet. Das lang gestreckte, imposante Gebäudeensemble war 1956 nur noch zum Teil in militärischer Nutzung. Neben den hier stationierten Ersatzeinheiten, die unter dem Befehl von Pál Maléter standen, dienten die Häuser auch als Wohnungen für Zivilisten. Bereits in der Nacht vom 23. zum 24. Oktober 1956, als es im Stadtzentrum zu ersten bewaffneten Auseinandersetzungen gekommen war, versammelten sich vor der Kaserne Demonstranten, die Waffen für sich forderten. Obwohl nahezu 1000 Soldaten vor Ort waren, gelang es den Aufständischen einzudringen und einige Gewehre zu entwenden. Zugleich nutzen etwa 300 Soldaten diesen Zwischenfall, um sich eigenmächtig abzusetzen. Obwohl Teile der Soldaten offen mit den Aufständischen sympathisierten, begann unter Führung eines Politoffiziers am Nachmittag des 24. Oktober der Einsatz gegen die Aufständischen. Besonders auf dem gegenüber liegenden Corvin-Platz hatten sich aufgrund dessen strategischer Lage erste bewaffnete Gruppen gebildet, die sich nun erste kleinere Gefechte mit den Soldaten lieferten. Einige wurden gefangen genommen und in die Kilián-Kaserne verbracht. Die Auseinandersetzungen hielten an, so dass am Morgen des 25. Oktober 1956 Pál Maléter als zuständiger Befehlshaber vom Generalstab in die Kaserne geschickt wurde. Zusammen mit fünf Panzern machte er sich auf den Weg durch die Stadt. Von den Fahrzeugen gelangten nur drei unter heftigem Beschuss bis zur Kaserne. Diese eröffneten daraufhin das Feuer gegen die Verteidiger der Corvin-Passage, waren jedoch unterlegen nachdem zwei weitere Panzer in Feuer aufgingen. Zugleich erhielt Maléter den Befehl, nur noch im Fall von direkten Angriffen gegen die Aufständischen vorzugehen. Zum Zeichen der Solidarität sollten Fahnen mit herausgeschnittenem Wappen herausgehängt werden. Dies geschah am Abend des 25. Oktober und führte zu einer Feuerpause zwischen der Kaserne und dem Corvin-Platz. Die ebenfalls im Umkreis der Kaserne befindlichen sowjetischen Truppen interpretierten diesen Waffenstillstand als Frontenwechsel der ungarischen Armee und nahmen ihrerseits nun die Kilián-Kaserne unter Beschuss. Erst nach mehrmaliger Intervention im Generalstab wurden die Angriffe eingestellt. Nach der Verkündung der offiziellen Waffenruhe am 28. Oktober informierte Maléter, der inzwischen bereits erste Kontakte zu den Aufständischen knüpfen konnte, den Generalstab, dass er nicht länger gegen die Aufständischen vorgehen werde. Er begab sich in Begleitung einiger Offiziere auf den Corvin Platz, wo es zu ersten Verhandlungen und Gesprächen kam, die das Bild Maléters nachhaltig prägten. In den folgenden Tagen berichteten die Tageszeitungen ausführlich über die Verbrüderung zwischen Armee und Aufständischen in der Kilián-Kaserne, die zur Entstehung des Mythos dieses Ortes beitrugen. Am 31. Oktober fanden hier die Verhandlungen über die Bildung einer gemeinsamen Nationalgarde statt. Neben Maléter nahmen der Verteidigungsminister Király sowie der Chef der Budapester Polizei Sándor Kopásci und von Seiten der Aufständischen unter anderem Gergely Pongratz als Anführer der Corvin-Gruppe teil. Maléter appellierte an die Anwesenden, zur Verteidigung der Revolution gemeinsame Streitkräfte zu schaffen. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen kam zu Auseinandersetzungen zwischen Maléter und Pongratz, der ihn für die Toten in den ersten Tagen der Revolution verantwortlich machte. Am 3. November fanden kurz vor der Verhaftung Maléter die letzten Gespräche zwischen der Corvin-Gruppe und der Armee in der Kaserne statt. In den frühen Morgenstunden des folgenden Tages begann der zweite sowjetische Einmarsch. Die Kilián-Kaserne war eines der ersten Ziele des sowjetischen Angriffs. Die Soldaten waren von der Heftigkeit des Bombardements überrascht. Ein allgemeines Chaos brach aus, als die sowjetischen Truppen mit der Erstürmung des Gebäudes begannen. Einige weniger Verteidiger konnten entkommen, ein Großteil der Insassen fiel den Kämpfen zum Opfer.
The plaque commemorating the victims of the 1956 Revolution was installed on October 23, 1989 in the building which housed the former Kilián Barracks, at the prompting of representatives from the „Oppositional Round Table“ (8th and 9th Municipal Districts). The bronze memorial plaque has the shape of the Hungarian national flag with a hole in its centre. It was designed and constructed by the artist Zsolt Gulácsy-Horváth. The so-called Kilián Barracks had been erected as the Maria Theresa Barracks in the southerly arterial road, Üllői Drive, during the mid-19th century. The long, ambling and imposing edifice was only partly used for military purposes in 1956. Along with the relief units stationed here, who served under the command of Pál Maléter, the residential buildings were also utilised by civilians. Already during the night from October 23rd to October 24, 1956 as the first armed skirmishes began, a group of demonstrators had assembled in front of the Barracks in order to demand weapons for themselves. Although nearly 1,000 soldiers were present at the site, the insurgents managed to penetrate the building and confiscate firearms. At the same time, 300 soldiers exploited the opportunity in order to depart on their own accord. Although portions of the units sympathized with the insurgents, mobilisation against the insurgents was initiated under the command of a police official during the afternoon of October 24th. Especially at Corvin Square directly opposite, armed groups had formed due to the strategically advantageous location, and these began scattered skirmishes with the soldiers at the site. Some were captured and taken to the Kilían Barracks. The fighting continued, and eventually Pál Maléter was sent by the staff of generals as their acting commander into the Barracks on the morning of October 25, 1956. He set off through the city accompanied by five tanks. Of these vehicles, only three succeeded in reaching their destination as a result of heavy bombardment. Upon arrival, they opened fire on the defenders of the Corvin Passage, but they were soon in the defensive as two more tanks broke into flames. Simultaneously, Maléter was given the order to refrain from attacking the insurgents, unless the latter had begun direct attacks beforehand. As a sign of solidarity, white flags with their emblems cut out were supposed to be hung to view. This occurred on October 25th in the evening, which then led to a cease-fire between the Barracks and the Corvin Passage. Soviet troops also stationed in the vicinity interpreted this cease-fire as a shift of loyalties on the part of the Hungarian Army, and thus opened fire on the Kilían Barracks. Only after repeated interventions by the staff of generals was it possible to put an ending to the fighting. Following the announcement of an official truce on October 28th, Maléter – who had in the meantime established initial contact with the insurgents – informed the staff of generals he would no longer take action against the insurgents. Escorted by several officers, Maléter proceeded to Corvin Square, and the first negotiations and conversations ensued which would later define his image for prosperity. During the following days, newspapers reported extensively about the fraternity between the Army and the insurgents at the Kilían Barracks, which also went on to define the myth surrounding the events at the site. On October 31st, negotiations concerning the formation of a common National Guard took place. Along with Maléter, Minister of Defence Király, the Budapest Chief of Police Sándor Kopásci and among other insurgents, Gergely Pongratz, as leader of the Corvin Group, also took part in the talks. Maléter beseeched those present to establish common armed forces which could defend the Revolution. In the further course of these negotiations, disagreements arose between Maléter and Pongratz, the latter giving the former the responsibility for those killed during the first days of the Revolution. On November 3rd, shortly before Maléter was arrested, the last discussions were held between the Corvin Group and the Army at the Barracks. During the early morning hours of the following day, the second invasion of Soviet troops began. The Kilián Barracks were one of the primary objectives of Soviet attacks. The soldiers were caught off guard by the violence of the onslaught. General chaos broke out as the Soviet troops began storming the building. A few defenders were able to escape, but the majority of the building inhabitants lost their lives in the ensuing battle.

