Oranienburg, Deutschland
Gedenktafel zur Erinnerung an die Besetzung der MfS-Kreisdienststelle
Am 13. Dezember 2020 wurde an der ehemaligen Kreisdienststelle des Ministeriums für Staatssicherheit in der Greifswalder Straße 17 in Oranienburg eine Gedenktafel angebracht, die an die friedliche Besetzung des Gebäudes durch die Bürgerrechtsbewegung im Jahr 1989 erinnert. Neben Zeitzeugen nahmen an der Einweihung der Gedenktafel der Bürgermeister Alexander
Laesicke, der Stadtverordnetenvorsteher Dirk Blettermann, der Bundesvorsitzende der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft e. V., Dieter Dombrowski, sowie die Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur in Brandenburg, Dr. Maria Nooke, teil.
Inschriften
Inschrift der Gedenktafel
(Greifswalder Straße 17)
Ehemalige MfS-Kreisdienststelle // Auf dem Gelände der Greifswalder Straße 17/Ecke / Freienwalder Straße 28A befand sich zwischen / 1955 und 1989 eine Kreisdienststelle des / Ministeriums für Staatssicherheit (MfS/Stasi). / Wie alle MfS-Kreisdienststellen auf dem Gebiet der / DDR hatte sie die Aufgabe, die Sicherheit des staat- / lichen Regimes auf Ebene des Landkreises zu / gewährleisten. Zudem war die Stasi für die Über- / wachung und Verfolgung politisch Andersdenkender / verantwortlich. Dies reichte bis in die persönlichsten / Lebensbereiche und umfasste neben Bespitzelungen / auch Verhöre und Zersetzungsmaßnahmen. // Mit 78 hauptamtlichen Mitarbeitern gehörte die / Kreisdienststelle Oranienburg zu den größten des / Landes. Dies lag vor allem an der Nähe zu West- / Berlin. Bis zu 550 Inoffizielle Mitarbeiter aus dem / gesamten Kreisgebiet waren zeitgleich für die Behör- / de tätig. Bei geheimen Treffen mit ihren Führungs- / offizieren gaben sie Informationen über die von / ihnen bespitzelten Bürger, Organisationen, Vereine / und Institutionen preis. Rund 110 konspirative / Wohnungen und andere Orte standen im Kreis / Oranienburg für solche verdeckten Treffen zur Ver- / fügung, unter anderem Privatwohnungen in der / heutigen Bernauer Straße und auf dem heutigen / Schloßplatz. // Auch Betriebe wurden vom MfS observiert. / In den Hennigsdorfer Großbetrieben „VEB LEW - / Lokomotivbau Elektrotechnische Werke Hans / Beimler“ und „VEB Stahl- und Walzwerk Wilhelm / Florin“ wurden sogar Operativgruppen mit jeweils / drei bis vier Stasimitarbeitern eingesetzt, deren Auf- / gabe es war, die Werktätigen auf Linientreue zu / überprüfen. Unterstützung fand das MfS durch / Inoffizielle Mitarbeiter in den Betrieben. // Am 13.12.1989 kam es durch den mutigen Einsatz / des Neuen Forums zu Besetzung der inzwischen / zum „Kreisamt für Nationale Sicherheit“ umbenann- / ten Stasi-Dienststelle durch Bürgerinnen und Bürger / der Stadt. Sie forderten Einsicht in ihre Akten und / die sofortige Schließung des Amtes. Viele Akten / waren von den MfS-Mitarbeitern allerdings bereits / vernichtet worden. // Nur neun Tage nach der friedlichen Besetzung fand / die Arbeit der Dienststelle ihr endgültiges Ende. / Am 22. Dezember 1989 wurde das Gebäude an den / Kreis übergeben. Die verbliebenen Aktenbestände / (insgesamt 166 Laufmeter) befinden sich heute im / Archiv des Bundesbeauftragten für die Unterlagen / des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen / Deutschen Demokratischen Republik (BStU).
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
13. Dezember 2020 - Einweihung
Einweihung der Gedenktafel zur Erinnerung an die Besetzung der MfS-Kreisdienststelle
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns an die Friedliche Revolution, Berlin 2024
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: Greifswalder Straße 17
- Stadt: Oranienburg
- Gebiet: Brandenburg
- Land: Deutschland

