Frankfurt (Oder), Deutschland
Gedenktafel zur Erinnerung an die friedliche Demonstration am 1. November 1989
Am Abend des 1. November 1989 folgten etwa 35 000 Bürger dem Aufruf einer Initiativgruppe des Neuen Forums zu einer Demonstration in der Bezirksstadt Frankfurt (Oder). Die nicht nehmigte Protestaktion war Ausdruck des mutigen Aufbegehrens der Frankfurter gegen die Diktatur. Der Demonstrationszug bewegte sich mit Kerzen und Transparenten an Polizeiketten vorbei, bevor auf dem Brunnenplatz acht Redner die Demokratisierung der DDR einforderten. Diese Protestkundgebung war der machtvolle Auftakt für die friedliche Umgestaltung der Stadt Frankfurt.
Zwölf Jahre später, am 1. November 2001, weihte der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung mit ehemaligen Aktiven des Neuen Forums eine mehrteilige Gedenktafel in der Stufenanlage am Brunnenplatz ein, die an die friedliche Demonstration von 1989 erinnern soll. Die Stadtverordnetenversammlung hatte im Dezember 1999 den beiden Frankfurter Grafikern Lothar Tanzyna und Peter Sottmeier den Auftrag erteilt, die Erinnerung an das Geschehen im Herbst 1989 künstlerisch umzusetzen. Die beiden Künstler gehörten ebenfalls zum Neuen Forum, das sich zuvor am 4. Oktober 1989 mit 43 Teilnehmern in Frankfurt (Oder) gegründet hatte.
In die Treppe des Brunnenplatzes wurde am 3. Oktober 2000, dem 10. Jahrestag der deutschen Einheit, eine siebenteilige Gedenktafel aus Kunststeinplatten mit Buchstaben aus Edelstahl eingelassen. Die Wort dieser Inschrift stammen aus der Rede von Dr. med. Karl-Ludwig von Klitzing auf der ersten, vom Neuen Forum organisierten Demonstration am 1. November 1989, mit der 35.000 Bürger die friedliche Umgestaltung der Stadt Frankfurt und ihrer Umgebung einleiteten.
Die alten Gedenktafeln hielten materialbedingt nur wenige Jahre, weshalb das städtische Kulturbüro in Frankfurt (Oder) die Neuanfertigung der Tafeln auf Grundlage der alten Entwürfe von Lothar Tanzyna und Peter Sottmeier beschloss. Am 16. September 2009 ließ die Stadt die sieben Tafeln feierlich enthüllen. Anwesend waren der Oberbürgermeister Martin Patzelt und damalige Akteure des Neuen Forums. Die Inschrift blieb unverändert.
Inschriften
Inschrift der Gedenktafel
(in die Treppe des Brunnenplatzes eingelassen)
Wir brauchen eine vollkommene Demokratisierung, Reisefreiheit, Rede und Pressefreiheit, Chancengleichheit, Perspektiven für jeden einzelnen, ein besseres Bildungssystem. Und wir brauchen wirksame Kontrollen. Diese friedliche Demonstration soll kundtun, dass wir alle hier für die Wende sind, an ihr mitarbeiten, sie mittragen, sie dringend fordern. Aus der Rede von Dr. med. Karl-Ludwig von Klitzing auf der ersten, vom Neuen Forum organisierten Demonstration am 1. November 1989, mit der 35.000 Bürger die friedliche Umgestaltung der Stadt Frankfurt und ihrer Umgebung einleiteten. Zur Erinnerung angebracht und gestiftet von der dankbaren Frankfurter Bürgerschaft am 3. Oktober 2000, dem 10. Jahrestag der deutschen Einheit.
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Literatur
- Kusch, Reinhard: Kollaps ohne Agonie, hrsg. vom Museum Viadrina Frankfurt (Oder), Jacobsdorf 1999
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: Brunnenplatz
- Stadt: Frankfurt (Oder)
- Gebiet: Brandenburg
- Land: Deutschland
