Berlin, Deutschland
Gedenktafel zur Erinnerung an die Grenzöffnung in Ungarn
In den 1980er Jahren beschritten die wirtschaftlich im RGW und militärisch im Warschauer Vertrag versammelten Staaten Ostmitteleuropas zunehmend eigene Wege. Wie kein zweites sozialistisches Bruderland forcierte die Volksrepublik Ungarn die Annäherung an den Westen. Im Februar 1989 wurde das Machtmonopol der kommunistischen Partei beendet und ein Mehrparteiensystem eingeführt. Am 2. Mai 1989 begannen ungarische Grenzsoldaten im Nordwesten des Landes den Stacheldrahtzaun an der Grenze zu Österreich abzureißen und öffneten so den „Eisernen Vorhang“.
Kurz zuvor war Ungarn der Genfer Flüchtlingskonvention beigetreten. Damit durften die vielen DDR-Bürger, deren Fluchtversuche über Ungarn im Sommer gescheitert waren, nicht mehr den ostdeutschen Behörden übergeben werden, wie es bisher Praxis gewesen war. Hunderte flüchteten nun in die bundesdeutsche Botschaft in Budapest, um dort ihre Ausreise zu erwirken. Am 14. August wurde die Botschaft wegen Überfüllung geschlossen. Am 19. August nutzten zahlreiche Ostdeutsche ein „Paneuropäisches Picknick“ und die symbolische Öffnung eines Grenztores an der ungarisch-österreichischen Grenze bei Sopron erfolgreich zur Flucht. Die Botschaftsbesetzer in Budapest durften am 24. August nach Österreich fliegen. Am 11. September um 0.00 Uhr öffnete Ungarn unter Berufung auf die Menschenrechte seine Westgrenze für alle Bürger der DDR, von denen in den folgenden Wochen tausende über Österreich in die Bundesrepublik Deutschland kamen. Dies trug wesentlich zur Destabilisierung des SED-Regimes bei.
Zum zweiten Jahrestag der Grenzöffnung enthüllten am 10. September 1991 Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth und der ungarische Parlamentspräsident György Szabad eine Gedenktafel im Reichstagsgebäude. Nach dessen Umbau wurde die 90 mal 150 Zentimeter große Bronzetafel außen an der nordöstlichen Ecke des Gebäudes angebracht.
Inschriften
Inschrift der Gedenktafel
(außen an der nordöstlichen Ecke des Reichstagsgebäudes)
10. September 1989 / Ein Zeichen der Freundschaft / Zwischen dem Ungarischen / und dem Deutschen Volke / Für ein Vereinigtes Deutschland / Für ein Unabhängiges Ungarn / Für ein Demokratisches Europa / 1989. szeptember 10. / A magyar és német nép / Barátságának jelképeként / Az egységes Németországért / A független Magyarországért / A demokratikus Európáért
Sprache: Deutsch / Ungarisch, Schrift: Lateinisch
Literatur
- Hertle, Hans-Hermann: Chronik des Mauerfalls. Die dramatischen Ereignisse um den 9. November 1989, Berlin 1996
- Spurensuche, Jahresringe der Geschichte. Historische Stätten des Reichstagsgebäudes, hrsg. vom Deutschen Bundestag, Berlin o. J
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Unbekannt
- Standort: Reichstagsgebäude, Platz der Republik 1
- Stadt: Berlin
- Ortsteil: Mitte
- Gebiet: Berlin
- Land: Deutschland