Inschriften

Inschrift der Gedenktafel
(am Gebäude der ehemaligen Kilián Kaserne)
AZ 1956-OS FORRADALOM ÉS SZABADSÁGHARC MÁRTÍRJAI ÉS NÉVTELEN HŐSEI EMLÉKÉRE JÓZSEFVÁROSI ÉS FERENCVÁROSI ELLENZÉKI KEREKASZTAL 1989 OKT. 23
Deutsche Übersetzung:
Zum Gedenken an die Märtyrer und namenlosen Helden der Revolution und des Freiheitskampfes von 1956. Der Oppositionelle Runde Tisch der Josefstadt und der Franzstadt, 23. Okt. 1989
Englische Übersetzung:
In memory of the Martyrs and nameless Heroes of the 1956 Revolution and Fight for Freedom. The Oppositional Round Table of Josef Town, October 23, 1989
Sprache: Ungarisch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

23. Oktober 1989 - Errichtung
Einweihung der Gedenktafel zur Erinnerung an die Opfer der ungarischen Revolution 1956 in der Kilián-Kaserne

Literatur

  • Géza, Boros: Emlékművek '56-nak. Budapest 1997
  • Dent, Bob: Budapest 1956. Locations of Drama, Budapest 2006
  • Litván, György; Bak, János M. (Hrsg.): Die Ungarische Revolution 1956. Reform, Aufstand, Vergeltung, Wien 1994
  • 1956 enciklopédiája. A magyar forradalom és szabadságharc. 1956 október 6.- december 12, hrsg. vom 1956-os Intézet (1956-er Institut), Budapest 1999. 1 CD-ROM